"Es ist die Liebe von Christus, die uns antreibt"

Rüdiger Schulze, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Emmendingen

Von Rüdiger Schulze & Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Emmendingen

Do, 09. April 2020

Emmendingen

GEDANKEN ZU KARFREITAG: Dekan Rüdiger Schulze ermuntert zu Solidarität, Kreativität und Hoffnung in der Corona-Krise.

EMMENDINGEN. Karfreitag als Tag des Schmerzes, der Verzweiflung und Trauer, Ostern als Fest der Hoffnung, der Auferstehung und der Erkenntnis, dass das Leben am Ende siegt. Die BZ hat die Dekane der christlichen Kirchen an Ostern um einen Beitrag gebeten.

Karfreitag: Gottes Liebe erneuert die Welt Es ist die Liebe von Christus, die uns antreibt… Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. Das Alte ist vergangen. Seht doch! Etwas Neues ist entstanden! Das alles kommt von Gott. Ja, in Christus war Gott selbst am Werk, um die Welt mit sich zu versöhnen. (aus 2.Kor 5)

Um dieses Geheimnis geht es an Karfreitag: Jesus Christus will nichts für sich selber. Gott setzt in Jesus Christus sein Leben ein, um uns in die Bewegung seiner Liebe und Versöhnung hineinzuziehen. Gott nimmt die zerstörerischen Kräfte auf sich und schenkt uns seine Gerechtigkeit – aus göttlicher Liebe. Darin ist er eins mit der Liebe und der Versöhnung, die von Gott kommen. Gott war in Christus, auch und gerade am Kreuz in seinem Tod.

Würde ein heldenhafter Gott weiterhelfen, eine überhöhter "James Bond"? Hätte ein solcher "Held" Verständnis für die Menschen, die ohne den Beistand ihrer Angehörigen auf der Intensivstation liegen? Denen im Pflegeheim die Besuche fehlen? Die als Ehepartner über Monate getrennt in verschiedenen Ländern leben müssen?

Ich bin froh, dass Gott mitgeht, mitleidet. Damit arbeitet Gott weiter an dieser Welt. Dass Gott die Welt einmal erschaffen hat und sie anschließend sich selbst überlässt und nur regungslos zusieht, das widerspricht der biblischen Botschaft.

Die Vollendung der Schöpfung steht noch aus, aber Sie hat bereits begonnen: Wenn jemand zu Christus gehört, gehört er schon zur neuen Schöpfung. In dieser Verbindung schafft Gott Überraschendes: Vertrauen und Zuversicht werden uns zugesprochen, auch gegen unsere eigenen Gefühle. So dient uns Gott. Immer. Im Moment liegt es vielleicht dichter an der Oberfläche. Es ist die Liebe von Christus, die uns antreibt. Menschen stehen anderen bei, auch, wenn sie selber von Ansteckung bedroht sind. Das Alte ist vergangen. Seht doch! Solidarität und Rücksichtnahme, Kreativität, die aus einfachen Stoffen Masken macht. Der zuverlässige Nachbar, der die Einkäufe erledigt, weil das alte Ehepaar nicht aus dem Haus kann. Gewiss, es gibt auch das andere, den Versuch, die Krise auszunutzen, andere zu schädigen. Aber: Diese Vorgehensweise ist nicht nachhaltig. Die Welt, die Jesus Christus ans Kreuz gebracht hat, vergeht. An Ostern ist uns diese Gewissheit geschenkt worden mit der Auferweckung Jesu Christi von den Toten. Das Kreuz enttarnt Gleichgültigkeit, Lüge und Hass. Damit verlieren sie an Einfluss. Sie haben ihre Zukunft hinter sich, mögen sie sich noch so aufblähen.

Das hat weitreichende Folgen: Wir sind Gott recht, von ihm geliebt, gewollt. Wir werden gebraucht. In dieser Gewissheit gedeihen Anteilnahme, Wahrhaftigkeit und Liebe. Auch, wenn wir nicht alles verstehen, quälende Fragen unbeantwortet bleiben. Der lebendige Gott hat viel Arbeit mit dieser Welt. Er ist am Werk.

Er schenke uns die Gewissheit, dass wir darauf vertrauen und in allem Schweren daran festhalten. Seht doch!