Eine Portion Erfahrung bitte

dpa

Von dpa

Sa, 25. April 2020

Beruf & Karriere

Ein freiwilliges Jahr kann Orientierungshilfe geben.

Sie helfen Kranken und Behinderten, unterstützen Fachkräfte in Kitas, bei der Feuerwehr oder bei Museumsprojekten. Ein Freiwilligendienst hilft jungen Menschen, Erfahrungen zu sammeln und eine Orientierung zu finden.

Eine zierliche blonde Frau führt David über den Hof. David mit seinem mächtigen Kopf und seiner tiefen Stimme folgt ihr gehorsam auf Schritt und Tritt. Er ist ein Bulle und rund 800 Kilogramm schwer, Rasse: Rätisches Grauvieh. Die zierliche blonde Frau ist Dorit Himmelein. Die 19-Jährige absolviert im Freilichtlabor Lauresham in Lorsch ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ). Sie ist eine von Tausenden, die jedes Jahr in Freiwilligendiensten für ein Taschengeld arbeiten. Nach der Schule nicht gleich in eine Ausbildung oder ins Studium gehen, sondern erst einmal andere Erfahrungen sammeln. "Ich wollte halt wirklich mal was anderes machen", sagt Himmelein.

Schule, Kita, Feuerwehr, Kultureinrichtungen, Gartenbau, Landwirtschaft, Alten-, Kranken- oder Behindertenhilfe, die Möglichkeiten, einen Freiwilligendienst zu leisten, sind vielfältig. Während es in einigen Bereichen schwerfällt, die freien Stellen zu besetzen, gibt es anderswo weit mehr Bewerbungen als Angebote. Dabei können die Einrichtungen, in denen junge Leute in einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr arbeiten, die Mitarbeiter gut brauchen.

Auch der Leiter des Freilichtlabors Lauresham, Claus Kropp, kann auf seine Mitarbeiter nicht verzichten. "Das sind vollwertige Kollegen. Und wir brauchen sie hier."

Verantwortung wird eingefordert

Sie müssten Verantwortung übernehmen und das werde von ihnen auch eingefordert. "Das sind keine Hofkehrer bei uns." Für die Träger dient das FSJ auch dazu, Fachkräfte und ehrenamtliche Helfer anzuwerben. Die jungen Menschen sehen den Dienst als Orientierungshilfe und Bestätigung. "Ich wusste, dass ich in der Kultur arbeiten möchte,
aber nicht genau was und wie", beschreibt Nicole Kautzmann ihren Entschluss für ein FSJ im Kultur- und Tourismusbüro in Lorsch.
"Es war mehr zu tun, als nur blöd am Bürotisch zu sitzen", sagt die 20-Jährige, die jetzt weiß, wo der berufliche Weg hinführen soll. Nach einem Au-pair-Aufenthalt in Irland will sie Veranstaltungskauffrau lernen und später am liebsten in einem Museum arbeiten.

Dorit Himmeleins Kollege Alexander Lidberg will nach seinem FÖJ zwar nicht in die Landwirtschaft. Er will jetzt Biochemie studieren. "Ich bin über das FÖJ dazu gekommen, dass ich mit dem Studium etwas Ökologisches machen will", sagt der 19-Jährige.