Outing

Erfolgreiche, aber nicht unspektakuläre Inszenierung

Norbert Becker

Von Norbert Becker (Freiburg)

Do, 18. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Noch ist nichts normal", Beitrag von Frank Zimmermann (Kultur, 6. Februar)

In der ersten Titelzeile habe ich das im Deutschen unzulässige Wort "Schauspielende" mühelos als "Schauspieler" gelesen. In der zweiten Titelzeile bedarf es inhaltlicher Mäßigung. Statt "Noch ist nichts normal" vielleicht: "Noch ist manches nicht normal". Bei der Inszenierung seines Outings am zweiten Weihnachtsfeiertag 2020 hat Jannik Schümann als erster der 185 nachfolgenden Outerinnen und Outer unzweifelhaft auf mediale Aufmerksamkeit spekuliert. Erfolgreich, aber sicher nicht unspektakulär. Es ist, wie Frank Zimmermann zutreffend bemerkt, die Selbstinszenierung eines Jungstars. "Kein Text, ein rotes Herz". Sonst nichts, außer dem Kommentar von Frank Zimmermann, "zärtlich, unaufgeregt, sensibel, liebevoll, unspektakulär". Unaufgeregtheit kann man bei einem Medienprofi erwarten. Als solcher hat er das Richtige getan, damit das Outing unspektakulär daherkommt, aber nicht etwa so wirkt. Bei der Attribuierung "zärtlich, sensibel, liebevoll" rutscht Frank Zimmermann kurz auf das Niveau der Kitschpresse ab, vielleicht mitgerissen vom Schwarzweiß-Schnappschuss eines professionellen Fotografen ("zart umarmt, Kuss auf die Stirn"). Quo vadis, Badische Zeitung? Norbert Becker, Freiburg