Schuften für die Saison

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 02. August 2020

F-Regionalliga

Die FuSSball-Regionalligisten Bahlinger SC und SC Freiburg II in Zeiten der Pandemie.

Der Ball rollt wieder. Nach einer vierteljährigen Pause aufgrund der Corona-Pandemie trainieren der Bahlinger SC und der SC Freiburg II wieder. Der Respekt vor der kommenden Runde ist groß: Die Liga wurde auf 22 Teams aufgestockt. Die beiden Fußball-Regionalligisten werden einen langen Atem brauchen.

Die neue Ära beginnt tröpfchenweise. Am Mittwochnachmittag hat Christian Preußer, der Trainer der Amateure des SC Freiburg, gerade das Training beendet. "Es ist schon sehr intensiv momentan", sagt der Fußballlehrer. Mehrere Einheiten Technik-, Taktik-, Wettkampf- und Athletiktraining stehen aktuell wöchentlich auf dem Programm. Alles bei mehr als 30 Grad im Schatten. Für die neue Saison fließt der Schweiß bei der U-23-Mannschaft des Sportclubs in Strömen.

"Wie immer haben wir einen großen Umbruch", sagt Preußer. Als Bundesligareserve und Talentschmiede ist das jährliche Wechselspiel bei den Amateuren stets stattlich. Gleich elf Spieler haben den Club verlassen. Ein Mix aus veranlagten Neuzugängen und eigenen Jugendspielern soll die Abgänge kompensieren.

Besonders bemerkenswert: In Jacob Engel (19) und Kiliann Sildillia (18) stehen erstmals zwei U-19-Spieler fest im Kader der U 23. Engel kommt aus der Jugend von Eintracht Frankfurt, Sildillia wechselt vom FC Metz nach Freiburg. Der 18-jährige Torwart Noah Atubolu und der gleichaltrige Innenverteidiger Kenneth Schmidt aus der eigenen Jugend komplettieren das U-19-Quartett. In der mittlerweile fünften Saison trainiert der 36-jährige Preußer das Team. Er prognostiziert: "Wie immer wird es mit dem jungen Team auf den Start ankommen."

In den vergangenen Jahren kam die Bundesligareserve oft nur schwer in die Gänge. Als die Regionalliga Südwest Anfang März nach dem 23. Spieltag abgebrochen wurde, stand Preußers Team auf dem 13. Tabellenplatz. "Bisher arbeiten die Jungs hervorragend", findet der Trainer, der betont, wie wichtig die Vorbereitung dieses Jahr ist: "Eine Saison mit 42 Spielen wird unglaublich herausfordernd." Denn aufgrund des Abbruchs hat das Liga-Präsidium entschieden, dass es keine Absteiger gibt. Die Liga schwillt daher von 18 auf 22 Teams an. Für die Freiburger heißt das: Mehrere englische Wochen, die großer Planungskünste bedürfen: "Wir müssen das Training ganz genau timen, damit wir unseren Anspruch nach individueller Entwicklung der Spieler trotz dieser Belastung erfüllen können."

Beim Ligakonkurrenten Bahlinger SC sind sie froh, dass es sie mit dem Spielplan nicht ganz so schwer getroffen hat. "Wir haben in fast all unseren englischen Wochen Heimspiele, so dass die Runde zu stemmen sein wird", sagt Axel Siefert, der Trainer der Kaiserstühler. Siefert ist froh, dass es wieder losgeht. Erst am gestrigen Samstag empfingen die Bahlinger bei der Mannschaftsvorstellung erstmals wieder Fans. Unter strengen Hygienevorschriften waren bis zu 500 Zuschauer zugelassen. Ein Stückchen Normalität im Kaiserstuhlstadion (die Veranstaltung fand erst nach Redaktionsschluss statt). Siefert ist guter Dinge, dass sein Team auch in der zweiten Saison nach dem Regionalligaaufstieg 2019 eine gute Rolle spielen kann. "Wir sind jetzt breiter aufgestellt und werden auch auf Ausfälle reagieren können." Die vergangene Spielzeit beendeten die Bahlinger auf einem ordentlichen elften Platz. "Den wollen wir bestätigen", sagt Siefert.

Yiber Lokaj kommt vom FC Basel, vom Freiburger FC wechselt Ivan Novakovic zum BSC. Hinzu kommen Nico Gutjahr (SSV Ulm) und Manolo Rodas (Kickers Offenbach). Besonders angetan ist der BSC-Coach vom 23-jährigen Deutsch-Ecuadorianer Rodas: "Er ist mental und physisch eine echte Verstärkung."

Sorgen bereitet daher momentan eigentlich nur die Pandemie. Wobei "nur" wohl der falsche Begriff ist. Welche Probleme aufgrund der aktuellen Lage auf die südbadischen Regionalliga-Teams zukommen könnten, zeigt der Fall des Oberligisten FC 08 Villingen. Nachdem zwei Spieler des Teams positiv auf Corona getestet worden waren, schickte das Gesundheitsamt 19 Fußballer in zweiwöchige Quarantäne. "So etwas wäre natürlich die Vollkatastrophe", sagt BSC-Trainer Siefert. In der Regionalliga stehen sie vor einer außergewöhnlichen Saison.