Was Würmer wertvoll macht

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Do, 14. November 2019

Efringen-Kirchen

Rolf Kern schildert, wie man die kleinen Bodenbearbeiter zur Erosionsvermeidung nutzen kann.

EFRINGEN-KIRCHEN.  Vor Regenwürmern kann man nicht nur als Landwirt, sondern auch als Hobbygärtner den Hut ziehen:  Nach dem Vortrag von Referent Rolf Kern, Fachberater für Wasserschutz- und Pflanzenbau im Landratsamt Karlsruhe, bekam man ein Bild von dem, was die kleinen Tiere zur Erosionsvermeidung beitragen.

"Erosionsvermeidung durch Mulchsaat" – lautete der Titel des Vortrages in der Engemühle. Eingefunden hatten sich trotz des aktuellen Themas – denn von Erosion durch Starkregen sind viele Ackerflächen im südlichen Markgräflerland betroffen – nur zehn Zuhörer, darunter mit Rolf Hess und Sonja Bierer fachliche Vertreter aus dem Landratsamt Lörrach, Heinz Kaufmann für den BLHV und Landwirte.

Kern bemühte neben Fotos und Cartoons auch andere Vergleiche, um Landwirte, die ihre Felder noch weitgehend konventionell bewirtschaften, sprich pflügen, oder die bei den Kulturen Mais auf Mais folgen lassen, für eine andere Bodenbewirtschaftung zu gewinnen.  "Es gilt, Boden wieder mehr zu beleben, Humusbildung zu fördern und Biodiversität zu steigern", sagte er. 

Was man für eine veränderte Felderbewirtschaftung braucht, ist aber auch Geduld. Der Boden wird nicht in nur zwei Jahren eine bessere Struktur und Fruchtbarkeit bekommen. Und er wird sich nicht in kurzer Zeit, etwa durch die Arbeit von Regenwürmern, so verändern, dass er fähig ist, mehr Wasser aufzunehmen und genau damit den Starkregenereignissen etwas entgegenzusetzen.  Denn Regenwürmern muss man auch etwas "zum Futtern" geben.  Regenwürmer ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenanteilen wie Maisstoppeln. Diese ziehen sie in ihre Röhren hinein. Der von den Regenwürmern ausgesonderte Wurmkot trägt dann zur Fruchtbarkeit der Böden bei, die Regenwurmröhren zur Stabilität der Böden und zur Wasseraufnahme. "Meterlange Regenwurmröhren  können bis zu 20 Jahre stabil bleiben und sichern so eine gute Bodendrainage bei Regen und das Speichern von Wasser bei Trockenheit", erklärte Kern eine bemerkenswerte Tatsache.

 Bis zu sechs Tonnen totes organisches Material können Regenwürmer auf einem Hektar "verschaffen" –allerdings nur auf Böden , die nicht gepflügt werden. "Boden, der von vielen Regenwürmern besiedelt ist, hat fünf Mal  mehr Stickstoff, sieben Mal mehr Phosphor und elf Mal mehr Kalium als regenwurmarme Böden", gab Kern weiter. Grabaktiv sind die Würmer vor allem im Frühjahr und im Herbst – da sollte man eine tiefe Bodenbearbeitung vermeiden. Denn  eine schonende Bodenbearbeitung ist Voraussetzung für dessen langfristige Verbesserung, und diese Bearbeitung leistet auch der Erosion Widerstand. Zudem sollte man auf verschiedene  und tief wurzelnde Pflanzen bei der Fruchtfolge achten und Gülle oder Mist durchaus, aber dann eher sparsam verwenden, so Kern.

Die schonende Mulchsaat trägt  zum Beispiel dazu bei, dass Böden "aufgefrischt" und langfristig wieder humusreich werden. "Klar hat man, wenn man mit dem Pflug arbeitet, weniger Probleme zuerst mit der Aussaat und dann mit dem Unkraut und es gibt auch mehr Ertrag – aber man braucht mehr Dünger und eventuell mehr Pestizide und damit mehr Maschineneinsatz", nahm er den Einwurf eines Landwirtes auf, der die Wirtschaftlichkeit eines Ackers ins Spiel brachte. Langfristig aber rechne sich eine schonende Ackerbewirtschaftung, die mehr Humus produziert und Starkniederschlag etwas entgegensetzt, nicht nur bei einem dann sparsameren Maschineneinsatz. "Bei einem Starkregen können nämlich  auf einem konventionell bearbeiten Boden 40 Tonnen Ackerland pro Hektar verloren gehen – damit sind auf einen Schlag fünf Anhänger voll mit Erde", gab Kern zu bedenken.