"Es war wichtig zu sehen, dass alle mitgezogen haben"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Di, 12. Januar 2021

Radsport

SPORTVEREINE UND CORONA – heute an der Reihe: der Radsportverein Hochschwarzwald mit dem Mountainbikeprofi und Vorsitzenden Simon Stiebjahn.

. Die Corona-Pandemie schränkt das Leben ein. Auch Sportvereine sind massiv davon betroffen. Die Badische Zeitung fragt nach, welche Konsequenzen der momentane Lockdown auf das Innenleben eines Sportvereins hat. Steht das Vereinsleben vollkommen still und  wie sehen die Perspektiven aus? Jürgen Ruoff hat sich mit Simon Stiebjahn, einem der Vorsitzenden des Radsportvereins (RSV) Hochschwarzwald, unterhalten.

BZ: Da ist einmal der Schnee, zum anderen gibt es den Lockdown: Sitzen dennoch einige RSV-Radsportler auch jetzt regelmäßig im Sattel?
Stiebjahn: Das größere Problem stellt der Lockdown dar, der leider kein koordiniertes Vereinstraining zulässt. Über den Schnee freuen wir uns, denn so können sich die RSV-Mitglieder trotzdem fit halten. Zusätzlich werden natürlich auch bei Schnee Kilometer im Sattel gesammelt.

BZ: Wie beliebt sind Joggen und Skilanglauf als Trainingsalternativen bei überzeugten Zweiradfahrern?
Stiebjahn: In der Jahreszeit von November bis März sehr beliebt. In den vergangenen Jahren konnten wir mangels Schnee nur sehr wenig auf den Skiern stehen, umso schöner ist es, dass das aktuell so gut geht bei uns im Hochschwarzwald.

BZ: Welche Aktivitäten würden derzeit im Verein laufen, wenn es den Corona-Lockdown nicht gäbe?
Stiebjahn: Aktuell würden wir je nach Altersgruppe ein- bis dreimal wöchentlich Training anbieten. Bei den Kleinsten beschränkt sich das aufs Hallentraining. Bei den etwas älteren Kindern kommt neben dem Hallentraining noch Lauftraining dazu. Bei den Jugendlichen ist es unvermeidbar, neben den bereits genannten Trainingsmethoden zusätzlich auf dem Rad zu sitzen. Bei so eisigen Temperaturen ist da die gemeinschaftliche Motivation extrem wichtig, aber leider geht das im Moment nicht.
BZ: Was vermissen Sie als Vereinsmensch im Moment am meisten?
Stiebjahn: Den regelmäßigen, persönlichen Kontakt zu den Vereinsmitgliedern.

BZ: Wie fallen die Reaktionen der RSV-Mitglieder auf die verordnete Passivität aus?
Stiebjahn: Begeistert ist natürlich niemand. Trotzdem muss man sehen, dass der Radsport hauptsächlich im Sommer stattfindet und da bin ich optimistisch, dass wir diesen dann zumindest ähnlich wie 2020 wieder "zusammen" ausüben können. Wintersportvereinen geht es da aktuell sicherlich schlechter.

BZ: Der Kinder- und Nachwuchssport in Gruppen steht still. Befürchten Sie aufgrund des Lockdowns ein Nachwuchsproblem oder gehen die jungen Radsportler mit ihren Eltern oder möglicherweise schon allein strampeln?
Stiebjahn: So schlimm die aktuelle Situation auch ist, man wird erfinderisch. So haben wir beispielsweise seit dem zweiten Lockdown einen Rahmentrainingsplan für alle Altersklassen eingeführt. Dort werden den Kindern und Eltern verschiedene Trainingsideen mitgegeben, damit sie sich alleine fit halten können. Zusätzlich ist das vielleicht auch ein Anreiz für die Eltern, gemeinsam mit dem Kind Sport zu treiben. Hinzu kommen verschiedene Ideen der jeweiligen Gruppentrainer. Beispielsweise hat hier eine Trainingsgruppe bereits über Skype und auf dem Hometrainer ein "gemeinsames" Training absolviert.

BZ: Wie halten sich die ambitionierten Sportler in Ihrem Verein fit?
Stiebjahn: Trainingslager im Süden zu planen, ist aktuell extrem schwer, denn genau dort würde ich mich aktuell befinden, wenn alles normal wäre. Deshalb sind die Trainingskollegen hier vor Ort extrem wichtig. Auch beim RSV gibt es einige, mit denen ich hin und wieder die ein oder andere Trainingseinheit absolviere. Das macht Spaß und sorgt für die nötige Abwechslung.

BZ: Blicken Sie trotz allem zuversichtlich in die Zukunft?
Stiebahn: Selbstverständlich! Ich bin zuversichtlich, dass wir als Verein dieser Situation trotzen werden. Bestes Beispiel dafür war die Austragung des Singer-Wäldercups 2020. Das Einfachste wäre sicherlich gewesen, das Event frühzeitig abzusagen, aber trotz der bescheidenen Ausgangssituation und aller Maßnahmen, die diese Austragung mit sich brachte, haben wir im Verein gesagt: Wir versuchen es auf jeden Fall! Es war wichtig und schön zu sehen, dass alle im Verein mitgezogen haben.

Simon Stiebjahn ist seit 2017 Vorsitzender des RSV Hochschwarzwald, er führt den Verein zusammen mit Timo Reith und Tobias Daubner. Geschäftsführerin ist Sabine Daubner, Schriftführerin Anja Webs, sportlicher Thomas Reith und Beisitzer sind Markus Lüber, Manuel Pfaff und Markus Bauer. Der Verein hat 108 Mitglieder. Der RSV hat außer Radsportlern auch Aktive in den Bereichen Snowboard, Langlauf und Biathlon.