Erzwungene Unterbrechung einer Leidenschaft

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 24. Juni 2020

Leichtathletik

Alle Mühe, aller Einsatz war vergebens: Der 53. Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen kann im Oktober nicht ausgetragen werden und wird um ein Jahr verschoben.

Jetzt hat es also die nächste sportliche Großveranstaltung in der Region erwischt: Der für den 11. Oktober geplante internationale Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen fällt aufgrund der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr aus (die BZ berichtete). Die Entscheidung der Bundesregierung, das Verbot von Großveranstaltungen zur Bekämpfung der Pandemie bis Ende Oktober zu verlängern, ließ dem Ausrichter LSG Schwarzwald-Marathon keine andere Wahl.

. "Schweren Herzens müssen wir den 53. Schwarzwald-Marathon um ein Jahr verschieben", teilten die Verantwortlichen um Cheforganisator Frank Kliche den Läuferinnen und Läufern mit. Erstmals seit der Premiere im Jahr 1968 kann der beliebte Naturklassiker um das Zähringerstädtchen auf der Baar nicht am zweiten Sonntag im Oktober gestartet werden. Wie sehr die erzwungene Unterbrechung die Organisatoren schmerzt, verdeutlicht Frank Kliche: "Das ist wie ein Schlag in den Unterleib." Denn "man arbeitet das ganze Jahr darauf hin" und nun war alle Mühe, aller Einsatz der vielen Ehrenamtlichen vergebens. Allerdings deutete sich laut Kliche schon zu Beginn der vergangenen Woche an, wie gefährdet der Schwarzwald-Marathon 2020 wohl sei. Wenige Tage zuvor hatte er sich gegenüber der BZ noch vorsichtig optimistisch geäußert.

Kliche: "In ein großes Loch werden wir nicht fallen."

Doch im Gespräch mit Bürgermeister Micha Bächle habe sich abgezeichnet, dass die Bräunlinger Kilbig im Oktober aller Voraussicht nach nicht stattfinden könnte. Und dieses größte Volksfest auf der Baar kann mit seinen Anfängen im 14. Jahrhundert auf eine ungleich größere Tradition verweisen als der Marathon. Wenn also die 663. Bräunlinger Kilbig in diesem Jahr ausfallen müsse, könne man nicht eine Woche vorher den 53. Schwarzwald-Marathon durchziehen, darüber habe im Organisationskomitee Übereinstimmung geherrscht, so Kliche. Aus diesem Grund sei dann "die Absage von der Regierung" sogar gelegen gekommen. "In ein schwarzes Loch werden wir nicht fallen", sagt Frank Kliche auch für seine Kollegen und Kolleginnen. Arbeit gebe es weiterhin genügend. Die rund 500 Teilnehmer, die bereits gemeldet hatten, werden mit Unterstützung der Zeitnahmefirma kontaktiert. Ihre Meldungen gelten weiterhin für den 53. Schwarzwald-Marathon, der erst 2021 ausgetragen wird. Läufer und Läuferinnen, die das nicht wollen, bekommen ihr Startgeld zurück. Außerdem bereite man sich schon auf den kommenden Marathon vor.

Für den hoffe man auf "doppelt so viele Starter", sagt Kliche – wohlwissend, dass dieser Wunsch kaum in Erfüllung gehen kann. In jedem Fall wünsche sich das OK "starken Zulauf", relativiert der LSG-Vorsitzende. Als finanzielle wie ideelle Unterstützung für den Verein, der es schwerer habe, Jahr für Jahr eine solche Großveranstaltung auf die Beine zu stellen, als ein "Profiveranstalter". Der finanzielle Verlust durch den Ausfall der zweitägigen Veranstaltung in diesem Jahr lasse sich noch nicht genau beziffern, er bewege sich jedoch im vierstelligen Bereich, so Kliche. Für die rührigen Organisatoren, die sich immer wieder um neue Angebote bemühen, wäre es auch eine Anerkennung ihres Einsatzes, wenn viele Läufer und Läuferinnen dem Schwarzwald-Marathon weiter die Treue halten.

Futter hat einen virtuellen Lauf mit Pfeilen markiert

Für Hans-Peter Futter, den zweiten Vorsitzenden der LSG, ist ein Start beim Bräunlinger Marathon für Schwarzwälder Ausdauersportler "eigentlich ein Muss", zumindest einmal im Leben. Wobei die Erfahrung zeigt, dass viele gerne wiederkommen. Große Stadtmarathons seien unpersönlich, so Futter. "Unsere Veranstaltung ist auch groß, aber herzlich." Weil man sich um alle persönlich bemühe und möglichst alle Wünsche der Sportler erfüllen möchte, erklärt Kliche: "Wir versuchen, jeden Läufer zu bemuttern und das machen wir gern." Um den Kontakt aufrecht zu erhalten und zumindest ein kleines Ersatzprogramm zu bieten, hat sich das OK unter dem Motto "Lauf deinen eigenen Schwarzwald-Marathon" einen virtuellen Lauf über verschiedene Strecken einfallen lassen. Futter hat dafür eigens drei Kurse mit farbigen Pfeilen markiert: die neue Fünf-Kilometer-Strecke, die zehn Kilometer lange Runde und die Halbmarathon-Distanz. Noch bis zum 28. Juni können interessierte Läuferinnen und Läufer ebenso bei sich zu Hause eine beliebige Strecke laufen, ein Bild davon ins Internet stellen und möglicherweise Preise gewinnen.

Futter wäre mit 50 Teilnehmern zufrieden gewesen. Die Resonanz ist weitaus üppiger: rund 270, Tendenz steigend. Von den Originalstrecken sind die zehn Kilometer am beliebtesten. "Einer lief daheim sogar 50 Kilometer und das in fünf Stunden", erzählt Hans-Peter Futter anerkennend. Wenn das mal kein heißer Kandidat für den nächsten Schwarzwald-Marathon ist.