Erste Runde geschafft

Erstmals besteht eine Frau die Prüfung für die Bundeswehr-Spezialeinheit KSK

dpa

Von dpa

Di, 12. Januar 2021 um 21:35 Uhr

Deutschland

Nach Skandalen um extremistische Vorfälle und verschwundene Munition sieht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die in Calw stationierte Einheit auf dem richtigen Weg in einem Reformprozess.

Erstmals in der Geschichte der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) hat eine Frau die erste Runde umfangreicher Zulassungsprüfungen bestanden. Eine Soldatin habe erfolgreich teilgenommen und sich somit für den zweiten Teil qualifiziert, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. "Wir freuen uns, dass sie sich dieser anspruchsvollen Herausforderung stellt", sagte er weiter.

Nach Skandalen um extremistische Vorfälle und verschwundene Munition sieht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die in Calw stationierte Einheit auf dem richtigen Weg in einem Reformprozess. "Das KSK, auch in seiner jetzigen Form, hat eine Bewährungschance erhalten und wenn es diese Bewährungschance nutzt, dann gibt es aus meiner Sicht auch keinen Grund, das KSK aufzulösen", sagte sie.

Kramp-Karrenbauer hatte im Juni vergangenen Jahres entschieden, das KSK nach Vorwürfen von Extremismus oder fehlender Verfassungstreue grundlegend umzustrukturieren. Die dabei besonders aufgefallene 2. Kommando-Kompanie wurde aufgelöst. Falls die Reformbemühungen nicht greifen sollten, wurde die Auflösung der ganzen Einheit erwogen.

Anforderungen an Männer und Frauen sind gleich

Ein neues Potenzialfeststellungsverfahren für die Eliteeinheit dauert nun zwölf Wochen und ersetzte im November das bisherige zehnwöchige Eignungsfeststellungsverfahren. "Neben geistigen und körperlichen Fähigkeiten werden im Auswahlverfahren besonders die charakterliche Eignung und das Wertefundament untersucht", so der Sprecher. "Zusammen mit anderen Maßnahmen soll verhindert werden, dass ungeeignete, nicht auf dem Boden der Verfassung stehende Soldatinnen und Soldaten in die Spezialkräfte gelangen können."

Anforderungen an Männer und Frauen sind dabei gleich. Anwärter werden mit psychologischen Tests und Gewaltmärschen an den Rand ihrer Belastbarkeit geführt. Ein Teil der Kraft- und Kraftausdauer-Leistungen sind für Frauen – relativ und mehrheitlich gesehen – schwerer zu erbringen. Diskutiert wird aber, in welchen Fällen gemischte Teams im verdeckten Einsatz von Vorteil sind – etwa weil sie unauffälliger sind.

Weltweit sind Soldatinnen in Spezialkräften eine Ausnahme

Für die militärische Sicherheit und besondere Lagen – wie Geiselbefreiungen im Ausland – sei die Einheit wichtig, so Kramp-Karrenbauer. "Das KSK ist Teil der spezialisierten Kräfte in der Bundeswehr und diese Kräfte wird es in der Bundeswehr immer geben", sagte sie. "Über die verfügt jede Armee dieser Welt und deswegen ist das ein Asset, das wir auch in der Bundeswehr brauchen." In einem ersten Zwischenbericht hatte die militärische Führung eine positive Bilanz gezogen. "Wir wollen im Frühjahr einen zweiten Zwischenbericht vorlegen. Im Sommer soll der Prozess abgeschlossen sein und das KSK wieder nach und nach in die internationalen Verpflichtungen stärker eingebaut werden", sagte Kramp-Karrenbauer nun.

Weltweit sind Soldatinnen in Spezialkräften eine Ausnahme. Kramp-Karrenbauer selbst hatte sich 2020 gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung korrigieren müssen, als sie von KSK-Soldatinnen und Soldaten sprach – und unterstützende Kräfte meinte. "Bei den Kommandokräften des KSK, anders als bei anderen Spezialkräften, gibt es noch keine einzige Frau", sagte sie auf Nachfrage. "Das ist sicher nicht in Stein gemeißelt. Wir werden Frauen haben, die die notwendigen Anforderungen des KSK erfüllen."