Druck – so oder so

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Fr, 30. April 2021

1. Bundesliga

Im DFB-Pokal empfängt Bremen RB Leipzig / Trainer-Duell mit unterschiedlichen Vorzeichen.

. Es steht außer Frage, dass Werder Bremen wie RB Leipzig zwei Fußballlehrer beschäftigten, die sich auf Pressekonferenzen kraft ihrer rhetorischen Fähigkeiten bestens verkaufen können. Vor dem DFB-Pokalhalbfinale im leeren Weserstadion an diesem Freitag (20.30 Uhr/ARD) gilt unweigerlich der Fokus den Trainern Florian Kohfeldt und Julian Nagelsmann. Wird das Duell zwischen den akut abstiegsgefährdeten Hanseaten und den erneut auf die Vizemeisterschaft zusteuernden Sachsen doch von der Frage überwölbt, ob der eine seinen selbst bestimmten Abschied zum FC Bayern mit seinem ersten Titel krönt, während der andere womöglich schon jetzt seine Abschiedsvorstellung gibt?

Nagelsmann versicherte ungerührt, dass es ihm gar nichts ausmache, dass Vorstandschef Oliver Mintzlaff den Pokalsieg – es wäre der erste Titel für das 2009 entstandene Red-Bull-Konstrukt – vor dem Weggang nach München einfordert. Den Druck empfinde er als relativ normal, sagte der 33-Jährige. Eine Extra-Motivationsspritze brauche da keiner: "Wenn man die Chance hat, das Ding zu gewinnen, will man das auch – gleiches gilt für mich."

Das bereits auf den 13. Mai vorverlegte Endspiel in Berlin würde die Reputation des immer noch jüngsten Übungsleiters im Oberhaus unweigerlich weiter steigern. RB-Übervater Ralf Rangnick hatte bei seinem Abschied 2019 das Finale gegen den FC Bayern (0:3) deutlich verloren. Erfreut ist Nagelsmann, dass seine Nachfolge so zügig geklärt ist: Wie der Verein mitteilte, übernimmt Jesse Marsch vom Schwesterclub Red Bull Salzburg zur neuen Saison. Der 47-jährige US-Amerikaner hatte als Co-Trainer unter Rangnick in der Messestadt gearbeitet, die Nagelsmann nach nur zwei Jahren wieder verlässt.

Die Lage seines Kollegen Kohfeldt sei im Vergleich "nicht angenehm", wie Nagelsmann mitführend anmerkte. "Ich mag ihn als Typ, ich halte ihn für einen guten Trainer. Er kann damit umgehen, sonst würde Werder Bremen nicht in der Bundesliga spielen. Ich wünsche ihm, dass es wieder gut ausgeht, aber deswegen werden wir nicht weniger Gas geben." Sein kraftstrotzendes Ensemble mit dem Bullenlogo auf der breiten Brust hatte am 10. April recht locker mit 4:1 gewonnen, ohne auch nur annähernd an die Leistungsgrenze zu gehen. Nagelsmann erinnerte vorsichtshalber daran, dass "Werder eine Pokalmannschaft" sei und er mit der TSG Hoffenheim dort auch schon mal ausgeschieden sei. Saison 2017/2018, zweite Runde.

Dass nach sieben Liga-Niederlagen seine bis vergangenen Montag im Raum stehende Entlassung kein "business as usual" sei, räumte der 38-jährige Kohfeldt ein, möchte aber seine Spieler von diesem Druck abkoppeln. Die sollten einfach die Köpfe freibekommen. Deshalb werden bei den Grün-Weißen auch einige Abläufe geändert: keine Übernachtung im Tageshotel, weniger Sitzungen, kürzere Ansprachen. "Niemand muss das Gefühl haben, dass er den Druck auf den Schultern hat, für mich zu spielen", bat Kohfeldt. "Keiner muss mir etwas an Vertrauen oder Loyalität beweisen. Auf ein Pokal-Halbfinale könne man sich freuen, "denn so ein Spiel spielt man nicht jeden Tag."

Im zweiten Halbfinale trifft Borussia Dortmund auf den Zweitligisten Holstein Kiel. Und der Respekt vor den Kielern seitens des BVB ist durchaus groß. "Den FC Bayern München zu schlagen, schaffen nicht sehr viele", sagte Terzic mit Blick auf die Sensation der Störche in der 2. Runde. Dass Kiel erst kürzlich aus der Quarantäne kam, sei derweil "nicht ganz der große Vorteil für uns", sagte Terzic: "Sie hatten erst eine Englische Woche und stehen noch am Anfang des harten Programms."