Bezirksliga

Tobias Urban:"Es ist wichtig, dass wir aus der Krise lernen"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mi, 25. März 2020 um 16:31 Uhr

Bezirksliga Schwarzwald

Während der Fußballtrainer und Lehrer Nils Boll derzeit mit dem Nichtstun hadert, hat der Fußballtrainer Tobias Urban beruflich alle Hände voll zu tun

Die Situation ist ungewohnt und irgendwie komisch: kein Sport an den Wochenenden, keine Bundesliga, kein Fußball in der Region. Die Situation in der Redaktion ist ebenfalls surreal: Der Flur ist dunkel, dort, wo sonst Tanjas Lachen wie ein Echo zu uns herüberschallt, ist es einfach nur still. Eine Geisterredaktion, in der nur noch wenige Geister vor sich hinwerkeln. Bei den Fußballvereinen ist es noch gravierender: Da geht gar nichts mehr. Alle Aktivitäten bei den Bezirksligisten ruhen. Und niemand weiß, wie lange die Zwangspause dauert.

TuS Bonndorf

"Nein, man darf ja nichts machen", sagt Björn Schlageter und die Tonlage verrät, dass er ein bisschen mürrisch ist, ob der banalen Nachfrage, weil die Lage an sich ja klar ist: Fußballmannschaften dürfen im Moment weder trainieren noch um Punkte kicken. "Die Jungs halten sich mit Laufen fit: Steigerungen, Sprints, Intervalle. Mehr können sie nicht tun, denn die Fitnessstudios sind ja geschlossen", sagt der Trainer des TuS Bonndorf.

"Es gibt in diesen Tagen Wichtigeres als Fußball."

Bonndorfs Trainer Björn Schlageter
Früh hatte der Fußball-Bezirksligist mit der Vorbereitungsphase auf die Frühjahrsrunde begonnen, denn die Mannschaft liegt als Tabellenvierter mit 29 Punkten und nur drei Zählern Rückstand auf Tabellenführer Marbach aussichtsreich im Rennen um einen der ersten beiden Plätze. Fünf Wochen hatten sich die TuS-Spieler auf den Punktspielstart vorbereitet, wenige Tage vor dem ersten Spiel in Pfaffenweiler wurde vom Südbadischen Fußballverband (SBFV) eine Spielpause angeordnet. "Es gibt in diesen Tagen Wichtigeres als Fußball", sagt Schlageter, der vor wenigen Tagen seinen Vertrag beim TuS Bonndorf um ein Jahr verlängert hat. In dieser Angelegenheit besteht nun Planungssicherheit für den Verein, was das Ende der Spielpause angeht, ist jedoch alles hypothetisch: "Keine Ahnung, wann es weitergeht, das kann keiner sagen. Es wäre schon schön, wenn wir in dieser Runde noch einmal spielen könnten", findet der Bonndorfer Trainer, "natürlich hoffen wir, dass es möglichst bald vorbei ist. Das ist das Einzige, was wir tun können".

SV Grafenhausen

Der angeordnete Stillstand trifft Nils Boll in diesen Corona-Tagen besonders hart: Die Schule ist geschlossen und deshalb sind seine Möglichkeiten als Lehrer stark eingeschränkt und auch als Fußballtrainer des Bezirksligisten SV Grafenhausen ist er derzeit arbeitslos. "Komische Situation", sagt Boll, seine schulpflichtigen Kinder sitzen zu Hause und lösen Aufgabe, die sie von der Schule bekommen haben. Zumindest da kann er gelegentlich helfend tätig werden, "ich würde aber viel lieber in die Schule gehen, als hier zu Hause rumzusitzen. Mit den Kindern rauszugehen, ist ja auch nicht ganz unbedenklich".

Der Aufsteiger hat sich bisher wacker geschlagen in der höheren Liga und liegt mit 22 Punkten auf dem neunten Rang in der Bezirksliga. Der Puffer zur Abstiegszone beträgt sieben Zähler, darauf lässt sich in der Frühjahrsrunde aufbauen. Sofern sie überhaupt noch ausgespielt wird. Übungsleiter Boll hat seinen Spielern die Anweisung mitgegeben, sich individuell fitzuhalten mit Joggen und Steigerungsläufen. "Das Schlimme ist halt", sagt er, "dass man im Moment gar nichts weiß, wo’s hinläuft".

SV Hölzlebruck

Bei Tobias Urban ist die Situation eine völlig andere: Als Fußballtrainer des SV Hölzlebruck ist er derzeit zwar ebenfalls beschäftigungslos, beruflich kann er sich jedoch vor Arbeit kaum retten. Urban arbeitet für eine Firma, die Hygiene-Bedarf vertreibt. "Ja, bei uns ist richtig viel los, einige Artikel sind schon ausverkauft und wenn der Nachschub harzt, könnte es sein, dass es auch bei uns in der Firma wieder etwas ruhiger wird." Desinfektionsmittel und Toilettenpapier seien derzeit kaum zu bekommen, "da gibt es hohe Rückstände". Krankenhäuser und Altenheime hätten derzeit in der Lieferkette Vorrang. "Wichtig ist, dass man sich derzeit an die Empfehlungen und Vorgaben hält, dass man den Kopf einschaltet", sagt Urban, "und dass wir aus dieser Krise was lernen".

"Ich hoffe und glaube, dass all das bald vorbei ist."

Hölzlebrucks Coach Tobias Urban
Seine drei Töchter sitzen nun wie so viele Kinder zu Hause und lernen selbständig. Urban ist voll des Lobes für das Gymnasium in Neustadt und die Realschule in Löffingen: "Die Schulen sind bestens vorbereitet und machen derzeit wirklich das Beste aus der Situation. Ich ziehe den Hut."

Natürlich halten sich auch die Hölzlebrucker Fußballer im Rahmen der Möglichkeiten selbständig fit, über Telefon und eine WhatsApp-Gruppe hält der Trainer Kontakt zu seinen Spielern. "Das ist nicht nur meine Mannschaft, da haben sich Freundschaften entwickelt. Und deshalb wollen wir in dieser schweren Zeit auch füreinander da sein", sagt Urban, der vollstes Verständnis hat, dass der Ball derzeit nicht mehr rollt: "Alles andere wäre unverantwortlich. Aber ich denke positiv: Ich hoffe und glaube, dass all das bald vorbei ist."