Umweltschutz

Ergebnisse der Müllsammelaktion am Zähringer Dorfbach schockieren

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

So, 13. September 2020 um 11:34 Uhr

Zähringen

Glasflaschen und Gartenstühle, Unmengen an Plastiktüten und sogar Autoreifen holten Aktivisten am Samstag aus dem Zähringer Dorfbach. Und erstmals wurden die Kunststoffe im Abfall analysiert.

Kurz hinter dem im Juni eröffneten Pumptrack ist der Zähringer Dorfbach ein klares Gewässer mit schwimmenden Fischen und Krebsen. Doch wenige Meter weiter ist es mit der Idylle vorbei. Entlang des Parkplatzes zwischen Mömax und Real-Markt an der Gundelfinger Straße haben am Samstag ein Dutzend Freiwillige mit Zangen und Handschuhen den Bach von Makroplastik befreit.

"Da blutet mir schon das Herz", sagt die im Stadtteil wohnende Grünen-Stadträtin Nadyne Saint-Cast beim Blick auf den großen Haufen des gesammelten Rest- und Plastikmülls. Ihr Fraktionskollege Jan Otto hat schon seit dem Morgen am laufenden Band Schrott aus dem Wassergraben geholt. Darunter sind neben Glasflaschen und Gartenstühlen, auch Plastiktüten oder Fahrradteile und sogar mehr als zehn Autoreifen.

"Das ist schockierend." Der Hydrologe Phillip Grimm schüttelt den Kopf beim Gedanken, dass Menschen hier nachts ihre vollen Säcke mit Elektroschrott oder Flaschen in den Bach werfen. Sein Verein Regiowasser hat anlässlich des Aktionstages "Rhine Clean Up" am vergangenen Samstag an den Ufern des Rheins zum Müllsammeln am Zähringer Dorfbach aufgerufen. Erstmals wird in dem laut Regiowasser dreckigsten Bach Freiburgs auch die Zusammensetzung des Plastikmülls untersucht. Auf Initiative von Biologe Nikolaus Geiler stellte Sebastian Ziewer-Arndts von der Firma Analyticon Instruments eine mobile Nah-Infrarot-Maschine (Micro Phazir PC) zur Verfügung. Dieser Analysator sieht aus wie ein Fön, kostet rund 20000 Euro und kann 30 verschiedene Kunststoffe in Sekundenschnelle identifizieren.

Infrarotstrahlung lässt Moleküle schwingen

Aber die Freiwilligen, darunter vom BUND, nutzen das Gerät, um die sechs häufigsten Kunststoffarten zu bestimmen und zu sortieren. Dazu gehören Polyethylen (Tüten), Polypropylen (Elektroteile), Polystyrol (Verpackung), PET (Flaschen), PVC (Böden), Polyamid (Kleidung). Durch die Absorption der Infrarotstrahlung werden Moleküle im jeweiligen Plastikteil zu Schwingungen gebracht. Das reflektierte Spektrum ist typisch für die Art des Kunststoffs. Da diese Spektren auf dem Gerät, das in der Industrie für Recycling oder Wareneingangskontrollen genutzt wird, gespeichert sind, erkennt es die Kunststoffart, erklärt Ziewer-Arndts. Die Daten werden dem Bundesumweltamt zur Verfügung gestellt.

Die Mülllast, die Geiler in dem hohen Publikumsverkehr am Parkplatz und der Peripherie-Lage begründet sieht, sei enorm. Er hofft, dass der Aktionstag mehr Aufmerksamkeit auf den verschmutzten Abschnitt des Zähringer Dorfbachs lenkt, der über den Schobbach und die Glotter in den Leopoldskanal und schließlich in den Rhein fließt.

Die beiden Stadträte wollen die Abfallwirtschaft, die den gesammelten Müll an diesem Montag abholt, auffordern, den Bachlauf demnächst komplett und professionell zu säubern. "Hier muss gehandelt werden", sagt Nadyne Saint-Cast. Sie wünscht sich darüber hinaus Bachpatenschaften und Umweltbildung in den Zähringer Grundschulen. Insgesamt solle man nachdenken, das Gebiet zu renaturieren, um die Lebensqualität zu verbessern – gerade mit Blick auf das an dem Standort geplante Quartier mit Hunderten Wohnungen (BZ berichtete) sei das ein wichtiges Ziel, ergänzt Jan Otto.

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