Glosse

Ein neuer Körper gegen Rückenschmerzen

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Mo, 15. März 2021 um 10:32 Uhr

Unterm Strich

Eine Meeresschnecke kann ihren Körper abwerfen und sich einen komplett neuen wachsen lassen - ein nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag gegen Rückenschmerzen.

Wieder mal im Büro oder im Homeoffice acht Stunden vor dem Rechner verbracht, wieder mal den ganzen Tag null Bewegung gehabt – am Abend folgt in schöner Regelmäßigkeit die logische Konsequenz: Rückenschmerzen. Die gebeutelte Wirbelsäule und die geschundene Rückenmuskulatur rebellieren und machen dem Besitzer klar, dass sie nicht fürs Dauersitzen geschaffen sind. Sport oder Gymnastik wären ein probates Gegenmittel, aber der gute Vorsatz endet nach langem Arbeitstag allzu oft auf der Couch vor der Glotze. Was am nächsten Tag dann zu noch stärkeren Rückenschmerzen führt.

Wie praktisch wäre es, wenn man einfach mal den überlasteten Körper samt Verspannungen beiseitelegen könnte und für eine Weile nur noch Kopf sein dürfte? Zwei japanische Forscherinnen haben jetzt herausgefunden, dass einige Meeresschnecken diese radikale Lösung praktizieren. Bei zwei Arten der Schlundsackschnecken beobachteten die Wissenschaftlerinnen, wie die Tiere im Aquarium ihren Kopf vom Körper abtrennen. Der Körper stirbt nach einer Weile, der Kopf bewegt sich munter selbstständig weiter und nimmt sogar Nahrung auf.

Aus dem Kopf wächst eine neue Schnecke

Während der körperlosen Zeit gewinnt der Kopf wohl Energie aus Algenbestandteilen, die in den Zellen der Schnecken Photosynthese betreiben. Nach wenigen Wochen ist aus dem Kopf wieder eine komplette Schnecke gewachsen – inklusive einem neuen Herzen und einem Verdauungstrakt, heißt es in einem Beitrag in dem Magazin Current Biology.

Auch andere Tiere wie Seesterne oder Regenwürmer können Körperteile abwerfen und regenerieren. Autotomie nennt die Wissenschaft dieses Verhalten. Wieso Schlundsackschnecken zu so einer drastischen Form der Autotomie greifen, ist nicht geklärt. Die Forscherinnen vermuten, dass die winzigen Körperkünstler damit Parasiten oder Gifte loswerden. An ausufernden Rückenschmerzen wird es hingegen wohl kaum liegen. Haltungsschäden sind bei Weichtieren ohne Rückgrat unbekannt.