"Fast schon beängstigend gut"

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Di, 28. Juli 2020

Skilanglauf

Fünf Skilangläufer aus Kirchzarten, Schluchsee und Hinterzarten haben den Sprung in den jüngsten Nachwuchskader des Deutschen Skiverbands geschafft.

Der kommende Winter scheint noch weit entfernt. Doch die jungen Skilangläufer im Schwarzwald, die heiß auf den sportlichen Vergleich sind, bremst das nicht in ihrem Eifer – Hochsommer hin oder her. Zu ihrer Motivation trägt auch bei, dass es diesmal gleich fünf Talente des Skiverbands Schwarzwald (SVS) in den "NK 2", den jüngsten Nachwuchskader des Deutschen Skiverbands geschafft haben.

. Es ist die Folge ihrer guten individuellen Leistungen im vergangenen Winter, die gleichzeitig die erfolgreiche Nachwuchsarbeit in den Vereinen, im SVS und in den Skiverbänden Baden-Württemberg (SBW) belegen. In der Altersklasse der männlichen U 16 bestimmten Jakob Horlacher (SV Kirchzarten), Luca Wehrle (SC Hinterzarten) und Luis Braun (WSG Schluchsee) das Niveau auf nationaler Ebene mit. Jetzt treffen die beiden 15-jährigen Hochschwarzwälder und der 16-jährige Horlacher im NK 2 auf den 17-jährigen Matteo Lewe (SV Kirchzarten), der schon im vergangenen Winter dem D/C-Kader angehörte. Dieser wurde inzwischen Sportarten-übergreifend in NK 2 umbenannt. Das Kirchzartener Trio komplettiert die 17-jährige Emily Weiss, die den Sprung aus dem baden-württembergischen Landeskader in den DSV-Kader in ihrer ersten U-18-Saison schaffte. Mit der 16-jährigen Schwäbin Lena Mettang (WSV Mehrstetten) steigt die Zahl der SBW-Langläufer und -läuferinnen im Nachwuchskader 2 auf sechs von insgesamt 30.

Die Vorteile dieser Kaderzugehörigkeit werden im kommenden Winter allerdings weniger stark ins Gewicht fallen als in der Vergangenheit. Denn die Zahl der DSV-Lehrgänge für den NK 2 wurde aus Kostengründen von zuletzt vier auf einen reduziert. Weil der im Oktober erneut am Notschrei stattfinden wird, darf auch der baden-württembergische Landeskader (NK 3) daran teilnehmen, berichtet Dieter Notz. Der SBW-Landestrainer weiß auch, dass der leitende Disziplintrainer Jens Filbrich sehr gern am Notschrei trainiert, weil der frühere Medaillengewinner bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gute Erinnerungen an Trainingsaufenthalte und Wettkämpfe im Schwarzwald hat. Matteo Lewe bedauert, dass es im kommenden Winter nur einen Lehrgang mit der nationalen Konkurrenz geben wird. Das Ziel, sich auch im zweiten Jahr in der U 18 im DSV-Kader zu behaupten, hat er locker erreicht. Jetzt geht es darum, sich in den Wettkämpfen auf nationaler und internationaler Ebene für den Juniorenkader – früher C-Kader, jetzt NK 1 – zu empfehlen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg wäre die Qualifikation für das Europäische Olympische Jugendfestival EYOF im kommenden Februar im finnischen Vuokatti.

Matteo Lewes Jahrgang 2003 "ist sehr stark und Matteo auch", sagt Notz. Der Kirchzartener habe in seinem Jahrgang das Niveau mitbestimmt, etwa im Qualifikationsrennen für den Continentalcup (COC) – und das trotz wachstumsbedingter Knieprobleme. Der 17-Jährige sei in beiden Stilarten, klassisch und in der Skatingtechnik, "ausgeglichen und solide", sagt der Landestrainer. Lewe selbst sagt, er müsse noch an seiner Kraft arbeiten, was gerade in einem "Intensiv-Kraftblock" passiere. "Matteo ist der perfekte Allrounder", sagen gleich mehrere SBW-Kollegen über den Blondschopf mit den langen Beinen.

Seine gleichaltrige Vereinskameradin Emily Weiss hat sich laut Notz "gut entwickelt", auch dank ihres Fleißes. Sie sei "auf Ski und Roller stärker als zu Fuß." Im Sprint seien ihre Fortschritte "sehr erfreulich". "Ich mag Sprint gerne", bestätigt die Kirchzartenerin, und seit der vergangenen Saison liege ihr dieser Wettkampf auch ganz gut. Das Taktieren auf den kurzen Runden ist ihrer Beobachtung nach bei den Langläuferinnen nicht so stark ausgeprägt wie bei den Jungs. Emily Weiss mag beide Stilarten, in den Distanzrennen zieht sie das Skaten vor.

"Ich bin ein

reinrassiger Sprinter."

Luca Wehrle über sein Können
Sie hatte "schon drauf spekuliert", dass es in ihrem zweiten U-18-Jahr mit dem NK-2-Kader klappt, verrät sie lächelnd. Die EYOF-Teilnahme als Saisonhöhepunkt "wäre cool", aber unter Druck setzen möchte sie sich deshalb nicht.

Jakob Horlacher ist der dritte Kirchzartener im DSV-Kader der U 18. Der 16-Jährige gehört dem jüngeren Jahrgang der U 18 an. "Vom Training an sich ändert sich kaum was", sagt er – die Trainingspläne kämen ja weiterhin vom Landestrainer, nicht von Filbrich. Er will seinen Kaderstatus behaupten, dafür strebt er in den Rennen konstante Top-Ten-Platzierungen innerhalb seines Jahrgangs 2004 an. Seine besten Ergebnisse erzielte er bisher in der Skatingtechnik. Herausragendes Beispiel die deutsche Meisterschaft im Februar in Oberstdorf, als Horlacher gemeinsam mit Luca Wehrle Deutscher Meister der U 16 im Teamsprint wurde. "Er macht seine Sache gut", sagt Dieter Notz, der gleichwohl Verbesserungspotenzial sieht: "Die Amplitude ist noch zu kurz." Also gilt es an der Schrittlänge zu arbeiten.

Die Frage nach der liebsten Disziplin im Langlauf stellt sich für Luca Wehrle gar nicht: "Ich bin ein reinrassiger Sprinter", sagt der Hinterzartener mit breitem Grinsen. Ende Januar, ebenfalls in Oberstdorf, war er zum deutschen Meistertitel der U 16 gestürmt. Auch in der Skatingtechnik, doch der noch 15-Jährige mag im Sprint beide Stilarten "und die Abwechslung macht Spaß". Wehrles Stärke "ist eindeutig der Sprint", bestätigt Notz. Mit seinem dynamischen Antritt könne der Hochschwarzwälder aber auch in einem Massenstartrennen den Pulk sprengen und davonziehen. "Ein Rohdiamant mit Ecken und Kanten" ist Luis Braun für den Landestrainer, der seinen großen Fleiß lobt. "Er muss noch reifen" – keine erstaunliche Ansage, wird das Nachwuchstalent der WSG Schluchsee doch im August erst 16. Zum kommenden Schuljahr wechselt er ans Ski-Internat Furtwangen (SKIF). Ihm fehle es noch ein bisschen an Kraft, sagt Braun selbst. Seine Stärken sieht er auf der "Langstrecke" und im Crosslauf, bevorzugte Stilart, vor allem am Berg, ist das Skaten. Dass er sich für das EYOF qualifizieren kann, hält Luis Braun für "unwahrscheinlich". Seinen Fokus will er deshalb auf die Deutschlandpokal-Wettbewerbe und die DM richten.

"Ehrgeizig sind sie alle", sagt Dieter Notz über das Quintett. Den derzeitigen Trainingszustand der Fünf nennt er "fast schon beängstigend gut", denn "wir müssen ja im Winter gut sein". Weil im April wegen Corona keine Schule war, trainierten die jungen Langläufer in der eigentlichen Regenerationsphase nach der Saison für sich allein und wesentlich mehr als üblich. Deshalb wird der Landestrainer ihnen im Sommer wohl mal ein paar Tage Urlaub verordnen, "sonst nimmt sich der Körper die Auszeit vermutlich im Winter". Und da wollen Luis Braun, Jakob Horlacher, Matteo Lewe, Luca Wehrle und Emily Weiss unbedingt voll auf der Höhe des Geschehens sein.