Fragen und Antworten

Erstmal kein Astrazeneca mehr: Was bedeutet das?

Thomas Steiner und dpa

Von Thomas Steiner & dpa

Di, 16. März 2021 um 19:56 Uhr

Deutschland

Die einen sorgen sich, weil ihre Astrazeneca-Impfung abgesagt wurde, die anderen, weil sie schon eine hatten. Wir beantworten Fragen zum vorläufigen Impfstopp wegen Fällen von Thrombosen .

Nach dem vorläufigen Impfstopp für Astrazeneca stellen sich viele Fragen – sowohl für Menschen, deren Impftermin jetzt abgesagt wurde, als auch für Menschen, die bereits eine Erstimpfung mit dem Vakzin bekommen haben.

Was ist, wenn ich einen Impftermin mit Astrazeneca in dieser Woche hatte und er abgesagt wurde?

Impflinge, die eine Absage bekommen haben für einen Astrazeneca-Termin vom gestrigen Dienstag bis zum kommenden Montag, werden auf die Impfwarteliste genommen und hinter die bereits aufgenommenen Über-80-Jährigen gesetzt. Wer auf der Warteliste steht, wird direkt vom Callcenter per Mail oder telefonisch informiert, wenn ein Termin für ihn verfügbar ist. Das wird allerdings eine Zeitlang dauern. Für Impflinge, bei denen ein Astrazeneca-Termin schon am Montag dieser Woche abgesagt wurde, gilt dies nicht. "Diese müssen sich um einen erneuten Impftermin bemühen", schrieb das Ministerium am Dienstag, "sobald die Terminbuchung wieder geöffnet ist. Die technischen Voraussetzungen lassen es leider nicht zu, die Daten der gestern abgesagten Termine wiederherzustellen und diese Personen auf die Warteliste zu setzen."

Wenn ich einen neuen Termin bekomme, kann ich mir dann den Impfstoff aussuchen?

Eine Wahlmöglichkeit zwischen den zugelassenen Impfstoffen besteht angesichts des Impfstoffmangels grundsätzlich nicht, sagt das Sozialministerium. Menschen auf der Warteliste werden auf die zugelassenen Impfstoffe gebucht, für die zum Zeitpunkt der Buchung Termine verfügbar sind. Solange der Impfstopp für Astrazeneca besteht, erfolgen alle Impfungen mit Biontech oder Moderna. Sollte der Impfstopp aufgehoben werden, dann wird Astrazeneca wieder entsprechend seiner Zulassung verimpft. Wenn sich an dieser durch die laufenden Untersuchungen nichts ändert, können also auch über 80-Jährige wieder damit geimpft werden.

Werden derzeit noch Termine für Astrazeneca-Impfungen vergeben?

Nein, das Land hat am Dienstag das Buchungssystem für Impftermine vorerst geschlossen. Weder über die Telefonhotline 116 117 noch über die Webseite www. impfterminservice.de können derzeit Termine ausgemacht werden. Die Schließung des Buchungssystems gilt vorerst bis zum kommenden Montag, 22. März.

Wer die Erstimpfung mit Astrazeneca bereits bekommen hat, muss der sich nun Sorgen um seinen Schutz vor Covid-19 machen?

Menschen, die nach einer ersten Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff wegen des vorläufigen Stopps keine zweite Dosis erhalten, müssen sich nach Ansicht von Experten zunächst keine Sorgen um fehlenden Immunschutz machen. "Nach allem, was wir wissen, ist es nicht problematisch, die zweite Impfung aufzuschieben", sagt Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. "Wir haben wenig Erfahrung, was die Dauer des Impfschutzes anbelangt, weil die Studien dazu ja gerade abgeschlossen sind. Mindestens sechs Monate sollte der nach der ersten Impfung aufgebaute Schutz aber halten."



Michael Lohoff von der Philipps-Universität Marburg weist auf den hohen Schutz vor schweren Verläufen hin, der nach der ersten Impfung aufgebaut werde. "30 Tage nach der ersten Impfung haben wir einen sehr guten Schutz vor schweren Verläufen. Das ist schon mal super." Grundsätzlich sei eine zweite Impfung allerdings besser, um das Immunsystem neu zu stimulieren. Dass bereits die erste Astrazeneca-Impfdosis einen guten Schutz vor schweren Verläufen vermittelt, geht unter anderem aus Daten aus Schottland hervor, die im Februar vorgestellt wurden.

Kann auf eine Erstimpfung mit Astrazeneca auch eine Zweitimpfung mit dem Impfstoff von Biontech folgen?

Grundsätzlich ist es denkbar, die zweite Impfdosis mit einem anderen Impfstoff vorzunehmen, sagt Stefan Kaufmann. "Wir haben im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen wenig Erfahrung damit. Aus immunologischer Sicht spricht aber nichts dagegen."
Acht Fälle schwerer Hirnvenenthrombosen

In Regierungskreisen war am Dienstag zu erfahren, dass inzwischen acht Fälle bekannt sind, in denen es nach einer Impfung mit Astrazeneca zu schweren Thrombosen kam. "Normal" wären 1,4, hieß es. Das heißt: In einer gleich großen Gruppe von Personen, die nicht geimpft wurde, hätte es weit weniger dieser Hirnvenenthrombosen gegeben. In einem Gespräch mit Fachleuten habe sich am 15. März gezeigt, dass die Experten einen Zusammenhang der Fälle mit dem Vakzin für plausibel halten. Deshalb habe es keine andere Wahl gegeben, als die Impfung mit Astrazeneca vorsorglich zu stoppen – auch wenn dieser Schritt natürlich für die Impfzentren, die bereits Geimpften oder die, die jetzt einen Termin gehabt hätten, schwer sei. Es wurde auch betont, dass man unabhängig von dem Stopp eine Änderung hätte machen müssen. Bei den Aufklärungsbögen, die die Impflinge bekommen, müsse jetzt der Hinweis ergänzt werden, dass es das Risiko für die schweren Thrombosen gibt. Diese Ergänzung wird in jedem Fall eingefügt – auch wenn die Europäische Medizinagentur EMA an diesem Donnerstag empfiehlt, das Vakzin weiter zu nutzen. Bei der Anti-Baby-Pille etwa werde genauso verfahren. Laut den Regierungskreisen ist es auch denkbar, dass die Thrombosen-Fälle auf eine einzige Charge des Impfstoffs zurückgehen, die verunreinigt oder sonst irgendwie nicht einwandfrei ist. Das sei allerdings noch nicht abschließend geklärt. (Bernhard Walker)