Entschlüsselte Chats brachten Fahndungserfolg

dpa

Von dpa

Fr, 19. Februar 2021

Panorama

500 Polizisten bei Razzia im Clanmilieu / Zwei Verhaftungen.

Bei einer Großrazzia im Clanmilieu in Berlin und Brandenburg sind am Donnerstag zwei Verdächtige verhaftet worden. Dieser Fahndungserfolg geht laut Staatsanwaltschaft auf entschlüsselte Daten des Kurznachrichtendienstes EncroChat zurück. "Beide Verhaftungen beruhten auf EncroChat", sagte Oberstaatsanwalt Thorsten Cloidt. Bei der Razzia waren 500 Polizisten beteiligt.

Laut Staatsanwaltschaft waren Datensätze, die von der französischen Polizei über das Bundeskriminalamt (BKA) nach Berlin gekommen seien, entscheidend, um Ermittlungen wegen Drogenhandels und Handels mit Kriegswaffen gegen die Männer im Alter von 44 und 22 Jahren zu führen. Cloidt sprach von zehn bis 20 Maschinenpistolen, um die es unter anderem gegangen sei.

Erkenntnisse über schwere Kriminalität, Drogen- und Waffenhandel habe man natürlich immer gehabt, sagte Cloidt. "Aber eben nicht in solcher Klarheit, wie sie uns jetzt durch EncroChat präsentiert werden." Die Kriminellen hätten sich vor dem Abhören durch die Polizei sicher gefühlt und entsprechend frei miteinander kommuniziert.

Vor allem Kriminelle nutzen die Plattform EncroChat

EncroChat wurde vor allem von Kriminellen genutzt. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang es im Vorjahr, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen, wie die europäische Justizbehörde Eurojust im Juli 2020 mitteilte. 60 000 Teilnehmer hätten den aufwendig verschlüsselten Chatdienst genutzt, weil es hieß, die Technik sei nicht zu knacken.

Schon seit dem vergangenen Herbst habe es auch in Berlin nach der Entzifferung erste Ermittlungsverfahren gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Georg Bauer. "Das wird sich mit weiterer Intensität fortsetzen. Wir werden in Zukunft noch viel über EnchroChat-Verfahren berichten und erfahren können."