Freizeitstress

Anwohner des Freiburger Seeparks berichten von Lärm: "Ein Bass – da steh’ ich im Bett"

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Fr, 24. September 2021 um 09:30 Uhr

Betzenhausen

Die Menschen, die rund um den Seepark wohnen, beschweren sich seit längerem über die Lärmbelastung. Die sei im letzten Jahr unerträglich geworden, berichten sie bei einem vor Ort Termin.

Die Anwohner des Seeparks in Betzenhausen sind zunehmend vom Lärm geplagt. Am Mittwochabend trafen sich knapp 50 von ihnen mit Stadträten der CDU und von Freiburg Lebenswert (FL), um ihre Situation darzustellen. Dabei machten sie klar: Es gehe ihnen nicht darum, dass der Park nachts nicht genutzt werden soll – allerdings könne es so, wie es ist, nicht bleiben. Von Politik und Polizei zeigten sie sich enttäuscht.

An Wochenenden kommen noch organisierte Partys dazu

"Ich wohne seit über 25 Jahren hier, aber dieses Jahr ist es so schlimm wie noch nie", erzählt ein Mann. Der Park sei eine Attraktion für junge Menschen aus der ganzen Region geworden, die teils spät nachts anrückten und mit großen Musikboxen die ganze Gegend beschallen. "Die haben einen Bass – da steh ich im Bett", berichtet ein junger Mann. Dazu kämen organisierte Konzerte und Partys an den Sommerwochenenden. Und da es nicht ausreichend Toilettenanlagen gebe, dienten Sträucher und Vorgärten als öffentliche Klos. Ein Mann berichtet, er habe in 20 Minuten 14 Personen gezählt, die sich in seinem Vorgarten erleichtert haben: "Das stinkt am nächsten Tag ganz fürchterlich."

Die Anwohner berichten von Schlafstörungen trotz Lärmschutzfenstern und Ohrstöpseln – und von untätiger Politik und Polizei. "Ich habe Nächte erlebt, da stehen hier vier Mannschaftswagen der Polizei, die nichts tun, als die Wiese zu beleuchten", erzählt eine Frau. Ein großes Problem, da sind sich alle einig, sei, dass die bestehenden Regeln nicht umgesetzt werden. Laute Musikgeräte beispielsweise, sind laut Polizeiverordnung in Parks schon lange unzulässig – jedoch setze die Polizei das kaum durch.

Auch mit der Reaktion der Politik sind die Anwohner unzufrieden. Briefe an die Stadtverwaltung und auch an den Ministerpräsidenten würden nur sporadisch beantwortet und hätten bislang zu keiner langfristigen Besserung geführt. Ein Mann erklärt, er würde eine Klage gegen die Rathausspitze vorbereiten, um sie zur Durchsetzung der Polizeiverordnung zu zwingen.

Die Anwohner wollen sich in Zukunft vernetzen

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Carolin Jenkner erklärt, dass die Mehrheit im Gemeinderat aktuell nicht zugänglich für Fragen der Lärmbelästigung sei. Sie verweist darauf, dass der Vollzugsdienst eben erst um sechs Stellen verkleinert wurde. Ihre Fraktion werde möglichst schnell wieder eine Aufstockung des Dienstes beantragen. Sie verspricht außerdem, einen Runden Tisch zu initiieren, bei dem Betroffene mit Polizei und Verwaltung über Lösungen beratschlagen könnte. Vorschläge machen auch die Anwohner: Sie regen ein Verbot von Musikboxen im Park an.

Ein Anwohner erzählt, dass sich die Lärmproblematik nebenan in der Stusi gelegt habe, nachdem dort ein Sicherheitsdienst als Ansprechpartner engagiert wurde: "Am Eschholzpark hat die Stadt auch einen Sicherheitsdienst eingesetzt. Warum soll das hier nicht gehen?"

Um sich untereinander zu vernetzen, haben die Anwohner eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich Betroffene wenden können: [email protected]