Landesliga

FC Neustadt spielt auf tiefem Rasen lange Bälle statt Tiki-Taka – und ist erfolgreich

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 22. November 2021 um 17:28 Uhr

Landesliga Staffel 3

Fußball-Landesligist FC Neustadt zeigt über 90 Minuten "klare und seriöse Vorstellung". "Riesenglück für uns", sagt der Löffinger Trainer Jörg Klausmann nach dem Spielabbruch aufgrund des Nebels.

Die gute Phase in einem Spiel mal über mehr als eine Stunde konservieren, das hatten die Trainer des Fußball-Landesligisten FC Neustadt zuletzt gefordert – die Mannschaft lieferte prompt: "Das war über 90 Minuten eine ganz klare und seriöse Vorstellung", sagt Ranil Weerakkody nach dem 3:0-Sieg der Blauen in Bad Dürrheim, "wir haben hinten fast nichts zugelassen und waren vorne sehr effizient". Es ist die Königsdisziplin in Mannschafts-Sportarten, selbst den Besten gelingt es nur gelegentlich: Auf einem konstant hohen Level von Anfang bis zum Ende durchzuspielen und – natürlich – erfolgreich zu sein.

Die äußeren Bedingungen war nicht ideal, der Rasenplatz in Bad Dürrheim war tief und schwer bespielbar. "Keiner weiß, warum wir auf dem Rasen und nicht auf dem Kunstrasen gespielt haben", sagt Weerakkody, der den FC Neustadt zusammen mit Florian Heitzmann coacht. Beide Mannschaften passten ihre Spielweise dem schweren Geläuf an: schnörkellos, körperbetont, lange Bälle statt Tiki-Taka-Zauberei auf engstem Raum. Die Dürrheimer zeigten einen guten Spielaufbau, der große Unterschied offenbarte sich im letzten Drittel: Während sich der FC Neustadt allerbeste Einschussmöglichkeiten herausspielte, tat sich der Gegner in vorderster Linie schwer. Oder anders herum betrachtet: Während die Neustädter Abwehr fast alles wegverteidigte, war das Defensivnetz auf der Seite gegenüber nicht so dicht gesponnen und die Blauen fanden immer wieder Räume, in die sie vorstoßen konnten. Das frühe 1:0 von Niklas Eckert (4.) fiel zwar nach einer Standardsituation, doch wenig später hatte Tobias Gutscher eine Hundertprozentige aus dem Spiel heraus. "Da waren richtig gute Spielzüge dabei", findet Weerakkody, dem schlechten Platzverhältnissen zum Trotz.

Bei einem Zweikampf in der ersten Halbzeit wurde der Dürrheimer Mike Tabler auf der linken Seite von Pjetar Orosaj gefoult – in oder außerhalb des Strafraums, das war die Frage. Der Schiedsrichter entschied auf außerhalb und gab Freistoß. "Das Foul war außerhalb des Strafraums. Es hat sich ja auch niemand beschwert, das zeigt, dass die Schiedsrichterentscheidung richtig war", sagt Weerakkody.

Mann des Spiels war dieses Mal Thomas Fischer, der das 2:0 und 3:0 für den FC Neustadt erzielte. "Wir wissen, dass er sehr gute Fähigkeiten hat, dass er das kann", sagte Weerakkody, "er hatte lange immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Jetzt ist er seit sechs Wochen beschwerdefrei und befindet sich auf einem sehr guten Niveau".

Ein skurriles Fußballspiel, das aufgrund des starken Nebels nach 45 Minuten nicht mehr angepfiffen wurde, klang abends feierlich aus. Der Löffinger Innenverteidiger Marco Schwirtz feierte seinen 30. Geburtstag. "Das war ein sehr schöner Kameradschaftsabend", findet Jörg Klausmann, "wir haben auch ein paar Dinge für die Zukunft geklärt". Denn die Zukunft der Roten ist aufgrund des Tabellenstandes ungewiss: "Wir kriegen das nur hin, wenn alle in der Winterpause und in der Vorbereitung an sich arbeiten und fit sind", prophezeit der Trainer des FC Löffingen.

Klausmann erlebte das dritte Gegentor des FC Löffingen im Landesligaspiel gegen die SG Dettingen-Dingelsdorf so: "Irgendeiner schrie im Nebel Tor, gesehen habe ich es nicht." Die Entscheidung, das Spiel abzubrechen, war unumgänglich, weil man nicht mehr von Tor zu Tor sehen konnte. Zu dem Zeitpunkt lag der FC Löffingen 0:3 zurück. Die Rothosen hatten nach gutem Beginn und einigen Chancen – "wir waren die bessere Mannschaft" – nach den ersten Rückschlägen erneut die Köpfe hängen lassen. "Es ist einfach krass, wie einfach wir Gegentore kriegen", sagt der Trainer, "es ist ein Riesenglück für uns, dass dieses Spiel wiederholt wird". Termin ist der 8. Dezember. Zuvor, an diesem Mittwoch (19.30 Uhr), bestreitet der FC Löffingen das Nachholspiel bei F.A.L. "Das ist das schönste Spiel des Jahres, früher Treffpunkt, lange Anfahrt", witzelt Klausmann, "da sind wir sowas von Außenseiter, da können befreit aufspielen".