Endstation Viertelfinale

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Fr, 26. Februar 2021

Skilanglauf

Frust zum WM-Auftakt: Im Hitzerennen von Oberstdorf ist Janosch Brugger auf langsamen Ski im Klassik-Sprint chancenlos.

. Der Anfang ist gemacht. Nach Wunsch verlief der Start in seine zweite Weltmeisterschaft jedoch nicht für Janosch Brugger. Der erhoffte Einzug ins Halbfinale des Klassik-Sprints blieb dem 23-jährigen Langläufer der WSG Schluchsee verwehrt. Als 29. nach dem Viertelfinale war er zum Auftakt der Heim-WM in Oberstdorf dennoch Bester der vier deutschen Männer.

Im ersten Wettkampf der Langläufer, in dem es um Medaillen ging, erlebte der Lenzkircher "zwei verschiedene Rennen", wie er der BZ erzählte. Vormittags im Prolog war der grobkörnige Schnee noch fest. Janosch Brugger zeigte nach eigener Einschätzung eine seiner besten Sprintleistungen in diesem Winter. Als 27. der 157 Starter qualifizierte er sich für das Viertelfinale der besten 30. Mit 3:11,17 Minuten für die 1,5 Kilometer lag er 11,09 Sekunden hinter Prologsieger und Titelverteidiger Johannnes Hoesflot Klaebo (Norwegen). Der rund viereinhalb Sekunden langsamere Sebastian Eisenlauer (SC Sonthofen) scheiterte in der Qualifikation als 37. ebenso wie der 21-jährige WM-Neuling Anian Sossau (SC Eisenärzt/38.) und Routinier Thomas Bing (Rhöner WSV/49.).

Bei den Viertelfinalläufen am Mittag "knallte die Sonne voll ins Stadion", berichtet Brugger. Temperaturen von 18 bis 20 Grad, so seine Schätzung, machten aus der zuvor kompakten Unterlage "ein faules Zeug". Dass die Techniker in der Pause nicht mehr auf die Strecke durften, sei "ein absoluter Graus". Sie wüssten ebenso wenig wie er, warum seine Ski in der entscheidenden zweiten Runde nicht mehr liefen. Beim Einlaufen sei die neue Wachsvariante noch okay gewesen, berichtet der Hochschwarzwälder. Doch in seinem Viertelfinallauf habe er schon beim ersten Spurwechsel gemerkt, dass sein Material nicht passte. Am ersten Berg arbeitete er sich nach vorne, doch auf der Ebene und in den Abfahrten merkte er schnell, dass er gegen die Konkurrenten "chancenlos" war. Eine bittere Erkenntnis. "Alle fahren dir um die Ohren", wie ein Anfänger habe er sich gefühlt, bekennt Janosch Brugger, der in dieser Saison im Weltcup schon drei Top-Ten-Ergebnisse lieferte. Angesichts seiner Form hätte er sich zugetraut, als "Lucky Loser" über eine gute Zeit ins Halbfinale zu kommen. Von nicht konkurrenzfähigem Material rüde ausgebremst blieb ihm volle zehn Sekunden hinter dem späteren Bronze-Gewinner Haavard Solaas Taugboel (Norwegen) nur der sechste und letzte Platz in seinem Viertelfinal-Heat.

Bundestrainer Peter Schlickenrieder nannte Janosch Bruggers Leistung "okay", mit besseren Ski wären die Top 15 drin gewesen. Der Einschätzung, dass sein Athlet bei der Skiwahl "zu sehr auf Stieg gesetzt" hätte, widersprach Brugger: Bei freier Auswahl hätte er sich für die schnelleren Bretter entschieden. Er habe im Fünf-Sterne-Hotel gut geschlafen und sei vor dem ersten Start auch nicht aufgeregt gewesen: "Es ist ja niemand da", erklärt er angesichts leerer Zuschauerränge. Seinen Frust will Janosch Brugger jetzt schnell überwinden. Der Fokus richtet sich auf den nächsten Einsatz am Sonntag. Im Skating-Teamsprint wollen Eisenlauer und er dann zeigen, "was wir eigentlich im Köcher haben". Diesmal heißt das Ziel Finale.