Fliegerei im Spannungsfeld

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Fr, 24. Mai 2019

Elsass

Der Euroairport Basel-Mulhouse wird als Wirtschafts- und Störfaktor wahrgenommen, als Tor zur Welt und Emissionsbringer.

SAINT-LOUIS. Für die einen ist der Basler Euroairport (EAP) ein für die trinationale Region unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor und für viele ist er ein Tor zur Welt. Auf der anderen Seite steht das massive Wachstum des Flughafens, der seine Passagierzahlen seit 2010 auf zuletzt 8,6 Millionen mehr als verdoppelt hat und weiter ausbauen will. Fluglärmgeplagte Anwohner laufen seit Jahren dagegen Sturm. Befürworter und Gegner trafen jetzt in einer trinational besetzten Podiumsdiskussion zu diesem Spannungsfeld aufeinander. Das Ergebnis war so ausgewogen wie nie.

Auch wenn die Diskussion, zu der die Regio Basiliensis, die Vereinigung für eine starke Basel/Nordwestschweiz und die Handelskammer Frankreich-Schweiz eingeladen hatten, in den Räumen des EAP stattfand und die deutschen und französischen Anrainerverbände Bisf und Adra schon im Vorfeld Protestnoten verschickt hatten, wurden alle Positionen ausführlich dargelegt. Eher unerwartet hatte der Präsident der Vereinigung für eine starke Nordwestschweiz Reto Wolf schon in seiner Einführung die derzeit als immer bedrohlicher bewertete Emissionsproblematik des Luftverkehrs in Sachen CO2 angesprochen. Gleichzeitig seien Schweizer extreme Vielflieger.

Wirtschaftsfaktor
Unbestritten blieb indes die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens für Basel und die Region. Für das Südelsass sind der Airport und die angesiedelten Betriebe im Flugzeugausbau der nach Peugeot-Citroën Mulhouse zweitgrößte Arbeitgeber. Gleichzeitig sei der EAP ein Entwicklungsmotor erster Güte, betonte Gilbert Stimpflin als Präsident der Industrie- und Handelskammer für die Großregion Grand Est. Den Wachstumskurs des EAP unterstützt er ohne Einschränkungen. Auch die Lörracher Landrätin Marion Dammann sieht den Flughafen als Wachstumsbringer für Wirtschaft und Tourismus und in den Augen der Regio-Basiliensis-Präsidentin Kathrin Amacker ist er überdies ein "Leuchtturm für die trinationale Zusammenarbeit".

Fluglärmproblematik
Gar keine Frage, dass auch der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin vollumfänglich hinter dem Flughafen steht. Auch er kam jedoch nicht umhin einzuräumen: "Es ist lauter geworden. Wir haben da ein Problem." Das sieht auch Marion Dammann nicht anders: "Wir sehen, dass viele Dinge angestoßen wurden, aber die Lärmbelastung ist in den letzten Jahren permanent gestiegen." Rahel Bänziger (Grüne) saß als Vertreterin der Schweizer Fluglärmgegner und Parlamentarierin des Kantons Baselland auf dem Podium. Selbstverständlich erkenne sie die wirtschaftliche Bedeutung des EAP an, gleichwohl gelte es die Bevölkerung zu schützen. Schon wegen der nachweislichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Anwohner ist ein Nachtflugverbot von 23 bis 6 Uhr morgens für sie deshalb unabdingbar. Auch müsse es eine Obergrenze für die Flugbewegungen geben.

Gegenmaßnahmen
Solche vorgegebenen Grenzen des Wachstums sind für Matthias Suhr naturgemäß keine Diskussionsgrundlage. Auch könne er als EAP-Chef nicht völlig frei über Nachtruhezeiten entscheiden, hier seien die Flugaufsichtsbehörden gefragt. Das Verfahren sei "ergebnisoffen" angelaufen, werde aber bis zum Abschluss wohl zwei Jahre brauchen. Gleichzeitig machte Suhr kein Geheimnis aus seiner eigenen Auffassung, hat er doch nicht zuletzt dem mit rund 60 Prozent Marktanteil größten Player am EAP Rechnung zu tragen. "Easy Jet hat vier Rotationen pro Tag", so Suhr. Andere Gesellschaften, etwa Swiss, hätten nur drei und könnten mit Nachtsperren deshalb besser leben. Langfristig könne er sich neben dem bereits verfolgten "Aktionsplan 2030" ein sogenanntes Lärmkorsett vorstellen, das das Einschränkungen beim Lärm, aber nicht zwingend bei den Bewegungen und Zeiten brächte.

Bahnanschluss
Zur Sprache kommen musste auch der Bahnanschluss, den Rahel Bänziger mit Blick auf ein dadurch befürchtetes weiteres Wachstum ebenfalls ablehnt. Für Christoph Brutschin ist der Anschluss jedoch nicht verhandelbar, dies schon mit Blick auf das sogenannte Herzstück, die geplante Schienenverbindung der beiden Basler Bahnhöfe, die sich nur mit genügend Zulaufstrecken rechne. Auch im Kreis Lörrach verspreche man sich eine Entlastung des in der Region gebündelten Straßenverkehrs, argumentierte Marion Dammann. Auf die noch immer ausstehende französische Finanzierungszusage angesprochen, sandte Gilbert Stimpflin mit Blick auf die Regierung von Emmanuel Macron positive Signale: "Heute geht es in Frankreich vor allem um wirtschaftliche Entwicklung." Den Wachstumsmotor werde Frankreich deshalb kaum ausbremsen.