"Ereignisreiches Jahr"

epd

Von epd

Mi, 24. Februar 2021

Computer & Medien

Deutscher Presserat meldet Rekordzahl von Beschwerden.

Der Deutsche Presserat hat 2020 so viele Beschwerden wie noch nie verzeichnet und deutlich mehr Rügen als im Vorjahr ausgesprochen. Zentraler Grund für den sprunghaften Anstieg waren vor allem "Massenbeschwerden zu einzelnen Artikeln", wie das Selbstkontrollorgan der deutschen Presse am Dienstag in Berlin auf seiner Jahrespressekonferenz mitteilte. 2020 erreichten den Presserat 117 Sammelbeschwerden, an denen 1111 Leserinnen und Leser beteiligt waren. Ein Jahr zuvor waren es noch 83 Sammelbeschwerden mit 438 Beteiligten gewesen. Der Sprecher des Gremiums, Sascha Borowski, sprach von einem ereignisreichen Jahr mit großen Herausforderungen.

Insgesamt gingen beim Presserat 4085 Beschwerden ein. Das waren fast doppelt so viele wie im Jahr 2019. Zu den oft kritisierten Artikeln zählten Texte über die Kindstötung in Solingen und die intensiv diskutierte Polizei-Kolumne in der taz. Während der Presserat wegen der Veröffentlichung eines Whats-App-Chats, in dem ein Elfjähriger einen Freund über die Tötung seiner fünf Geschwister informiert hatte, in drei Fällen Rügen aussprach, sah der zuständige Ausschuss die Polizei-Kolumne als Satire und nicht als Verstoß gegen den Pressekodex. Kritik an der Berichterstattung über die Corona-Pandemie habe das Gremium überwiegend (80 Prozent) zurückgewiesen, hieß es, da es keine Anhaltspunkte für die Verletzung des Pressekodex gegeben habe.

Die in den Ausschüssen behandelten Fälle nahmen 2020 um 46 auf 530 Artikel zu, spiegelten aber laut Presserat "nicht den enormen Gesamtanstieg der Einzelbeschwerden wider". Seine schärfste Sanktion, eine Rüge, erteilte der Presserat in 53 Fällen (plus 19). Am häufigsten bezogen sich Rügen auf mangelnde Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten, gefolgt von Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes.