Ein Reigen der Unzulänglichkeiten

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Mo, 26. Oktober 2020

Oberliga BaWü

Der TuS Schutterwald verliert ein schwaches Oberligaspiel, weil er noch mehr Fehler macht als die Gäste aus Baden-Baden.

In einer ganz schwachen Oberligabegegnung verloren die Handballer des TuS Schutterwald gegen den TVS Baden-Baden mit 23:27. Grund für die Niederlage war, dass die personell geschwächte Mannschaft von Trainer Nico Baumann die Fehlerzahl der Gegner noch deutlich übertraf – was nicht einfach war.

Es schien, als hätte Baumann es kommen sehen. "Irgendwie fühlt es sich falsch an, was wir da machen", sagte er noch am Tag vor der Begegnung. "Eigentlich gehört die Runde ausgesetzt und fertig." Dennoch glaubte Baumann nach Schlusspfiff nicht, dass die handballerischen Fähigkeiten seines Teams den trüben Gedanken an die alles beherrschende Pandemie und deren abzusehenden Konsequenzen zum Opfer fiel. "Wir haben einfach ein Personalproblem", so der Übungsleiter. René Wöhrle wird nach seinem Kreuzbandriss vermutlich erst im Januar zurückkommen, auch Neuzugang Pascal Fleig fehlte mit Knieproblemen.

Tim Heuberger muss am Kreis aushelfen

So musste Rückraumshooter Tim Heuberger am Kreis aushelfen, wodurch es im Rückraum klemmte. "Wir haben nicht die Möglichkeiten, so variabel zu spielen wie sonst", sagte Baumann. "Der Gegner kann sich gut auf Christoph Baumann und Felix Zipf einstellen und sie wegdecken." Zu allem Überfluss verletzte sich Matthias Langenbacher schon in der ersten Halbzeit schwer am Knie und musste ins Krankenhaus. Baumann schwant Böses hinsichtlich der zu erwartenden Diagnose.

Matchwinner war eindeutig Aushilfstorwart Manuel Schnurr, der erst vor wenigen Tagen bei den Sandweierern, wie der TVS noch in den Köpfen und Mündern der Handballwelt herumgeistert, anheuerte, weil zwei Stammtorhüter verletzt ausfielen. "Der hat schon mit Elgersweier hier immer gut gehalten", konstatierte Baumann ernüchtert. "Ich glaube, ihm gefällt unsere Halle."

Die andere Hälfte der Wahrheit ist, dass die Schutterwälder Offensivabteilung den 33-Jährigen mit teils hanebüchenen Verlegenheitsabschlüssen stark machte. Schnurr ließ den zweiten Schutterwälder Treffer erst in der zehnten Minute zu, dennoch arbeiteten sich die Gastgeber durch Christoph Baumann wieder zum 5:5 heran.

Chancen boten sich viele, aber keiner nutzte sie

Die Gäste gingen hochmotiviert in die Begegnung und bejubelten jeden Treffer und jede Balleroberung frenetisch, doch auf beiden Seiten war die Begegnung geprägt von Fehlern im Aufbauspiel wie auch im Abschluss. Chancen boten sich dem TuS Schutterwald jede Menge, doch niemand nutzte sie. Zwei Minuten vor der Pause stand es 11:12, als die Schutterwälder zwei gute Gelegenheiten hintereinander vergaben. Statt mit 13:12 ging es mit 11:14 in die Pause.

So ging es weiter im zweiten Abschnitt. Julian Seigel auf Schutterwälder Seite versuchte immer wieder, Verantwortung zu übernehmen und warf aus dem Rückraum, doch ihm gelangen lediglich zwei Tore, ehe er in der 46. Minute seinem Gegner Julian Schlager unglücklich ins Gesicht schlug und die Schiedsrichter seinen Spieltag beendeten. Der TuS hielt sich stets auf Schlagdistanz und konnte nach 40 Minuten sogar zum 17:17 ausgleichen, doch um das Spiel zu drehen, fehlte es am Samstagabend einfach an Qualität, besonders in der Offensive. "Die Abwehr stand ganz passabel, damit bin ich zufrieden", resümierte Baumann nach Spielende. "Doch in der Offensive hat einiges gefehlt."

Tore TuS: Heuberger 1, Seigel 2, Zipf 7, C. Baumann 6/2, Herzog 3, Harter 1, Silberer 3. Spiel-Film: 1:4 (10.), 7:7, 7:9 (21.), 10:11, 11:14 – 13:16, 17:17 (41.), 17:20, 19:21 (49.), 20:22, 21:25, 22:26, 23:27. ZS: 100.