Historische Wahl

Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Caritasverbandes

KNA

Von KNA

Mi, 13. Oktober 2021 um 19:01 Uhr

Deutschland

Der Caritasverband ist Europas größter Sozialverband. Erstmals seit 1897 wird er bald von einer Frau angeführt: Eva Maria Welskop-Deffaa wird ihr neues Amt voraussichtlich zum Jahresende antreten.

"Die Zeit ist reif für eine Frau, das sagen mir viele im Verband", betonte Eva Maria Welskop-Deffaa bereits Wochen vor ihrer Wahl. Die Wahlentscheidung gibt ihr Recht: Bei der Abstimmung der rund 180 Delegierten des Deutschen Caritasverbands setzte sich die 62-Jährige am Mittwochabend im zweiten Wahlgang gegen den Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes und den Trierer Theologen Markus Leineweber durch. Sie wird voraussichtlich zum Jahreswechsel ihr Präsidentinnenamt und damit die Nachfolge von Peter Neher (66) antreten.

Welskop-Deffaa (62) war bereits seit 2017 in der obersten Caritas-Führungsebene tätig und im Vorstand etwa für Digitalisierung verantwortlich. Sie begleitete hier den Ausbau von digitalen Beratungsangeboten, die nicht zuletzt im Corona-Pandemie-Lockdown stark nachgefragt waren. Zugleich plädiert sie für den Einsatz von Open-Source-Software, um sich von den marktbeherrschenden US-Anbietern unabhängig zu machen. "Das ist auch eine Frage von Teilhabe und Gemeinwohl."
Die gebürtige Duisburgerin arbeitete schon in verschiedenen Politikfeldern. Die Volkswirtin war Mitglied im Vorstand der Gewerkschaft Verdi und leitete die Gleichstellungsabteilung im Bundesfamilienministerium. Gute Kontakte hat sie zur CDU. Geprägt habe sie auch ihr Auslandsaufenthalt in Florenz, sagt Welskop-Deffaa. "Die dortige katholische Gemeinde hat mich durch ihre Offenheit und Gastfreundschaft sehr beeindruckt."

"Ausstellungen oder Theater und Konzerte sind mir wichtig, um neue Ideen zu entwickeln."Eva Maria Welksop-Deffaa
Innerhalb der katholischen Kirche Deutschlands gilt Welskop-Deffaa als gut vernetzt. Sie engagierte sich für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB). Die Münsteraner Professorin Marianne Heimbach-Steins schätzt sie als Freundin und "theologische Sparringspartnerin". Und die neue Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, wird von Welskop-Deffaa als "wunderbare Kollegin" charakterisiert.

Nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie ist sie froh, wieder mehr kulturelle Angebote wahrnehmen zu können, sagt sie. "Ausstellungen oder Theater und Konzerte sind mir wichtig, um neue Ideen zu entwickeln."

Ihren Lebensmittelpunkt hat Welskop-Deffaa seit 2006 in Berlin. Verbandsintern macht sie sich für eine Stärkung der Berliner - und auch der Brüssler - Präsenz des Deutschen Caritasverbands stark, dessen Hauptsitz am Gründungsort Freiburg ist. Die Caritas müsse nahe dran sein an den politischen Entscheidern, so ihre Überzeugung.

Enge Zusammenarbeit mit evangelischer Diakonie

Wichtig sei ihr als Präsidentin, die enge Zusammenarbeit mit der evangelischen Diakonie fortzuführen. In einer immer säkularer werdenden Gesellschaft brauche es das Zusammenstehen der Kirchen und von Caritas und Diakonie, ist sie überzeugt. Dass in der Debatte über die vom Bundesverfassungsgericht geforderte gesetzliche Neuregelung der Suizidbeihilfe sehr unterschiedliche Positionen von evangelischen und katholischer Seite deutlich wurden, bewertet sie jedoch als "schwierig".

Und kein Geheimnis macht sie daraus, ihr neues Amt auch dafür nutzen zu wollen, Frauenförderung und Gleichstellung in Caritas und Kirche voranzubringen. Überzeugt ist sie, dass die Caritas auch beim Thema Klimaschutz und dessen sozialgerechter Umsetzung, ein wichtiges Wort mitreden kann, "in Verantwortung für die junge und die kommenden Generationen".
Eva Maria Welksop-Deffaa (62) saß seit 2017 im Vorstand des Verbandes. Zuvor arbeitete die Duisburgerin im Vorstand der Gewerkschaft Verdi und leitete von 2006 bis 2012 die Gleichstellungsabteilung im Bundesfamilienministerium. Auch für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) war Welskop-Deffaa tätig.