Englische Woche mit Glücksmomenten

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Di, 08. Oktober 2019

Bezirksliga Schwarzwald

Bonndorf holt neun Punkte aus drei Spielen / Hölzlebruck besiegt zwei Angstgegner / Eisenbacher wachsen an zwei Niederlagen.

TITISEE-NEUSTADT. Viel Gutes ist derzeit nicht zu hören von der britischen Insel. Im Unterhaus herrscht dank Boris Johnson Tohuwabohu, der Brexit scheint nah und doch fern, sei er nun geregelt oder wild nach kick-and-rush-Manier. Exportschlager ist so derzeit ein altehrwürdiges Spielmodell, das auch auf den Fußballplätzen im Schwarzwald praktiziert wird: die englische Woche. Björn Schlageter, Trainer des Bezirksligisten TuS Bonndorf, hat damit gute Erfahrungen gemacht. Binnen sieben Tagen holte der TuS aus drei Spielen neun Punkte.

Erst ein 1:0-Heimerfolg gegen Vizemeister Marbach, dann am Tag der Deutschen Einheit ein denkwürdiger 3:1-Sieg in Tennenbronn und zum Abschluss ein glückliches 2:0 gegen Landesliga-Absteiger Geisingen: mehr Ausbeute binnen kürzester Zeit geht nicht. "Das geht absolut in Ordnung", sagt Bonndorfs Trainer, "die Mannschaft hat geschlossen überzeugt. Jetzt muss es nur nahtlos weitergehen." Wie schon in der vergangenen Saison waren die Bonndorfer mehr schlecht als recht in die neue Spielzeit gerumpelt und standen bis vor zwei Wochen tief unten. Beim 1:0 gegen Marbach war die Wende zum Guten erkennbar, am Nationalfeiertag boten die Bonndorfer auf dem legendären (und für viele Gegner uneinnehmbaren) Tennenbronner Schächle eine Demonstration der Stärke. Am 3:1-Sieg gab es nichts zu deuteln, sogar zwei, drei Treffer mehr wären drin gewesen, so Schlageter, "wir haben unseren Matchplan durchgebracht und waren komplett feldüberlegen".

Am Sonntag bot die TuS-Elf dann trotz schwindender Kräfte eine kämpferische Energieleistung. In einer engen Partie waren die mit starkem Pressing aufwartenden Geisinger der erwartet harte Gegner. "Wir hatten Glück, das hätte auch ein Unentschieden geben können", so Schlageter, der weiß, wem er zu danken hatte: seinem Bruder Kay, hünenhafter und fangsicherer TuS-Schlussmann. Das Zittern nach Niklas Bernharts verwandeltem Foulelfmeter (42.) zum 1:0 währte bis in die Schlussphase, in der Achim Schönle mit dem 2:0 die Geisinger Gegenwehr brach. Was bleibt, ist Erleichterung und Zuversicht. "Die Jungs haben bewiesen, dass sie als Mannschaft funktionieren", freut sich der Trainer. Vor drei Wochen hätte der TuS eine Partie wie gegen Geisingen wohl noch verloren: "Die Jungs waren einfach parat." Der Blick in die Vergangenheit ließ nichts Gutes erhoffen: mit 1:7 zu Hause und 0:4 im Brigachtal waren die Hölzlebrucker Bezirksliga-Fußballer in der vergangenen Saison gegen den FV Marbach untergegangen. "Das wollten wir unbedingt korrigieren", erinnert sich HSV-Trainer Tobias Urban an den 2:1-Sieg gegen den Vizemeister am Tag der Einheit und das ohne den angeschlagenen Torjäger Alexander Winter. Eugen Baibarak schloss die Lücke im Sturm und traf zum 1:1, ehe Dauerläufer Patrick Koch kurz vor Schluss den HSV-Erfolg perfekt machte. "Die Jungs haben unglaublich Moral gezeigt", sagt Urban, "ich muss jetzt einfach mal unsere Abwehr ausdrücklich loben". Am Sonntag fehlte den Hölzlebruckern dann zu Beginn die geistige und körperliche Beweglichkeit, dennoch gelang dem HSV mit dem 2:1 gegen Tennenbronn der fünfte Saisonsieg und der Sprung auf Rang vier.

Nach flottem Start versandete der Vorwärtsdrang, "wir waren zu behäbig und haben viele Fehlpässe produziert", so Urban. Nach einer halben Stunde führten die Gäste, kurz vor der Pause verhinderte HSV-Schlussmann Christof Straub mit sehenswertem Reflex das 0:2. "Mit angezogener Handbremse" rumpelte Urbans Team in Halbzeit zwei.

Die Tennenbronner stürmten weiter und liefen sich ermattet fest. Und plötzlich waren die Hölzlebrucker da. "Wir waren mutig und haben auf Dreierkette umgestellt", so Urban. Die FVT-Abwehr geriet unter Druck und kassierte per Eigentor das 1:1. "Wir waren so heiß, es ging um hopp oder topp", so Urban im Blick auf die tolle Schlussoffensive, die Nico Riesterer mit dem Siegtreffer krönte.

Wer jungen Menschen den Spaß an der Ballarbeit vermitteln und sie spielerisch und taktisch voranbringen will, der lernt nie aus. Weil er Fußball lebt und liebt, war Mario Heinrich, seit dem Saisonstart neuer Trainer des A-Kreisligisten FC Lenzkirch, in der vergangenen Woche "zur Lizenzauffrischung" an der Sportschule Steinbach. Die in Theorie und Praxis gewonnenen Erkenntnisse sollen jetzt dem FCL zugute kommen. Dem nach 1:3-Rückstand mit einer starken Leistung im zweiten Durchgang erkämpften 3:3 in Kirchen-Hausen ließen die Lenzkircher am Sonntag im Heimspiel gegen die SG Riedöschingen/Hondingen einen 2:1-Sieg folgen. Es war ein bitterer Erfolg. Im ersten Durchgang brach sich FCL-Spieler Tobias Zaremba bei einem Zusammenprall das Schlüsselbein, die zehnminütige Unterbrechung brachte die Lenzkircher aus dem Tritt. "Wenn du siehst, wie der Teamkollege mit dem Krankenwagen in die Klinik gefahren wird, sind die Gedanken an Fußball erst mal weg", erinnert sich Heinrich.

In der Kabine war die Verletzung Thema Nummer eins, aus der Klinik gab es Entwarnung. Die Konzentration kehrte zurück. Im zweiten Durchgang waren die Lenzkircher die robustere Mannschaft. "Wir haben mit Willensstärke zwei Tore gemacht", so Heinrich. Mit 13 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Möhringen stehen die Lenzkircher zwischen Gut und Böse. Vier Leistungsträger sind verletzt, die taktischen Möglichkeiten begrenzt. "Wir arbeiten Schritt für Schritt weiter", verspricht Heinrich.

Zwei Niederlagen liegen hinter Eisenbachs Kreisliga-A-Fußballern und dennoch ist Trainer Giovanni Castiglione zufrieden. Seit dem Saisonstart habe sich seine Mannschaft deutlich weiter entwickelt, "jeder weiß, dass er etwas tun muss". In der Dreier- und Viererkette herrsche jetzt eine stabile Ordnung. Statt eigensinniger Alleingänge gibt es jetzt Geschlossenheit. Das zahlt sich aus, zwar (noch) nicht in der Tabelle, aber bei der Innensicht. Castiglione sieht sein Team auf einem guten Weg, die nächtliche 0:1-Heimniederlage gegen Hinterzarten sei im Vergleich zweier ebenbürtiger Teams vermeidbar gewesen, zumal der Schiedsrichter ein offensichtliches Handspiel im HSV-Strafraum übersah.

Am Sonntag überzeugten die Eisenbacher trotz einer 3:4-Niederlage beim souveränen Spitzenreiter Möhringen, der seit dem Saisonstart acht Siege in Folge feierte. "Härter hat denen noch keiner zugesetzt", so Castiglione. "Wir haben alles reingehauen."