Ex-Skispringer, der Rad und Berge liebt

dpa

Von dpa

Mi, 02. September 2020

Radsport

Mitfavorit Primoz Roglic gewinnt vierte Etappe der Tour de France, bei der Emanuel Buchmann neun Sekunden auf den Sieger einbüßt.

(dpa/BZ). Richtig zufrieden schaute Emanuel Buchmann an der Skistation in 1825 Metern Höhe nicht drein. "Bei 100 Prozent war das noch nicht. Als es richtig schnell wurde, hat es bei mir noch gefehlt", räumte der deutsche Hoffnungsträger ein, nachdem er bei der ersten Klettershow der 107. Tour de France einen kleinen Dämpfer erlitten hatte. Der Vorjahresvierte verlor bei der Bergankunft in Orcières-Merlette neun Sekunden auf den siegreichen Ex-Skispringer und Top-Favoriten Primoz Roglic, gegen dessen Wucht er machtlos war.

Bis einen Kilometer vor dem Ziel hatte Buchmann verbissen um den Anschluss gekämpft, dann musste er abreißen lassen. "Viel verloren habe ich nicht, das hält sich noch in Grenzen", sagte Buchmann. Vielmehr dürfte ihn besorgt haben, dass kein Teamkollege in seiner Nähe war. "Ich musste mich beim Berg selbst in Position fahren. Das war nicht optimal", monierte der Ravensburger.

Da hatten andere eine komfortablere Ausgangssituation. Roglic war von seinem Team Jumbo-Visma perfekt in Position gebracht worden, den Rest erledigte der explosive Kletterspezialist aus Slowenien selbst. "Ich habe gezeigt, dass ich bereit bin. Ich bin zurückgekommen und fühle mich von Tag zu Tag besser", sagte Roglic, der nach 160,5 Kilometern vor Landsmann Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) und Guillaume Martin (Frankreich/Solutions Credits) siegte. Damit unterstrich er seine Favoritenrolle, auch wenn das Gelbe Trikot weiter der Franzose Julian Alaphilippe trägt.

Wo die belgische Rad-Legende Eddy Merckx 1971 fast neun Minuten auf den spanischen Kletterspezialisten Luis Ocaña verlor, hatte Buchmann beim 7,1 Kilometer langen Schlussanstieg mit durchschnittlich 6,7 Prozent Steigung nur kleine Probleme. "Da bin ich noch nicht erholt von dem Sturz", erklärte der 27-Jährige und fügte hinzu: "Es ist noch ein weiter Weg bis Paris. Es gibt noch viele Bergetappen." Für Sportdirektor Enrico Poitschke war es bei der Vorgeschichte "keine Überraschung", dass sein Sportler etwas Zeit verloren hat. Buchmann, der die Etappe als 17. abschloss, war vor der Tour bei der Dauphiné-Rundfahrt schwer gestürzt.

Ansonsten taten sich die Favoriten nicht viel. Vorjahressieger Egan Bernal aus Kolumbien war direkt im Schlepptau der beiden Slowenen und büßte keine Zeit ein. Auch die französische Hoffnung Thibaut Pinot war gut vertreten. Zu kämpfen hatte Alaphilippe, doch seine schwächeren Kletterfähigkeiten machte er mit einer weiteren Energieleistung wett. So wird Frankreichs Liebling am Mittwoch zum 17. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot tragen, womit er in der ewigen Bestenliste der Franzosen auf den neunten Platz vorrückte.

Die Entscheidung über den Tagessieg fiel auf dem letzten Kilometer, als Roglic das Kommando übernahm. "Meine Jungs haben einen super Job gemacht. Ich hatte eine gute Position", sagte der 30-Jährige. Für den Teamkollegen von Tony Martin war es bereits der sechste Saisonsieg in 13 Renntagen. "Es ist ja nichts Neues, dass er so gut fährt. Das ist er in den vergangenen Rennen auch schon gefahren", sagte Buchmann.

Der Freiburger Simon Geschke vom Team CCC wurde mit 6:06 Minuten Rückstand auf den Etappensieger 72. In der Gesamtwertung ist Geschke auf dem 82. Rang – 24:26 Minuten hinter Alaphilippe. Der wiederum liegt nach vier Etappen vier Sekunden vor Adam Yates (Großbritannien/Mitchelton-Scott) und sieben Sekunden vor Roglic.

5. Etappe, Mittwoch: Gap – Privas (183 Kilometer).