Ein lebendiger Querschnitt über die Vielfalt der Flöte

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Mo, 21. Oktober 2019

St. Blasien

Das Quartett "Flautando Köln" begeistert im Kolleg St. Blasien mit einem breit gefächerten Programm.

ST. BLASIEN. Mit 30 verschiedenen Blockflöten war das Blockflötenquartett "Flautando Köln" zu seinem Konzert im Kollegsfestsaal in St. Blasien angereist, die die vier Künstlerinnen zudem noch untereinander austauschten. Susanna Borsch, Susanne Hochscheid, Kerstin de Witt und Ursula Thelen gaben einen bunten, lebendigen Querschnitt über die Vielfalt dieser Instrumentengruppe zum Besten, wobei Ursula Thelen zusätzlich noch mit ihrer kraftvollen, ausdrucksstarken Sopranstimme zu hören war.

Dem Programm voran stellten die vier versierten Bläserinnen den Text "Alles hat seine Zeit" aus "Prediger 3,1 bis 11", und zu Beginn hatten sie die Zeit des Tanzens aus dem 17. Jahrhundert aus der Sammlung des englischen Musikverlegers John Playford mitgebracht. "Red House" begann mit einer schwebenden Melodiegirlande über einem langgezogenen Ton und wandelte sich zu tänzerischem Staccato, das mit imposanten fliegenden Wechseln der Instrumente und damit auch der Stimmführung aufwartete. Es folgte, dem angedeuteten Thema "Never love thee more" entsprechend, eine getragene Legatolinie über dem tiefen, weichen Klang der ausschließlich aus tiefen Flöten zusammengesetzten Instrumentation. Mit furioser Blastechnik beinahe zu Perkussionsinstrumenten verwandelten die vier Flötistinnen ihre Instrumente bei dem rhythmisch markanten "Italien Rant", der dem Quartett gleich einen Riesenapplaus eintrug.

Die ganze Bandbreite ihrer Vortragskunst demonstrierten die Mitglieder von "Flautando Köln" in der Folge mit der sehnsuchtsvollen Anrufung "Sicut cervus desiderat", der Vertonung des Psalms 42 durch den Renaissancemeister Palestrina einerseits, und der Tango Habanera "Youkali" andererseits, dem Traum von einer besseren Welt, den Kurt Weill im französischen Exil geschrieben hat und der zur Hymne der Résistance wurde.

Ein beinahe meditativ anmutendes Gesangsstück folgte mit dem Marienhymnus Guillaume Dufays "Ave maris stella", kombiniert mit den "Intermedios" zu diesem Hymnus aus der Feder von Antonio de Cabezón. Hier vereinigte sich die Singstimme mit der Flöte im Wechsel zum einfühlsamen Instrumentalquartett.

Türkische Volksweisen von weltlicher Liebe, Verlassenwerden und Klage machten nach diesem vergeistigten Frauenlob den Abschluss des ersten Programmteils, mit Singstimme und fröhlichem Staccato die ersten, mit Melancholie und kämpferischem Impetus die beiden folgenden.

Nach der Pause erklang zunächst das Konzert a-moll von Georg Philipp Telemann mit einem langsamen Satz – besetzt mit tiefen Flöte – zu Beginn, einem im aparten Dialog geführten Allegro mit jeweils korrespondierenden Außen- und Mittelstimmen, einem weiteren langsamen Satz mit fließendem Legato über einem durch die Mittelstimmen weich aufgefüllten Basso continuo sowie dem abschließenden Vivace, in dem alle vier Stimmen sich mit rasanten Läufen und pulsierenden Tonrepetitionen überschlugen.

Im krassen Gegensatz hierzu wiederum stand Arvo Pärts 2004 aus Anlass der Zugattentate in Madrid entstandenes "Da pacem domine", das seinen durch Pausen zwischen den einzelnen Tönen deutlich hervorgehobenen geringen Tonvorrat bewusst einsetzt als Mittel zur Verdeutlichung der Sprachlosigkeit angesichts dieser Geschehnisse. Ebenfalls sehr sprechend in der Umsetzung ihres Themas gestaltete die 1968 geborene Kanadierin Racheal Cagan ihre 2015 entstandenen "Swirling Leaves", in deren großartiger Interpretation durch "Flautando Köln" man die vom Herbstwind herumgewirbelten Blätter greifen zu können meinte.

Den Abschluss des Programms machten drei Weisen aus England und Irland, ein leicht swingendes "The Gentle Giant" der Band Flook, das lyrische "Scarborough Fair" sowie das typische, immer schneller werdende irische Flötenstück "The Bag of Spuds", dessen fulminanter Schluss Zuhörer dazu hinriss, in spontanem Jubel aufzuspringen. Nicht minder begeistert war das Publikum von der Zugabe, dem Kabinettstückchen des herrlich komödiantisch aufbereiteten und mit kurzen "Ausrutschern" in andere Ohrwürmer angereicherten Monti-Czardas.