Begegnung mit der jüdischen Kultur

Nathalie Gebel

Von Nathalie Gebel

Fr, 10. Mai 2019

Emmendingen

MUSEUMSGESCHICHTEN (5): Das Jüdische Museum macht neugierig auf eine vielfältige Gemeinde.

EMMENDINGEN. Egal ob Fotografie, Heimatkunde oder Tagebücher – bei der Museumsnacht am 18. Mai ist für jeden Geschmack etwas dabei. In einer Serie stellt die Badische Zeitung die Museen vor und erzählt die Geschichte besonderer Ausstellungsstücke.

In einer Vitrine liegt ein aufgeschlagenes Poesiealbum mit kunterbuntem Einband. Auf der geöffneten Seite des Albums ist, neben der Zeichnung einer roten Blume, ein kurzes, vierzeiliges Gedicht, das den Titel "Zur Erinnerung!" trägt, zu sehen. Am Ende steht das mehrdeutige Wort "Vergissmeinnicht". Es ist das Poesiealbum von Trudel Sattler. "Ein Zeugnis des freundlichen Miteinanders, das hier eine lange Zeit bis zur Hetz-Propaganda bestand", erklärt Carola Grasse, die Vorsitzende des Vereins für Jüdische Geschichte und Kultur in Emmendingen. Mit einer Reihe von Zeugnissen aus jüdischen Familien wie dem Poesiealbum erinnert das 1997 gegründete Museum, das früher ein Ritualbad war, daran wie die frühere israelitische Gemeinde und ihre Mitglieder lebten.

"Von Bedeutung ist, dass hier die reiche jüdische Geschichte der Stadt Emmendingen und der Gegenwart dargestellt wird", sagt Grasse und zeigt auf eine Staufermedaille, die dem Ehepaar Teschemacher 2012 verliehen wurde. Dessen Lebenswerk war der Aufbau der neuen jüdischen Gemeinde und die Integration der jüdischen Zuwanderer. In einer weiteren Vitrine liegt ein Feldpostbrief aus dem ersten Weltkrieg, den Hugo Günzburger, einer der Geschäftsführer der bedeutenden Tabakfabrik Günzburger-Richheimer, an seine Mutter adressierte.

Grasse sagt dazu: "Das sind lebendige Zeugnisse, mit denen man Familiengeschichte erleben kann." Viele der Ausstellungsstücke sind Schenkungen von Nachfahren der historischen jüdischen Gemeinde Emmendingens. In engem Kontakt stehen die Vorsitzenden des Vereins auch mit der heutigen jüdischen Gemeinde. In Verbindung mit dieser bietet das Museum Führungen an, bei denen über die Geschichte der israelitischen Gemeinde gesprochen und der gelebte Alltag in der Synagoge der heutigen Gemeinde veranschaulicht wird.

Carola Grasse erzählt: "Der intime Rahmen des Museums ermöglicht Besuchern, mit geschultem Personal ins Gespräch zu kommen und dadurch viel über die Ausstellungsstücke und ihre Hintergründe zu erfahren." So lernen Besucher die jüdische Kultur und Tradition, wie Ritualgegenstände, Glaubensinhalte und jüdische Feste im Jahreslauf, kennen. "Es ist wichtig, wertschätzend miteinander in die Begegnung zu kommen. Zur Wertschätzung wird aber Interesse benötigt", sagt Carola Grasse. Der Verein möchte mit dem Museum das Interesse am jüdischen Kultus- und Alltagsleben wecken.

Info: Jüdisches Museum, Schlossplatz 7

in Emmendingen. Öffnungszeiten: mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Infos: http://www.juedisches-museum-emmendingen.de Führungen nach Vereinbarung unter Tel. 07641/574444. Museumsnacht: 18. Mai.