Erschreckender Akt von Vandalismus

epd

Von epd

Do, 22. Oktober 2020

Kunst

In Berliner Museen haben Täter diverse Kunstwerke mit Flüssigkeiten beschädigt.

In mehreren Berliner Museen haben Unbekannte Ausstellungsstücke mit einer öligen Flüssigkeit besprüht. Die Tat ereignete sich bereits am 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit auf der Berliner Museumsinsel. Betroffen sind insgesamt 63 Objekte in der Alten Nationalgalerie, dem Pergamonmuseum und im Neuen Museum, sagte die stellvertretende Direktorin der Staatlichen Museen zu Berlin, Christina Haak, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz auf der Museumsinsel. Die Schadenshöhe sei noch unbekannt. Es sei aber der bislang umfangreichste Vandalismusschaden, den sie erlebt habe. Betroffen sind den Angaben zufolge unter anderen ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen sowie Bilderrahmen von Gemälden des 19. Jahrhunderts.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verurteilte die Beschädigung der Kunstwerke. Diese zeige eine "tiefe Verachtung gegenüber Kunstwerken und kulturellen Leistungen". Zugleich äußerte sie sich kritisch zu den Sicherheitsvorkehrungen der Staatlichen Museen zu Berlin. Diese müssten sich "Fragen stellen lassen", sagte Grütters. Über die Tat hatten zunächst die Wochenzeitung Die Zeit und der Deutschlandfunk berichtet.

Laut Polizei gingen der oder die Täter bei der Beschädigung der Ausstellungsstücke wahllos vor. Ein Selbstbezichtigungsschreiben gebe es bislang nicht, sagte der leitende Ermittler beim Landeskriminalamt, Carsten Pfohl. Die Tat war am 3. Oktober vom Aufsichtspersonal entdeckt worden. An dem Tag waren laut Ticketverkauf weit mehr als 3000 Besucher in den Museen. Davon wurden rund 1400 personalisierte Eintrittskarten per Mail von 654 Mailadressen bestellt. Besucher, die Tickets an der Tageskasse kauften, mussten keine persönlichen Angaben wie Namen oder Adresse hinterlassen. Dies sei trotz Corona-Pandemie üblich, sagte Haak, und verglich den Ticketkauf mit einem Einkauf im Supermarkt.

Die mehr als zweiwöchige Geheimhaltung der Tat begründeten Polizei und Museumsleitung mit ermittlungstaktischen Gründen. So hätten erst das gesamte Ausmaß des Schadens ermittelt und Leihgeber einzelner Exponate unterrichtet werden müssen. Eine Durchsicht der Überwachungsvideos habe noch kein Ergebnis gebracht, sagte Pfohl. Eine Befragung des Personals laufe noch. Die Polizei hat inzwischen einen Zeugenaufruf gestartet und Besucher angeschrieben, die per Mail Tickets bestellt hatten. Der für die Sicherheit der Museen Verantwortliche, Hans-Jürgen Harras, erklärte, Maßnahmen wie etwa Rundgänge in der Nacht seien verstärkt worden.

Inzwischen sitzen Restauratoren an der Reparatur der Schäden. Die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung hat dafür 100 000 Euro Soforthilfe bereitgestellt. Über die Zusammensetzung der Flüssigkeit wurden keine Angaben gemacht – außer dass sie ölig, transparent und nicht ätzend sei.

Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, sprach von einer "sehr, sehr schmerzlichen Erfahrung, mit der wir nicht gerechnet haben", Haak von einem erschreckenden "Akt des Vandalismus". Bereits im Sommer seien im Kolonnadenhof Graffitis gesprüht und Transparente zerschnitten worden. Der Angriff innerhalb des Museums stelle eine neue Qualität dar.