Eine Stadt auf Stelzen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 19. Oktober 2019

Kunst

Die Städtische Galerie Stapflehus in Weil am Rhein zeigt in "ein fluss" Objekte und Installationen von Matthias Frey.

Wie eine fiktive Stadt erhebt sich die Installation von Matthias Frey mit ihren verschiedenartigen Türmen. Die Konstruktion mit dem Titel "Verbund" besteht aus Lüftungsrohren und Messing- und Porzellanobjekten, die als turmartige Spitzen auf den Rohren angebracht sind. Unterschiedliche Turmformen, Minarette, Trompetentrichter, Riesenpatronen ragen gen Decke und erwecken den Eindruck einer Stadt auf Stelzen.

Der Künstler hat für diese Installation im Erdgeschoss der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein das Leitungssystem von verzinkten Rohren aufgegriffen und mit den schimmernden Messingteilen und weißen Keramikformen in die Vision einer Stadt verwandelt, in der die Türme miteinander verbunden sind. Das Thema Türme greift Matthias Frey in seiner Ausstellung "ein fluss", die er auf Einladung des Kunstvereins Weil am Rhein im historischen Stapflehus eingerichtet hat, auch in der Bodeninstallation "Schachtelhalm" auf. In 13 Objekten aus weiß glasiertem Steinzeug variiert er Turm- und Minarettformen und stellt sie zueinander in Beziehung. "Regal" heißt eine weitere Werkgruppe, in der Frey eigene, selbst geformte Objekte und gefundene Stücke aus dem Gebrauchtwarenladen traut nebeneinander auf einem Regalbord präsentiert. Bewusst sind sie so platziert, dass der Betrachter selbst herausfinden muss, welche der weißen glasierten Porzellanobjekte von dem Künstler stammen und welche Dinge er von außerhalb dazu gestellt hat. Die Sammlung umfasst Gefäßformen, Tierfiguren wie einen Eisbären, Baum- und Gebirgsskulpturen und wiederum Türme.

Der in Lörrach-Brombach geborene Matthias Frey, der schweizerische Wurzeln hat und seit 1980 in Basel lebt, hat eine klassische Keramiker- und Töpferlehre bei Horst Kerstan in Kandern gemacht und dann an der Kunstakademie in Karlsruhe studiert. Er unterrichtet an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel und leitet dort die Bildhauer-Werkstätte. Sehr innovativ, experimentell und ungewöhnlich in der Formensprache arbeitet er im Bereich Keramik, freie Plastik, Installation und Objekt, oft auch in Verbindung mit anderen Materialien. Im Obergeschoss steht eine Gruppe von fünf figurativ anmutenden, organisch geformten Gefäßen in blendend weißer Sanitärkeramik. Das Gestalthafte dieser Gefäßformen lässt dem Betrachter viel Freiraum für Assoziationen.

Der Künstler friert die Dynamik des Fließens ein

Genau in den Raum eingepasst ist die Installation "Viskos" aus Metallrohren und Acrylgips, in der Frey Fließbewegungen und Tropfenformen festhält. Von der Decke herab hängt ein riesiger Tropfen, eine zähflüssige Masse scheint in der Luft zu erstarren, auf dem Boden bilden sich große weiße Lachen: Der Künstler schafft es, das Flüssige, die Dynamik des Fließens, des Tropfens im Moment einzufangen und einzufrieren.

Auf dem Boden liegt ein Stahlkreis mit glasierten weißen Keramikobjekten, die wiederum etwas weich Fließendes und Dynamisches in der Form haben. "Trops and Circle" nennt Frey diese Arbeit, die seiner Faszination für das Symbol Kreis, für mythische Steinkreise früher Kulturen entspringt. Im Dachgeschoss hat der Künstler verschiedene "Wellen" aus glasiertem Steinzeug aufgebaut. Die große "Welle" ist dem berühmten Farbholzschnitt des japanischen Meisters Hokusai nachempfunden, die anderen Objekte variieren die elementare Bewegung des Wassers und den Schwung der Welle. Sehr assoziativ wirken die drei großen Wandobjekte, die von ganz gewöhnlichen Kleiderhaken inspiriert sind. In Freys Transformation erhalten die scheinbar vertrauten Formen durch die Materialität des glasierten Steinzeugs und die überdimensionale Größe etwas geheimnisvollen archaischen Tierköpfen. Fundobjekte und Metallwerkzeug bilden die Basis für die inszenierten Fotografien der Serie "Techno Town", in denen Matthias Frey diese Alltagsdinge zu einer Großstadt en miniature mit Hochhäusern, Türmen und Gebäude zusammengesetzt und wirkungsvoll arrangiert hat.

Info: Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Stapflehus (Bläsiring 10) in Weil am Rhein ist bis 10. November, samstags von 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.