"Er kann das Feld einfach stehen lassen"

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 24. März 2020

Skilanglauf

Landestrainer Dieter Notz lobt den Antritt und das taktische Geschick des zweifachen deutschen Jugendmeisters Luca Wehrle vom SC Hinterzarten.

TITISEE-NEUSTADT. Es gab in diesem denkwürdigen Winter sehr wenige Wettkämpfe auf nationaler Ebene, doch die brachten die baden-württembergischen Langläufer der Jugend- und Juniorenklassen "ordentlich" hinter sich. Dieses Fazit zieht Landestrainer Dieter Notz nach der vorzeitig beendeten Saison. "Erstaunlich gut" bewertet er das Abschneiden bei der deutschen Meisterschaft.

Hinter den deutschen Langlauf-"Großmächten" Bayern (zehn Titel) und Thüringen (acht) kamen die Skiverbände Baden-Württemberg (SBW) mit sechs Meistertiteln auf Rang drei vor Sachsen (vier), ebenfalls ein Landesverband, der deutlich mehr hauptamtliche Trainer beschäftigt als die SBW. Einschließlich der Meister brachten es die Schwarzwälder und Schwaben auf zehn Einzel- und drei Teammedaillen. Und das nur beim ersten Teil der deutschen Meisterschaft Ende Januar bis Anfang Februar, die mangels Schnee von Isny nach Oberstdorf verlegt worden war sowie im Teamsprint Mitte Februar, erneut in Oberstdorf. Die für Ende März in Oberwiesenthal geplante DM über die Langstrecke und im Staffellauf fiel ebenso der Coronavirus-Pandemie zum Opfer wie der für das vergangene Wochenende terminierte Deutschlandpokal (DP) im Bayerischen Wald.

Männliche Jugend 16 "im Block stark"

Der verspätete Deutschlandpokal-Auftakt im Januar im bayerischen Hirschau war für die SBW-Langläufer laut Notz "sehr holprig" verlaufen. Danach seien sie "immer besser reingekommen" und in der Spätphase der Saison wäre nach Überzeugung des Landestrainers "noch ’was gegangen". Nachdem der Deutsche Skiverband (DSV) die Wettkampfsaison für beendet erklärt hatte und später das Ski-Internat Furtwangen (SKIF) geschlossen worden war – vorläufig bis nach den Osterferien –, gab das Trainerteam den Kaderläufern und -läuferinnen noch Trainingspläne mit nach Hause, zusammen mit der Aufforderung, "den Schnee noch zu nutzen".

Die Chance, sich sportlich weiterzuentwickeln, hatten in diesem seltsamen Winter etliche junge Schwarzwälder nutzen können. Die männliche Jugend 16 präsentierte sich gar "im Block stark", sagt Dieter Notz lobend. In der deutschen Rangliste haben es gleich vier von ihnen in die Top Ten geschafft: Der Kirchzartener Jakob Horlacher liegt als Dritter direkt vor Luca Wehrle (SC Hinterzarten), Luis Braun (WSG Schluchsee) folgt auf Rang acht und Jakob Kuß (SZ Brend) ist Neunter. Die Rangliste, die von der noch immer nicht offiziellen DP-Gesamtwertung abweichen kann, ist ausschlaggebend für die Kaderzugehörigkeit in der kommenden Saison. Sie beinhaltet die FIS-Punkte, die den prozentualen Rückstand der individuellen Laufzeit auf die Siegerzeit im jeweiligen Wettkampf berechnen und damit die Leistungsunterschiede genauer abbilden als die Ergebnisse im Deutschlandpokal. Dort gibt es für jede Platzierung zwischen eins und 25 eine festgelegte Punktzahl von 30 bis 1.

Eine tolle Saison von Matteo Lewe in der Klasse U 18

Der erfolgreichste Langläufer des Skiverbands Schwarzwald bei der deutschen Meisterschaft war Luca Wehrle mit zwei Titeln: Er wurde deutscher Meister im Sprint und zusammen mit Jakob Horlacher auch im Teamsprint und gewann zudem Bronze im Massenstartrennen, jeweils in der Skatingtechnik. "Luca kann das Feld einfach stehen lassen", sagt Notz über den Antritt des Hinterzarteners und sein taktisches Geschick. Der Landestrainer erwartet mit Spannung, ob alle vier Schwarzwälder aus der U 16 es in den D/C-Kader des DSV schaffen werden. Die Sitzung am DSV-Sitz in Planegg Anfang April, in der die Kader für die Saison 2020/21 zusammengestellt werden sollten, wurde abgesagt.

Die "tolle Saison" von Matteo Lewe (SV Kirchzarten) sei "etwas untergegangen", bedauert Notz. Der beste Baden-Württemberger der Klasse U 18 ist Sechster der Rangliste und Vierter des jüngeren, aber sehr starken Jahrgangs 2003. Eine ebenfalls sehr erfreuliche Entwicklung bescheinigt der Landestrainer Lewes gleichaltriger Vereinskameradin Emily Weiss. Die 14. der U-18-Rangliste kommt im jüngeren Jahrgang auf Rang sieben und im Sprint war sie die Drittbeste des Jahrgangs 2003. Amelie Wehrle (SC Hinterzarten), gehandicapt durch Trainingsrückstand nach einer Operation, ist ebenso 18. der U-18-Rangliste wie bei den Jungen Leopold Hensler (SC Langenordnach). Henslers größter Erfolg: DM-Bronze im Teamsprint zusammen mit Matteo Lewe.

Regulärer Trainingsbeginn für die kommende Saison ist für die baden-württembergischen Langläufer der 1. Mai. Ob dann alles in den üblichen Bahnen ablaufen kann oder weiter Ausnahmezustand auch im Leistungssport herrschen wird, vermag seriös gegenwärtig noch niemand vorherzusagen.