Elektrisch über Stock und Stein

dpa

Von dpa

Mi, 03. März 2021

Auto & Mobilität

Konstruktive Vorteile für E-Antrieb bei Allradlern.

Auf den ersten Blick ist alles wie immer, wenn Jürgen Eberle durch den Offroad-Park im schwäbischen Geisingen pflügt. Doch während sich den Augen ein gewohntes Bild bietet, trauen die Zaungäste ihren Ohren nicht: Statt des üblichen Brüllens hochdrehender Motoren liegt Stille über dem Abenteuerspielplatz für große Jungs. Nur das Prasseln der aufgewühlten Steine ist zu hören.

Eberle stürmt nicht in irgendeinem Geländewagen durch den Schlamm: Der dreckstarrende Dienstwagen des Mercedes-Ingenieurs ist ein Saubermann und fährt mit Strom.

Dass dieser EQC mit seinen Portalachsen und breiten Kotflügeln trotzdem aussieht wie aus einem Endzeitfilm entsprungen und hier im Gelände jeder G-Klasse die Schau stiehlt, hat einen einfachen Grund: "Wir wollten beweisen, dass der Spaß mit dem Elektroauto dort nicht aufhören muss, wo der Asphalt zu Ende ist", sagt der Entwickler.

Zwar denkt Mercedes nicht einmal im Traum daran, ein Auto wie diesen "4x4²" getauften EQC in Serie zu bauen. Doch will Eberle den Prototypen auch als Wegbereiter für eine elektrische G-Klasse verstanden wissen, die Firmenchef Ola Källenius schon angekündigt hat. "Was wir hier ausprobieren und demonstrieren beweist, dass dem Elektroantrieb auch im harten Offroad-Antrieb die Zukunft gehören könnte."

Mit dieser Einstellung ist Mercedes nicht alleine: Alle, die auch im Gelände etwas auf sich halten, wappnen sich für die elektrische Zukunft. Jeep hat bereits einen rein elektrischen Geländewagen angekündigt. Auch bei Land Rover macht man keinen Hehl aus den Planungen für einen Batterie-Bruder von Defender und Co.

Man muss gar nicht ins Extreme gehen, wenn man an Elektro- und Allradantrieb denkt. Schon jetzt ist die neue Technik für viele Hersteller erste Wahl, wenn es um bessere Traktion geht. Insbesondere bei den beliebten SUVs in der Kompaktklasse. Denn wo Modelle wie der Opel Grandland X als Verbrenner mittlerweile nur noch mit Frontantrieb ausgeliefert werden, fahren sie als Plug-in-Hybride mit einem E-Motor an der Hinterachse doch auf allen Vieren.

Von dieser Lösung ist zum Beispiel Jeep so überzeugt, dass die Amerikaner die konventionellen Allradvarianten bei Renegade und Compass komplett aus dem Programm gestrichen haben, sagt Sprecher Markus Hauf. Stattdessen haben die Ingenieure den Antrieb so konfiguriert, dass der Benziner selbst bei leerem Akku immer genügend Strom produziert, damit den E-Maschinen im Schlamm oder Schnee nie der Saft ausgeht.

Auf den ersten Blick mag die Vorstellung vom elektrischen Geländewagen zwar ein wenig widersinnig sein, räumt Dag Rogge ein. Er ist der Chef der Agentur APS und veranstaltet gleichermaßen Offroad-Expeditionen ans Ende der Welt sowie PR- oder Kundenevents für Elektroautos. So ganz wollen Hightech und grüne Energie für manche nicht zu den dreckigen Abenteurern passen.

"Doch streng genommen ist der Elektroantrieb gerade im Gelände ideal", meint Rogge. Denn das sofort verfügbare Drehmoment und die vergleichsweise einfache Verteilung der Kraft auf jedes einzelne Rad, im besten Fall noch ohne mechanische Systeme wie Differentialsperren, machten aus einem Stromer den perfekten Wühler. "Wenn man das dann auch noch mit einer variablen Bodenfreiheit und gar einer Regelung des Reifendrucks kombiniert, dann hat man den ultimativen Offroader." Zumindest, wenn für eine verlässliche Stromversorgung für die Fahrzeuge gesorgt ist.