Schulleiter vor Gericht

Er hat eine Grenze gezogen zwischen Loyalität und Kadavergehorsam

Bernd Rottenecker

Von Bernd Rottenecker (Hohberg)

Sa, 16. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Den Letzten beißen die Hunde", Beitrag von Stefan Hupka (Politik, 30. April)
Dass der Bötzinger Schulleiter Bernd Friedrich eine klare Grenze gezogen hat zwischen der Loyalität gegenüber seinem Dienstherrn und dem von diesem verlangten Kadavergehorsam ist bemerkens- und lobenswert. Auch ist das von Bernd Friedrich gegen sich selbst beantragte Disziplinarverfahren ein kluger Schachzug, mit dem er das obrigkeitsstaatliche Gebaren der Freiburger Schulverwaltung vor dem Verwaltungsgericht zurückweisen konnte.

Seit vielen Jahren wird von Bildungsfachleuten der zunehmende Mangel an Lehrkräften in Grundschulen beklagt. Und da verlangte die Schulbehörde in Baden-Württemberg von einem Schulleiter, dass er gleich am ersten Schultag im September 2018 eine Schulklasse nach Hause schicken sollte, nur weil bei einer Lehrerin die "Befristungsabrede" nicht rechtzeitig vorlag. "Das kann für uns weitreichende Folgen haben", erklärte die Disziplinarreferentin vor dem Verwaltungsgericht. Schließlich könne die Lehrerin dann eine Dauerbeschäftigung einklagen, wenn sie ohne diese Abrede den Schuldienst beginne.

Dass an der Bötzinger Schule gleich am ersten Schultag vier Lehrkräfte als befristete Vertretungslehrer ihren Dienst antreten, macht doch überdeutlich, dass ein Bedarf an Dauerlehrkräften in Bötzingen – und auch in ganz Baden-Württemberg – besteht; laut einem BZ-Artikel vom Juli 2019 waren in Baden-Württemberg im letzten Schuljahr 3900 Lehrkräfte mit befristeten Verträgen beschäftigt. Die Disziplinarreferentin Kerstin Schrempp, welche die Schulverwaltung vor dem Verwaltungsgericht vertrat, ist vermutlich Juristin und hat von der schwierigen Arbeit eines Schulleiters und den mannigfachen Zwängen, denen dieser an seiner Schule unterworfen ist, keine Ahnung. Denn nur so kann man ihre Aussage, Friedrich habe eine Dienstpflichtsverletzung begangen, interpretieren.

Solange dieser obrigkeitsstaatliche Untertanengeist von den Schulleitern seitens der Schulverwaltung eingefordert wird, ist die Hoffnung auf ein zukunftsfähiges Schulsystem im Lande reine Utopie. Bernd Rottenecker, Hohberg