"Erholungsgebiet für Städter" ist zu wenig

Rolf-Dieter Kanmacher

Von Rolf-Dieter Kanmacher

Do, 04. Februar 2021

Malsburg-Marzell

Gemeinderat Malsburg-Marzell übt Kritik am Raumkonzept.

(kn). Eine recht lebhafte Diskussion, sie nahm letztlich mehr Zeit in Anspruch als die vorangegangene Sitzung, löste bei der Gemeinderatssitzung am Montag nach Abwicklung der offiziellen Tagesordnung eine kurze Stellungnahme von Ratsmitglied Dierk Kilchling zu einem Pressebericht über das Raumkonzept 2040 der Gemeinden im Kandertal aus. Die Vorstellung des Schlussberichts hatte im Blick auf die Corona-Pandemie im Rahmen einer Videokonferenz stattgefunden. Das Obere Kandertal und damit die Gemeinde Malsburg-Marzell wolle man für einen "sanften Tourismus" erlebbar machen, hatte es im zitierten Bericht geheißen.

Die laut Bericht angestrebte Nachverdichtung unter dem Motto "Die Gemeinden müssen nach innen wachsen" sei für das Obere Kandertal angesichts der topographischen Lage kein anzustrebendes Leitziel, sagte Dierk Kilchling. Er sei einer der größten Landwirte in der Gemeinde, der umfängliche Flächen im Tal bewirtschaftet und durch seine Arbeit offen hält.

Das im Abschlussbericht mit Lob bedachte ehemalige Tonwerkeareal Rümmingen sei für ihn absolut kein Vorbild für eine künftige bauliche Entwicklung im Kandertal. Unterstützt von mehreren Ratsmitgliedern betonte er, in der Berggemeinde gehe es vielmehr darum, gerade auch in Baufragen individuelle, dem Ort angepasste Lösungen zu finden und so gerade siedlungswillige junge Einheimische, besonders junge Familien, zu unterstützen. Meist ohne Gegenleistung oder Anerkennung auch finanzieller Art müsse man im Oberen Kandertal Naherholungsmöglichkeiten für die Agglomeration Basel anbieten, im städtischen Bereich müsste man dagegen für "alles bezahlen", sagte Karlheinz Beyerle, man erfahre zu wenig Unterstützung für die Offenhaltung der Landschaft, führten Marc Schwarz und Ratskollegen aus.

Manfred Wetzel zitierte aus einem amtlichen Schreiben, nach dem weite Teile der Gemeinde "Erholungsgebiet für Städter" seien und als solche erhalten werden müssten. Mehrfach wurden in der Sitzung auch die letzten schneereichen Wochenenden angesprochen, an denen man bekanntlich einen wahren Ansturm von Erholungssuchenden erdulden musste.

Grundsätzlich sei aber die Haltung zum (Tages)Tourismus im Oberen Kandertal nicht negativ, wurde betont, wenn die Wertschöpfung auch zu gering sei, denn "die Lüt" müssten ja gerade in Corona-Zeiten irgendwo hin, wo es schön sei und man sich erholen könne.

Zum gerade auch im benachbarten Kleinen Wiesental zu hörenden Vorschlag, Park- oder Loipen-Benutzungsgebühren rund um Lipple und Kreuzweg zu erheben, wurde anerkennend auch auf die Leistungen der Forstverwaltung für den Loipenbereich verwiesen. Einigkeit herrschte über die grundsätzlich Notwendigkeit einer grundsätzlich stärken Förderung gerade auch von Flächengemeinden mit geringerer Einwohnerzahl. Es könne nicht sein, dass man allein wegen einer "maroden Brücke" wichtige Vorhaben auf die lange Bank schieben müsse. Bürgermeister Singer unterstrich die Notwendigkeit, sich an laufenden Entwicklungsprozessen zu beteiligen um die Möglichkeiten der Mitgestaltung zu erhalten. Die Bewertung des Oberen Kandertals im Raumkonzept beurteilte er grundsätzlich positiv.