Schweiz

Der FC Basel schwimmt wieder auf der Erfolgswelle

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 15. Dezember 2019 um 16:50 Uhr

FC Basel

Der Sonntag Nach zwei Jahren ohne Titel hoffen die Verantwortlichen des Schweizer Traditionsvereins, dass sie auch die zweite Saisonhälfte erfolgreich gestalten können.

Hochtrabende Wünsche hat Marcel Koller nicht für Weihnachten. "Feines Essen und Gesundheit", sagt der Cheftrainer des FC Basel am frühen Freitagnachmittag. Der 59-Jährige ist derzeit guter Dinge. Mit seinen Nordschweizern spielt er eine starke Saison. "Wir sind in allen Wettbewerben noch dabei", freut sich der ehemalige Schweizer Nationalspieler.

Am Donnerstag hat sich sein Team durch den 2:0-Heimerfolg über den türkischen Topclub Trabzonspor den Gruppensieg in der Europa League gesichert. "Und damit den Punkte-Rekord von Urs Fischer egalisiert", wie sich Koller freut. Unter Fischer hatte Basel einst zwölf Punkte in der Vorrunde geholt. Unter Koller gelangen heuer 13 Zähler. Und das in einer starken Gruppe. FK Krasnodar steht in der russischen Liga auf dem zweiten Platz, der FC Getafe ist in Spanien starker Fünfter, Trabzonspor Dritter in der Türkei.

Die Stimmung war denn auch ausgelassen nach dem Sieg. "Wir sind überglücklich", freute sich Kapitän und Torschütze Valentin Stocker. Der andere Torschütze, Silvan Widmer, lobte: "Das war ein souveräner und verdienter 2:0-Sieg." Die Freude fällt derzeit wohl auch deswegen so ausgeprägt aus, weil Basel auf zwei schlechte Jahre zurückblickt.

Beim Abonnementmeister der vergangenen 15 Jahre haben zwei Spielzeiten ohne Titel am Gemüt genagt. Bereits nach dem ersten Spieltag entließen sie vor einem Jahr den noch zuvor stark gefeierten Rafael Wicky. Auch unter Neu-Trainer Marcel Koller gelang die Stabilisierung nur schleppend. Im September vergangenes Jahr deklassierte Bern die Basler mit 7:1. Im Anschluss gelang es dem FCB zumindest die Talfahrt zu stoppen. Trotz starker Rückrunde aber verließ Sportchef Marco Streller vor der aktuellen Saison die Blau-Roten. Die Boulevard-Zeitungen sprachen von starken Verstimmungen in der Führungsriege. Im St. Jakob-Park wollte einfach keine Ruhe einkehren.

Vom damaligen Chaos haben sie sich mittlerweile deutlich entfernt. Der wenig spektakuläre, aber nie gefährdete Erfolg über den Drittplatzierten der türkischen Bel-Etage war ein wenig ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Am Rhein glänzen sie derzeit durch Schlichtheit und Effektivität. Kein Brimborium, dafür aber eine starke Punkteausbeute.

"Wir stehen hinten stabil", freut sich Koller: "Auf die Defensive hatten wir das Augenmerk gelegt." Gerade einmal 15 Tore haben sie in der Liga zugelassen – zehn weniger als Spitzenreiter und Hauptkonkurrent Bern.

Offensiv stellen sie sich ebenfalls gut an. 40 Tore in der Liga und zwölf in der Europa League sind Spitzenwerte. Kemal Ademi hat in der Liga bereits achtmal getroffen, Cabral Arthur siebenmal. "Aber das hängt natürlich auch immer von der Ausrichtung des Gegners ab", wie Koller gesteht, der durchaus noch Verbesserungsbedarf ausgemacht hat: "Bei den Bewegungsabläufen und Laufwegen nach vorne wollen wir in der Pause ansetzen."

Apropos Pause. In Bezug auf die knapp einmonatige Winterpause sind sie beim FCB ambivalenter Dinge. Einerseits freuen sie sich, endlich wieder zu einigen Trainingseinheiten am Stück zu kommen. Durch die Dreifachbelastung aus Pokal, europäischem Wettbewerb und Meisterschaft konnten die Nordschweizer zuletzt kaum trainieren. Koller: "Die englischen Wochen sind von Spielen und der Regeneration geprägt. Dadurch ist ein normaler Trainingsbetrieb mit der ganzen Mannschaft praktisch nicht mehr möglich – das ist für die Vorbereitung natürlich nicht optimal."

Andererseits aber droht die Pause den aktuellen Lauf zu bremsen. Vor zwei Wochen schlugen sie zu Hause Hauptkonkurrent Young Boys Bern mit 3:0, eine Woche später schickten sie den Siebten FC Sion mit 4:0 auf die Heimreise. Und am Donnerstag gelang der bereits erwähnte Gruppensieg in der Europa League. Kein Wunder, dass sie da hoffen, dass sie auch das letzte Spiel des Jahres – heute beim Tabellenachten FC Luzern ab 16 Uhr – erfolgreich bestreiten. Auf Marcel Kollers Weihnachts-Wunschliste wäre das wohl der dritte Punkt: Der saftige Weihnachtsbraten würde dann gleich doppelt so gut schmecken.