"Es gibt nur Regenzeit und Trockenzeit"

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit Lehrer Sarath Ohlms über Sri Lanka.

Sarath Ohlms kam vor 35 Jahren nach Deutschland und arbeitet als heilpädagogischer Lehrer an der Integrativen Waldorfschule (IWS) in Emmendingen. Die beiden Schüler Larissa Rotzinger und Jens Bohnert aus der achten Klasse der IWS befragen ihn für Zischup zu den Unterschieden und den Gemeinsamkeiten beider Länder.

Zischup: Warum sind Sie damals nach Deutschland gezogen? Und würden Sie es wieder tun?
Ohlms: Ich kam, um Biologie zu studieren, da es in Sri Lanka nicht so viele Möglichkeiten gibt wie hier. Darum, ja, ich würde es wieder tun.
Zischup: Welche Unterschiede beziehungsweise Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den hiesigen Waldorfschulen und denen in Sri Lanka?
Ohlms: Leider gibt es noch keine Waldorfschule in Sri Lanka, aber es gibt die erste Initiative, die eine gründen will. Zurzeit gibt es nur wenige Schulen, die den deutschen Waldorfschulen ähneln, einige Montessori-Schulen, aber auch ein paar staatliche Schulen mit ähnlichen Lehrmethoden.
Zischup: Gibt es an diesen Schulen Schulkantinen, und was gibt es dort Gutes zu essen?
Ohlms: Schulkantinen findet man nur an wenigen größeren Schulen. Meist kochen dort die Eltern, die sich untereinander absprechen und im Wechsel dann für die Kinder kochen. Gekocht wird überwiegend traditionell, Reis mit Gemüse und Fleisch oder Fisch dazu.  
Zischup: Was vermissen Sie hier in Deutschland?
Ohlms: Die Wärme und die damit verbundene Möglichkeit, jeden Tag in einem See, Fluss oder im Meer baden zu gehen, vermisse ich schon. In Sri Lanka gibt es keine vier Jahreszeiten wie hier, es gibt nur die Regenzeit und die Trockenzeit. Dadurch ist es das ganze Jahr über warm, doch diese vier Jahreszeiten würde ich sehr vermissen, wenn ich wieder nach Sri Lanka gehen würde.
Zischup: Welche Religionen haben die Menschen auf Sri Lanka?
Ohlms: Es gibt auf Sri Lanka viele Buddhisten, das ist dort die am stärksten vertretene Religion, dann kommen die Hindus. Moslems und Christen gibt es in meinem Herkunftsland nur wenige.
Zischup: Gibt es Autos, die aus Sri Lanka kommen?
Ohlms: Nein, aber Mercedes oder auch manche japanische Hersteller haben Niederlassungen auf Sri Lanka, in denen Autos gebaut werden. Eine eigene Automarke hat Sri Lanka nicht.
Zischup: Gibt es in Sri Lanka Wald?
Ohlms: In den Gebieten, in denen es viel regnet, gibt es Regenwälder, in denen auch viele große Rankpflanzen wachsen. Dann gibt es noch Tropenwälder, dort wachsen seltene Bäume, deren wertvolles Holz man nimmt, um Möbel zu bauen, wie Ebenholz oder Teakholz. Aber auch Trockengebiete gibt es, in denen nur Palmenarten wachsen und überall Sand ist.
Zischup: Welche Tiere gibt es dort?
Ohlms: Es gibt wilde Elefanten, Braun- und Schwarzbären, Leoparden, Rehe, Hirsche, Füchse, Büffel, Krokodile und vier große und kleine Affenarten. Des Weiteren gibt es noch Giftschlangen wie zum Beispiel Kobras und über 400 verschiedene Vogelarten, von denen allein über 20 Arten nur auf Sri Lanka zu finden sind. Viele Zugvögel kommen nach Sri Lanka, wenn im Himalaya Winter ist, da sie in Sri Lanka Nahrung und Wasser in großen Mengen finden können.
Zischup: Sind Sie auf Sri Lanka auch mal wandern gegangen?
Ohlms: Ja, ich war wandern, jedoch war das mehr ein Bergsteigen. Wir haben den 2500 Meter hohen Berg Adam’s Peak bestiegen. Das Wandern auf Sri Lanka kann man nicht mit dem Wandern in Deutschland vergleichen. Man braucht meist einen Führer, der einem den Weg zeigt, und durch die wilden Raubtiere kann so ein Ausflug auch schnell zum Abenteuer werden. Also wie hier, mal schnell einen Wochenendausflug machen, das gestaltet sich dort doch etwas schwieriger.
Zischup: Geschehen dort Naturkatastrophen wie Tsunamis oder Wirbelstürme?
Ohlms: Leider gibt es das alles auf Sri Lanka und noch mehr. 2004 zum Beispiel wurden Teile der Insel einfach von einem Tsunami überrollt, bei dem Unglück gab es etwa 70 000 Tote. Jedes Jahr gibt es zur Regenzeit zudem Überschwemmungen und in der Trockenzeit in manchen Regionen bis zu sechs Monate Dürre. Vieles hängt damit zusammen, dass immer mehr Wälder abgeholzt werden und nicht wieder aufgeforstet werden. Das bringt das gesamte Wetter aus dem Gleichgewicht.