"El Chapos" Ehefrau droht das Gefängnis

Tobias Käufer

Von Tobias Käufer

Mi, 24. Februar 2021

Panorama

Mexikanische Schönheitskönigin soll zentrale Figur in Drogenkartell sein / In den USA verhaftet.

. Kein mexikanisches Medium, das nicht mit einem Bild der wohl berühmtesten Kokain-Erbin auf die Nachricht des Tages reagierte. Emma Coronel Aispuro (31), Schönheitskönigin und Ehefrau des wohl ehemals mächtigsten und reichsten Drogenbarons der Welt, Joaquin "El Chapo" Guzman, ist nun selbst ein Fall für die Gerichte. Ihre Verhaftung am Montag auf dem internationalen Flughafen Dulles nahe Washington D.C. in den USA wäre wohl nur eine lokale Notiz, wäre die Beziehung der Eheleute Guzman nicht zentraler Bestandteil der global erfolgreichen Netflix-Serie "El Chapo" gewesen, die – zwar an tatsächlichen Ereignissen orientiert – gelegentlich Fiktion mit Realität vermischte.

Emma Coronel Aispuro spielte mit diesem Image. Sie ließ sich auch mal mit Krone fotografieren, legte Wert auf aufwändigen Personenschutz und kokettierte mit ihrem Reichtum. Seit dieser Woche sieht es nun schlecht aus für die Zukunft des Ehepaares Guzman. Die US-Justiz wirft Coronel vor, ihrem Ehemann und Vater der beiden gemeinsamen Zwillingstöchter (9) bei einem seiner spektakulären Tunnel-Ausbrüche geholfen zu haben. Unter anderem soll sie Millionen Dollar Schmiergeld übergeben haben. Doch das ist nicht alles: Es deutet nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden viel darauf hin, dass Coronel auch als Repräsentantin für das Sinaloa-Kartell tätig war und sie sich selbst aktiv im Drogenschmuggel engagierte. Dass sie also in einem der brutalsten, unmenschlichsten und profitgierigsten Geschäfte dieses Planeten eine Art Erbinnenrolle eingenommen hat.

Guzman, der 2017 an die USA ausgeliefert wurde und zu einer lebenslangen Haft ohne die Möglichkeit der Freilassung verurteilt wurde, soll zwischen 2000 und 3000 Morde selbst ausgeführt, verantwortet oder in Auftrag geben haben. Er galt einst als einer der reichsten Menschen der Welt. Aufgebaut hat der in armen Verhältnissen aufgewachsene Schulabbrecher sein Kokain-Imperium auf die konservative Art – wie von seinem Lehrmeister Pablo Escobar (Kolumbien) vorgemacht: mit Korruption und brutaler Gewalt.

Die Verhaftung Emma Coronels, noch wichtiger aber ihre mögliche Verurteilung, wäre ein wichtiger Erfolg für die Drogenfahnder in Mexiko und den USA – auch als Signal. Nicht wenige junge Zuschauer der Netflix-Serie sehen den Reichtum und die Macht der Kartelle als ein durchaus erstrebenswertes Ziel an, bewundern die Kartellbosse, die über Leichen gehen für ihren Lifestyle. Sie alle bekommen nun mit, dass dies auch Konsequenzen haben kann. Für den Mexikaner Joaquin "El Chapo" Guzman bedeutet dies bereits, dass er den Rest seines Lebens in einer Hochsicherheitszelle in einem fremden Land verbringen muss. Ähnliches droht Emma Coronel, auch wenn ihr Anwalt Jeffrey Lichtman erklärte, sie werde auf "nicht schuldig" plädieren. Nur Netflix könnte wieder einmal profitieren – mit einer vierten Staffel.