Eine rollende Buchhandlung auf dem Abbatucci-Platz

Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Von Magdalena Kaufmann-Spachtholz

Mo, 03. Mai 2021

Wembach

AUS DER PARTNERSTADT: Buchhändler Jean-Jacques Megel-Nuber bringt Second-Hand-Bücher im Tiny House – Ende Mai wieder.

. Eine Nebenwirkung der Corona-Pandemie: Die in einem Tiny House untergebrachte rollende Buchhandlung "Au vrai chic littérère" macht jetzt in Hüningen auf dem Abbatucci-Platz jeweils zum Monatsende von Mittwoch bis Samstag Station, wie Magdalena Kaufmann-Spachtholz in ihrem Brief berichtet. In der letzten Aprilwoche war es so, im Mai und Juni ist es ebenfalls vorgesehen.

In Zeiten, in denen das Kulturleben größtenteils brach liegt und die Bevölkerung die meiste Zeit vor einem Bildschirm verbringt, bieten Bücher die beste Abwechslung. Büchereien und Buchhandlungen sind gefragt, sofern sie öffnen können und dürfen. Die Stadtbücherei im Obergeschoss des ehemaligen Schulgebäudes auf dem Abbatucci-Platz ist aufgrund der Covid-19-Krise und personeller Probleme jedoch seit Monaten geschlossen. So kamen die Hüninger Kulturbeauftragten auf die Idee, den rollenden Buchhändler Jean-Jacques Megel-Nuber anzusprechen, ob er sein mit Büchern gefülltes Tiny House nicht zeitweise auf dem zentralen Abbatucci-Platz abstellen wolle.

Der in Mulhouse ansässige Buchhändler hatte schon 2017 die Idee, eine Sammlung von 3500 Büchern aus zweiter Hand in dieses rollende Minihaus zu packen. In seinem Repertoire befinden sich Kinder- und Jugendbücher, Romane und Sachbücher aller Art. Seither hat er in den verschiedensten Städten im Osten Frankreichs Station gemacht. Besonders beliebt waren auch seine Aufenthalte vor Seniorenheimen und bei Buchmessen und Festivals. In Hüningen war er in den vergangenen Jahren ein liebgewordener Gast im Rahmen des Straßentheater-Festivals "Rue & Vous" – mehrmals hatte er seinen Wagen im Vauban-Städtle geparkt. Deshalb ist er auch sofort und gerne dem Aufruf der Hüninger Stadtverwaltung nachgekommen.

Auch für den Buchhändler hat die Pandemie sein Beschäftigungsfeld eingeschränkt. Vorher hatte er Buchlesungen mit Kindern und in Seniorenheimen gemacht, mit diversen Aktionen rund um das Buch. Dann konnte man sich auch bei einem Kaffee gemütlich in einen Liegestuhl setzen und schmökern. So ungezwungen und gemütlich geht es derzeit leider nicht zu. Jetzt ist nur noch der Verkauf der gebrauchten Bücher möglich. Und natürlich müssen auch hier die Abstands- und Hygiene-Vorschriften eingehalten werden. Immerhin werden Buchhandlungen hier in Frankreich als "relevante" Geschäfte betrachtet und dürfen öffnen. Jean-Jacques hat sein Tiny House immer von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Seine Bücher sind 30 bis 60 Prozent günstiger als Neuausgaben. Den Nachschub an gebrauchten Büchern hatte er sich bisher oft auf Flohmärkten besorgt. Da diese im vergangenen Jahr aber auch nicht stattfinden konnten, ist er dankbar, wenn ihm Privatpersonen Bücher schenken, die bei ihnen verstauben. "Die Leute sind froh, wenn ihre Bücher ein zweites Leben bekommen. Die Büchereien wollen keine gebrauchten Bücher und mir hilft es in diesen schwierigen Zeiten über die Runden", erklärt er dann.

Sein erster "Auftritt" vom 28. April bis 1. Mai ist schon abgeschlossen. Aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit zwischen Deutschland und Frankreich wäre ein Besuch in Hüningen über die Dreiländerbrücke diesmal allerdings gar nicht möglich gewesen. Es bleibt zu hoffen, dass bei der nächsten Gelegenheit, wenn Jean-Jacques vom 26. bis 29. Mai und vom 23. bis 26. Juni wieder in Hüningen ist, die Regelungen gelockert sein werden. Ihre