Es ist Zeit

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 16. Juni 2019

Oberliga BaWü

Der Sonntag Drei Argumente dafür, dass der Freiburger FC diesmal den Oberliga-Aufstieg schafft.

Zum dritten Mal in Serie steht der Freiburg FC in der letzten Runde der Relegation um den Aufstieg in die Fußball-Oberliga. Gegen den Vizemeister der Verbandsliga Württemberg, den FSV Hollenbach, kämpfen die Dietenbach-Kicker heute, 15 Uhr, gegen den Fluch der vergangenen zwei Jahre. Eine Zuversichtsstudie in drei Akten.

Irgendwann, so weiß es der Volksmund, irgendwann wird jeder abergläubisch. "Aber der Ralf", so scherzt FFC-Torjäger Marco Senftleber, "der ist der Abergläubischste von Allen." Der Ralf heißt mit ganzem Namen Ralf Eckert und ist seit über einem Jahrzehnt Trainer des Freiburger Fußball-Verbandsligisten. Auch dieses Jahr hat er es wieder geschafft und ein Team geformt, das eine überragende Saison hingelegt hat.

Von 90 möglichen Punkten haben sie 74 geholt. Wie immer überzeugte der Kader durch eine ausgewogene Mixtur aus hervorragend ausgebildeten Jungspunden und zielstrebigen alten Hasen. Wie immer stellten sie eine der stärksten Offensiven der Liga – 91 Treffer in 30 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Viel Positives also, wäre da nicht noch eine Art drittes Déjà-vu: Denn wie in den Vorjahren hat es zur Meisterschaft wieder nicht gereicht.

Wie in den vergangenen beiden Jahren nach dem Oberliga-Abstieg 2016 mussten sich die Dietenbach-Kicker am Ende einer starken Saison mit der Vizemeisterschaft zufrieden geben. Vor zwei Jahren war der FC Villingen, vergangenes Jahr der SV Linx, diese Saison der 1. FC Rielasingen-Arlen besser. Letztere holten in der aktuellen Spielzeit genau einen Punkt mehr. Und zwangen den FFC dadurch erneut in die Relegation.

Wie in den beiden Vorjahren hat das Eckert-Team dort die erste Runde gut überstanden: Einem lockeren 2:0-Auswärtserfolg vergangenen Samstag beim Vizemeister der Verbandsliga Nordbaden, dem FV Fortuna Heddesheim, ließen sie unter der Woche einen klaren 5:2-Heimsieg folgen. Vor dem Finalgegner FSV Hollenbach hat Eckert mächtig Respekt. "Die setzen auf eine ähnliche Mischung wie wir", hat er festgestellt.

Nun also zum dritten Mal in Folge zwei Endspiele um den Aufstieg in die Oberliga. "Das dürfte dem Ralf doch als gutes Omen reichen", glaubt Senftleber. Wobei sich der sonst so abergläubische Eckert am späten Donnerstagnachmittag kaum zu Prognosen hinreißen lässt: "Es kommt drauf an, wie fit wir im Kopf sind und wie gut wir mit den Ausfällen umgehen."

Drei FFC-Spieler sind angeschlagen

Denn der klare Heimerfolg am Mittwoch war teuer erkauft. Der Einsatz des angeschlagenen Trios aus Matthis Eggert, Alexander Martinelli und Ivan Novakovic ist extrem fraglich. "Mal sehen, wie viele Körner wir noch haben", grübelt der Übungsleiter. Einer seiner Leistungsträger strahlt da mehr Zuversicht aus: "Die Zeit ist reif", findet Mike Enderle.

Der 29-Jährige befindet sich derzeit in bestechender Form. Im Rückspiel gegen Heddesheim traf der Mittelfeldmotor doppelt. "Die Art und Weise, wie er immer wieder Lösungen kreiert, ist überragend", findet Eckert. Der ehemalige SC-Jugendspieler und frischgebackene Vater hat am Dietenbach seine fußballerische Heimat gefunden: "Das Alles hier ist eine Herzensangelegenheit."

Zurück aber zur Zuversicht. Denn Mut stiftende Vorzeichen gibt es am Dietenbach genug. Erstens wäre da: die Power. Trotz den drei angeschlagenen Spielern kommt der FFC frischer daher als in den beiden Vorjahren. "Kopf und Beine sind top", sagt der Trainer. "Wir sind nochmal besser aufgestellt", findet Enderle, der abgesehen von einem zweimonatigen Intermezzo beim FC Denzlingen seit fünf Jahren im Dietenbachpark aufläuft. Die Rückrunde dieses Jahr war kürzer, der Kader ist breiter.

Nicht zu vernachlässigen, zweitens: Die Abwesenheit von Hochzeiten. Was war die Relegation unglücklich terminiert in den beiden Vorsaisons. Vor zwei Jahren feierte am Vortag des letzten Relegationsspiels gegen Backnang Goalgetter Senftleber seine Hochzeit. Bruder Kevin sowie Trauzeuge und Kapitän Fabian Sutter durften auf der Party selbstredend keine Gefangenen machen. Und letztes Jahr fehlte im letzten Spiel ausgerechnet Offensiv-Wirbelwind Enderle – der Junggesellenabschied eines engen Freundes auf den Balearischen Inseln hatte seit langem festgestanden. Heute allerdings ist weder Hochzeit noch Junggesellenabschied geplant.

Und da alle guten Dinge drei sind, schließlich Komponente drei: die Erfahrung. Dreimal hintereinander ein Relegationsfinale zu spielen, können nicht viele Teams von sich behaupten. "Wir kennen die Situation", sagt Enderle und orakelt: "Wir stehen vor dem Tor, wir müssen nur den Schlüssel finden."

Auch Eckert findet: "Wir sind jetzt schon auch an der Reihe." Während sich der Trainer heuer zurückhaltender gibt als in den Vorjahren, lässt er sich dann aber doch noch entlocken: "Genug Argumente sprechen für uns", findet der 46-Jährige. Mitnichten jedenfalls genug positive Omen für den geneigten Abergläubischen. Für die große Sesam-Öffne-Dich-Aufgabe des Freiburger FC scheint alles gerichtet. Es ist Zeit.