BZ-Interview

"Es lohnt sich, beharrlich zu bleiben und seine Ziele zu verfolgen"

Kurt Meier

Von Kurt Meier

Di, 23. Februar 2021 um 07:30 Uhr

Gutach im Breisgau

Hauptschüler, Schreiner, Unternehmer, Millionär: Der Bleibacher Unternehmer Raimund Fischer hat seine Geschichte jetzt aufgeschrieben und ein Buch veröffentlicht. Im Interview erzählt er, warum.

BZ: Herr Fischer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?

Fischer: Auf die Idee bin nicht ich, sondern meine Nichte Lisa Tomisek gekommen. Sie hat bei einem Familientreffen an einem Heiligabend mal gesagt: Dein Leben ist so außergewöhnlich, das müsste man eigentlich aufschreiben. Ich habe es anfänglich für eine Schnapsidee gehalten. Für eine Biographie ist es noch viel zu früh, hab ich ihr gesagt. Da soll ja noch was kommen! Das war lange vor meinem 50. Geburtstag, da war ich noch mittendrin im Geschäft. Aber sie hat nicht locker gelassen und immer wieder nachgehakt. Irgendwann haben wir uns drauf geeinigt, dass wir das Buchprojekt gemeinsam angehen. Zwei Jahre lang hat sie mich begleitet, auf Messen, in den Betrieben, bei Verhandlungen. Da ist eine Menge Stoff zusammen gekommen.

Was ich auf keinen Fall wollte, war eine Selbstbeweihräucherung.

BZ: Wie lange haben Sie an dem Buch gesessen bis es so war, wie Sie es wollten?

Fischer: Alles in allem zwei Jahre. Also, nicht ich allein, sondern meine Nichte und ich gemeinsam. Sie ist die Co-Autorin des Buches. Wir haben viel diskutiert, verworfen und wieder neu konzipiert. Was ich auf keinen Fall wollte, war eine Selbstbeweihräucherung. Darum ist das Buch auch nicht in der Ich-Form geschrieben. Und ich wollte das, was wir behaupten, auch entsprechend untermauern zum Beispiel mit wissenschaftlichen Aussagen. Dafür haben wir intensiv recherchiert. Als wir dann alles beisammen hatten, habe ich das Buch erst mal in die Schublade gelegt. Da lag es dann eineinhalb Jahre. In der Zeit ist dann ja auch noch Vieles passiert bis hin zum Verkauf der Firma. Als das alles über der Bühne war, haben wir auch das noch quasi als abschließendes Kapitel mit aufgenommen.

BZ: Wen wollen Sie mit dem Buch erreichen?

Fischer: Jeden, der nachdenkt und mehr aus sich machen will. Unternehmer, die sich weiter entwickeln wollen. Und auch die, die den vielfach zitierten "sozialen Aufstieg" wagen wollen. Dass dies ein steiniger Weg ist, wird in dem Buch anschaulich beschrieben. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wer bereit ist Risiken einzugehen, aber auch Verantwortung für sein Tun und für andere zu übernehmen, für den soll das Buch kein Ratgeber, sondern – wie es Lisa ausdrückt – ein Mutgeber sein.

BZ: Was ist die Kernaussage Ihres Buches?

Fischer: Gib nicht auf. Mach weiter. Auch gegen noch so viele Widerstände. Es lohnt sich, beharrlich zu bleiben und seine Ziele zu verfolgen.

Der Markt wurde immer härter.

BZ: Wie hat Ihr Umfeld, vor allem auch diejenigen, die in dem Buch entweder namentlich oder anonymisiert vorkommen, reagiert?

Fischer: Eigentlich nur positiv. Sowohl in der Familie als auch im Bekanntenkreis. Von den ersten, die dieses Buch zu lesen bekamen, gab es nur positive Rückmeldungen. Auch von denen, die in dem Buch beschrieben werden.

BZ: 27 Jahre lang haben Sie gebuckelt und gerackert für Ihre Unternehmen. Warum dann 2018 der für alle überraschende Ausstieg?

Fischer: Ich hab über ein Vierteljahrhundert lang in dem Bewusstsein gelebt: Wenn ich nicht größer werde, hab ich keine Überlebenschance. Das war der Antrieb für alle Entwicklungen. Aber der Markt wurde immer härter. Als dann völlig überraschend ein Vertreter der Mandemakers-Gruppe auf mich zukam mit dem Angebot, meine Gesellschaften zu übernehmen, kam ich ins Grübeln. Denn jetzt war ich ja in der besseren Position. Die wollten kaufen, ich musste nicht verkaufen. Ich konnte Bedingungen aushandeln, auch für die Mitarbeiter. Wir fanden ein sehr faires Übereinkommen. Das Gesamtangebot hat einfach gepasst. Zudem hat es meine Frau und mich in einer Lebensphase erreicht, in der wir uns schon mal auch gefragt hatten, ob wir noch zehn, fünfzehn Jahre in diesem Hamsterrad weitermachen oder ob wir etwas Neues ausprobieren wollen. Diese Chance hat sich damit ergeben.

Langweilig wird es mir auf jeden Fall nicht.

BZ: Und was treibt Raimund Fischer heute?

Fischer: Ich habe eine Beraterfirma gegründet, die "Real Good Business" hier am Standort in Bleibach. Ich begleite Firmenübernahmen, gebe Seminare für Unternehmer, bin aber auch im Immobilienbereich, im gewerblichen und im Wohnungsbau tätig. Ich bin nach wie vor neugierig und ich nutze jede Möglichkeit, Neues zu lernen. Ich habe meinen Lebenswandel gegenüber vorher nicht völlig verändert, kann das alles aber jetzt wesentlich entspannter angehen. Langweilig wird es mir auf jeden Fall nicht.