Feuer am Kilimandscharo lodert weiter

dpa

Von dpa

Do, 15. Oktober 2020

Panorama

Afrikas höchster Berg brennt seit Tagen an einer Flanke / Löschversuche haben bisher nur wenig Erfolg / Bergtourismus geht weiter.

Mit einfachsten Mitteln geht an Afrikas höchstem Berg der Kampf gegen die seit vier Tagen lodernden Flammen unvermindert weiter. An der Südflanke des Kilimandscharo versuchten am Mittwoch rund 500 Feuerwehrleute und Helfer mit Hacken und Ästen Brandschneisen zu schlagen. Der Großbrand war laut Tansanias Nationalpark-Behörde Tanapa auf knapp 3000 Metern Höhe aus noch ungeklärter Ursache ausgebrochen. Die Höhe und der teilweise nur schwer erreichbare Brandherd gestalten die Löscharbeiten schwierig.

Tourismusminister Hamisi Kigwangalla rief bei einer Inspektion vor Ort zu verstärkten Anstrengungen auf, um den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen. Der lange Aufstieg zum Brandherd ist beschwerlich und die gesamte Ausrüstung muss mitgeschleppt werden. Tanapa-Chef Allan Kijazi, der den Minister vor Ort informierte, hatte noch am Vorabend erklärt: "Es ist uns aber gelungen, in großen Gebieten das Feuer einzugrenzen." Allerdings gab er zu, dass die Flammen an schwierig zu erreichenden neuen Flächen unvermindert weiter wüteten. Unterdessen gab es erste Hoffnung auf Regen, nachdem es in dem am Fuße des Berges gelegenen Ort Moshi einige wenige Niederschläge gab.

Da nur die Südflanke des Kilimandscharos betroffen ist, wurde der nach den Corona-Beschränkungen schleppend wieder anlaufende Bergtourismus über andere Routen umgeleitet. Weiterhin seien Bergsteiger im Gebirgsmassiv unterwegs zum Gipfel des Kilimandscharo, hatte Tanapa-Sprecher Pascal Shelutete bestätigt.

Ein Tour-Organisator berichtete von einem Fall, bei dem ein bereits als gelöscht geltendes Feuer im Gebiet um Horombo zurückkehrte. Dort bemerkten Anwohner am Mittwoch auch eine starke Rauchentwicklung. Unklar blieb, ob dabei auch die dort befindlichen Hütten Opfer der Flammen wurden.

Eine Gruppe deutscher, Schweizer und österreichischer Bergsteiger berichtete aus dem in rund 3900 Metern Höhe gelegenen Shira Camp 2, oberhalb der dichten Qualmwolken sei der Blick am Mittwochmorgen weitgehend frei gewesen. Die Wolken waren bei der Ankunft der Gruppe am Vorabend noch im Hintergrund zu sehen. Die Gruppe hatte ihren Aufstieg über eine ihnen als ungefährlich ausgewiesene Route angetreten. Sie berichtete am Abend über Aschepartikel selbst noch im 4600 Meter hohen Lava Tower Camp.

Zuletzt hatte es im Oktober 2016 am Kilimandscharo gebrannt. Der deutsche Biologe Andreas Hemp, der seit mehr als drei Jahrzehnten die Veränderungen im empfindlichen Kilimandscharo-Biotop erforscht, hat eine Zunahme von Bränden dort beobachtet. Er führt das unter anderem auf den Klimawandel zurück. "Es ist typisch für die ostafrikanische Berglandschaft, dass Heidezonen als Bindeglied zwischen dem Regenwald und der felsigen Gebirgszone existieren", sagte er. Das hat unter anderem Einfluss auf den Wasserhaushalt am Berg, da die Erikapflanzen mit ihren Blättern die Nebelfeuchtigkeit auffangen und dem Grundwasser zuführen können. "Sie haben aber die Eigenschaft, dass sie sehr leicht brennen – und wenn es da mal brennt, kann man kaum noch löschen," so Hemp.

Seine Forschungen hätten ergeben, dass sich die Waldgrenze am Kilimandscharo seit 1976 um rund 800 Meter nach unten verschoben hat. Beim aktuellen Feuer setzt er auf ein Einsetzen der Regenzeit. "Wir stehen am Ende der Trockenzeit, da könnte einsetzender Regen helfen, das Feuer zu löschen. Auch Schluchten oder ausgetrocknete Flussläufe könnten es stoppen." In der rund 450 Kilometer entfernten Küstenstadt Daressalam, wo er sich gerade aufhalte, regne es bereits heftig.

Der Kilimandscharo mit seinen 5895 Metern Höhe gilt nicht nur als Afrikas höchster Berg, sondern auch als Tansanias Wahrzeichen.