Ein Bürgerforum ergreift das Wort

Hans-Jochen Köpper und Ralf Morys

Von Hans-Jochen Köpper & Ralf Morys

Do, 25. März 2021

Feldberg

Gruppe um Altgemeinderat Wochner verteilt kritischen Flyer.

Für Diskussionen sorgt derzeit ein vierseitiger Flyer, der in den vergangenen Tagen in der Gemeinde an ausgesuchte Haushalte verteilt worden ist und von einem neuen Bürgerforum Feldberg stammt. Flächendeckend ist das Schreiben am Höchsten nicht verteilt worden. So erhielten die Mitglieder der Bürgerliste Feldberg es nicht gesteckt, sondern nur auf Umwegen und auch bei Bürgermeister Albrecht kam der Flyer erst zu Wochenbeginn an.

. Das Scheiben trägt die Namen von Barbara Beckmann, Katrin Eggert und dem früheren langjährigen Gemeinderat Walter Wochner und sei aus "Liebe und Verbundenheit zur Gemeinde Feldberg" verfasst worden. So steht es jedenfalls ganz am Textanfang. Begründet wird das Schreiben mit der "Veränderung einer erfolgreichen Politik in den vergangenen zwei Jahren." Mit dem neuen Bürgermeister Johannes Albrecht wolle man sprechen und "einen starken Gemeinderat gerne begleiten."

Für das Bürgerforum Feldberg steht fest, dass die Gemeinde als übernachtungsstärkste Gemeinde im Hochschwarzwald zu 95 Prozent vom Tourismus abhänge und dieser Aufschwung auch dafür gesorgt habe, dass es ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten gebe. Es folgt eine Auflistung der im vergangenen Vierteljahrhundert getätigten Investitionen in die Infrastruktur.

Danach wird die Forderung erhoben, dass der Gemeinderat wieder einen beratenden Tourismusausschuss und einen beratenden Liftausschuss einberufen soll. In beiden Ausschüssen sollten zu Bürgermeister Albrecht und fünf Gemeinderäten noch die "höchst zulässige Zahl von vorgeschlagenen Bürgern" mitwirken. Diese Bürger, so die Forderung, wolle das Bürgerforum vorschlagen.

Ziel der Ausschüsse sei es, so "eine gemeinsame, konstruktive und ergebnisorientierte Zusammenarbeit herzustellen. Ebenso stehen im Skigebiet Feldberg umfangreiche Investitionen an, die von einer erfahrenen Gruppe begleitet werden sollen." Dazu gebe es bereits einen Gemeinderatsbeschluss, der die Ausschreibung einer kuppelbaren 6/8 Sesselbahn anstelle des alten zweier Sessellifts beinhalte und somit die erforderlichen Änderungen am Seebuck einläute.

Weitere Punkte im Schreiben sind eine Rückkehr zu einer kooperativen Zusammenarbeit im Zweckverband Hochschwarzwald, im Sprengel und mit der HTG. "Persönliche Animositäten sind umgehend einzustellen und haben in der Gemeindearbeit keinen Platz", heißt es da weiter.

Laut Walter Wochner habe sich im Bürgerforum Feldberg "ein halbes Dutzend anständiger Leute, darunter auch Geschäftsleute zusammengefunden, die auf eine steigende Unzufriedenheit im Dorf reagieren möchten. Die Stimmung im Hochschwarzwald kippt", glaubt Walter Wochner. An die Gründung einer neuen Liste für die Kommunalwahlen 2024 sei aber nicht gedacht.

Bürgermeisterstellvertreter Roland Dörflinger sprach den Flyer im Gemeinderat am Dienstagabend an. Nach dem in Grün gehaltenen Flyer sei bereits ein weiterer Brief in Weiss im Umlauf. Näheres wollte Dörflinger aber nicht sagen und meinte weiter, man müsse dringend an der Kommunikation mit den Einwohnern arbeiten, was zugegeben in Pandemie-Zeiten schwer sei. Er wolle jedenfalls nicht, dass noch weitere Flyer in der Gemeinde auftauchen.

Bürgermeister Albrecht zeigte sich erstaunt darüber und merkte an, dass er den Brief anscheinend als einer der letzten erhalten habe. Seine kurze Stellungnahme lautete: "Statt Flugblätter zu verteilen, solle man lieber miteinander sprechen." Albrecht will das Gespräch mit den Initiatoren suchen. "Veränderungen stoßen auf bestehende Interessen." Das gelte es unter einen Hut zu bringen. Der Forderung nach einem Tourismusausschuss stehe er im Übrigen nicht im Wege, der Gemeinderat sei frei einen solches beratendes Gremium einzusetzen.