"Eine gewisse Sehnsucht ist spürbar"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 16. November 2020

Skilanglauf

SPORTVEREINE UND CORONA – heute an der Reihe : der Skiclub Langenordnach mit dem SC-Vorsitzenden Andreas Heizmann.

Die Corona-Pandemie schränkt das Leben ein. Auch Sportvereine sind massiv betroffen. Die Badische Zeitung fragt nach, welche Konsequenzen der momentane Teil-Lockdown auf das Innenleben eines Sportvereins hat. Steht das Vereinsleben vollkommen still und  wie sehen die Perspektiven aus? Jürgen Ruoff unterhielt sich mit  Andreas Heizmann, Vorsitzender des SC Langenordnach.

BZ: Herrscht sportlich im Skiclub derzeit Stillstand?

Bach: Aktuell ruht das aktive Vereinsleben. Im Hintergrund werden maximal organisatorische oder formelle Tätigkeiten ausgeführt. Die Trainer versuchen, die Sportler mit Trainingsanleitungen oder gezielten Maßnahmen zu zweit etwas zu unterstützen.

BZ: Was würde alles an Aktivitäten laufen, wenn es Corona nicht gäbe?

Bach: Für einen Wintersportverein wäre derzeit die heiße Phase in der Vorbereitung auf die Wettkampfsaison. Training in unterschiedlichster Form, eventuell auch schon mal eine Fahrt in ein Schneegebiet, würde auf dem Plan stehen. Die Breitensportler würden sich im wöchentlichen Hallentraining treffen. Wir würden uns mit der Organisation von Wintersportveranstaltungen beschäftigen und wären vermutlich bei der Vorbereitung für den Skisprung-Weltcup in die Organisation des Festzeltes eingebunden. Die SCL-Jugendabteilung hätte die Organisation der Nikolausfeier auf dem Plan.

BZ: Sind Sie mit Ihren Vorstandskollegen noch im Austausch?

Bach: Die Vorstandsarbeit ist auf ein Minimum reduziert. Wichtige Themen werden per E-Mail oder Whatsapp ausgetauscht. Für Videomeetings ist das Internet in Langenordnach zu schlecht.

BZ: Wie reagieren die Mitglieder?

Bach: Zu Beginn der Pandemie wurde die Ruhe im Ehrenamt zum Teil positiv aufgenommen. Es gab plötzlich Freiräume, die man vorher gar nicht kannte. Über die Zeit ist eine gewisse Sehnsucht aber spürbar. Die fehlenden schönen Begegnungen und insbesondere die Absage des dreitägigen Sommerfestes sind schon heftige Einschnitte. Am Ende wird die Situation aber einfach akzeptiert.

BZ: Erwachsene können auch mal allein in irgendeiner Form Sport treiben. Kinder und Jugendliche brauchen jedoch Anleitung und Betreuung: Das Sportverbot trifft sie am härtesten.

Bach: Unsere aktiven Sportler sind ausschließlich Kinder und Jugendliche. Kinder dahin zu bringen, dass sie alleine, mit ihren Geschwistern oder einem Freund trainieren, ist schwer möglich. Hier kommt es auf die Eltern an. Toll ist aber, wie diszipliniert die Sportler die Umsetzung der Hygienekonzepte mitmachen.

BZ: Blicken Sie dennoch zuversichtlich in die Zukunft?

Bach: Weil neben Corona der vergangene Winter schneebedingt nahezu ein Totalausfall war, ist es ungewiss, wo wir nach der Pandemie stehen werden. Wichtige Elemente zur Nachwuchsgewinnung, wie zum Beispiel Kinderskifeste oder Sommersportfeste, waren so einfach nicht möglich. Wir nehmen die Herausforderung an und werden uns, wenn das alles vorüber ist, mit der Situation auseinandersetzen und einen guten Weg für den Verein und für alle unsere Skiclub-Mitglieder finden. Grundsätzlich bietet die Zeit nach Corona die Chance, auch mal das ein oder andere zu hinterfragen und zu ändern.

Andreas Heizmann ist seit zehn Jahren Vorsitzender des SC Langenordnach. Der Skiclub hat 300 Mitglieder, 25 Kinder und Jugendliche werden sportlich betreut.