Zehnter Jahrestag

Emmendinger gedenken der Atomkatastrophe in Fukushima

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

Do, 11. März 2021 um 18:37 Uhr

Kreis Emmendingen

Es waren nur ein Dutzend Menschen, die sich am Donnerstag vor dem Wasserrad am Vollrathschen Park versammelten, um der Opfer der Reaktorkatastrophe von Fukushima zu gedenken.

Sie hatte sich am 11. März 2011 nach einem Tsunami in der japanischen Stadt ereignet. Erhard Schulz war ein Jahr danach auf Einladung der Demokratischen Ärztevereinigung vor Ort und konnte von seinen Eindrücken berichten. Als Mitglied des Sprecherkreises der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen und Windkraft-Pionier sprach Schulz damals vor 10 000 Menschen in einem öffentlichen Park in Tokio und hatte danach Kontakt mit Bauern, die ihre Reisfelder nicht mehr bewirtschaften konnten und Fischern, deren Muschelbänke radioaktiv verseucht waren.
Dazu auch das große Interview mit den Wyhl-Veteranen: "Fukushima war das Ende aller Ausreden"

Die von den immensen Umweltfolgen betroffene Bevölkerung, die zu Hunderttausenden in Wohncontainer umgesiedelt wurde, sei von der Regierung "nach Strich und Faden belogen worden". Das Fiasko und große Leid, verursacht durch die Kernschmelze im Atomkraftwerk, sei einfach totgeschwiegen worden.

Bremser gegen den Windkraftausbau

"Wir müssen endlich raus aus der Atomenergie", warb Schulz für eine Energiewende, die auch der Windenergie endlich eine Chance biete. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Windenergie beklagte die Hemmnisse, die Windkraftanlagen bei der Genehmigung oder dem Repowering bestehender Windräder "mit fadenscheinigen Begründungen" auch heute noch immer entgegengebracht würden. Die umständlichen Verfahren etwa für die Ertüchtigung der Anlagen in Freiamt nannte Schulz "haarsträubend". "Die Bremser sitzen im Ministerium in Stuttgart", so Schulz.

Widerstände auch gegen die Wasserkraft

Oskar Kreuz, Wasserkraft-Pionier und Betreiber von sechs Kleinwasserturbinen in Emmendingen, schilderte den langen Weg durch die Instanzen von den 90er Jahren bis ins Jahr 2021, in dem seine Anlagen immerhin 900 Emmendinger Haushalte mit Strom versorgen. "Es gab zunächst nur Widerstand", berichtete Kreuz, er sei belächelt, behindert und beschimpft worden, obgleich seine Fischtreppen hervorragend funktionierten und auch mit den hiesigen Angelvereinen großer Konsens herrsche. Den Strom dort zu produzieren, wo er gebraucht wird, mache Sinn – auch angesichts der spürbaren Klimaveränderungen. Die bemerkt Oskar Kreuz auch beim Blick auf die Leistung seiner Turbinen am Mühlbach. Zwischen 2015 und 2020 habe sich die Stromproduktion im Durchschnitt um ein Drittel verringert – eine Folge trockener Sommer. Die Niederschläge seien zwar manchmal heftig, aber nicht kontinuierlich und nutzbar.