Flow über die Feiertage

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 20. Dezember 2020

USC Eisvögel

Den basketballerinnen der USC-Eisvögel stehen drei Spiele bevor.

Die Bundesliga-Basketballerinnen des USC Freiburg sind überraschend gut in die Saison gestartet. Nun stehen die Eisvögel vor einer Weihnachtszeit voller Punktspiele. Die Wurfkünstlerinnen hoffen, dass sie über die Feiertage ihren Flow behalten.

War alles nur Understatement? Egal welche Spielerin oder Trainerin der Eisvögel man im Sommer fragte, mit welchen Erwartungen man in die kommende Saison ginge, man bekam stets dieselbe Antwort: Die Saison wird verdammt schwer. Mit einer ausländischen Profispielerin weniger als in den Jahren zuvor, könne es nur um den Klassenerhalt gehen. Das Gros der Spielerinnen sei im Schnitt kaum volljährig. Vor dem Saisonstart stapelten die Eisvögel tief.

Davon ist nach einem Fünftel der regulären Spielzeit wenig zu sehen. Die Basketballerinnen des USC Freiburg haben einen Saisonstart nach Maß hingelegt. Gegen Rekordmeister Wasserburg unterlagen die Eisvögel zum Auftakt, danach sammelten sie vier Siege in Folge und verloren zuletzt erst unter der Woche wieder. Im Nachholspiel gegen Nördlingen hatten sie mit 76:86 das Nachsehen. Macht umgerechnet Tabellenrang drei. Das Schreckgespenst Abstiegskampf ist weit und breit nicht zu erkennen.

Die Sorgen des Sommers scheinen vergessen

Und auf einmal scheinen all die Sorgen aus dem Sommer vergessen. Zum Beispiel, dass der Verein damals Alarm schlug, weil aufgrund der Pandemie Sponsorengelder im sechsstelligen Bereich auszufallen drohten. Die Serie von zuletzt vier Siegen in Folge hat dem Corona-Sommer-Blues ein Herbst-Winter-Hoch folgen lassen.

"Das war im Sommer keine Tiefstapelei, sondern eine ehrliche Erwartungshaltung. Auf dem Papier haben wir den schwächsten Kader", sagt Trainerin Hanna Ballhaus am Dienstagnachmittag. Sie hat drei Gründe für den gelungenen Start ausgemacht.

An erster Stelle stehe der Fleiß des Teams: "Die Spielerinnen arbeiten hervorragend", findet die 38-Jährige, die sich das Traineramt mit ihrer Partnerin Isabel Fernandez teilt. Besonders bemerkenswert: "Die Spielerinnen wollen die ganze Zeit Feedback, wie sie sich weiter verbessern können. Das haben wir in diesem Ausmaß noch nicht erlebt." Einen zweiten Grund für den gelungen Start sieht Ballhaus darin, dass die Eisvögel mit ihren deutschen Spielerinnen den Sommer über durchtrainiert haben. Während die Konkurrenz noch die kommende Spielzeit plante, arbeiteten Fernandez und Ballhaus mit ihren jungen Deutschen an Details. Wurf, Technik, Defense – in der Unihalle schob man im Sommer Überstunden. Das haben die Breisgauerinnen jetzt der Konkurrenz voraus. Und zum Dritten wäre da schließlich noch die klare Rollenverteilung. Die zuletzt besonders überzeugende Aufbauspielerin Pauline Mayer sagt: "Im Moment weiß jede bei uns, welche Rolle sie hat, wo ihre Stärken liegen und was sie machen muss."

Im Grunde aber ist die Rechnung im Moment auch ziemlich einfach. Was daran liegt, dass in der Offensive vor allem Neuzugang und Liga-Topscorerin Daneesha Provo punktet. Unglaubliche 27 Punkte macht Provo derzeit im Schnitt, mehrmals markierte sie über 30 Zähler. Absoluter Spitzenwert in der Liga. "Es ist schon absurd, wie viel sie punktet", sagt Ballhaus.

Das restliche Team teilt sich die Defensivaufgaben. Unterm Korb beispielsweise sorgt Emily Kapitza für viele Rebounds. Über sieben Mal greift sie pro Partie Fehlwürfe ab. Pauline Mayer holt zwei Steals pro Spiel und verteilt vier Assists – alles Topwerte.

Der USC hat drei schwere Spiele vor sich

Der gute Saisonstart hat die Eisvögel auch den verfrühten Abgang von Paloma Gonzales Vazquez verkraften lassen. Aufgrund persönlicher Probleme verließ die Spanierin den USC bereits nach wenigen Wochen wieder. Ihr Ersatz, Dominique Toussaint, fügt sich indes immer besser ein: "Sie macht große Fortschritte", findet Ballhaus. Und auch die dritte Profispielerin, Cassidy Boensch, präsentiert sich immer stärker. Ballhaus: "Sie hilft uns mittlerweile sehr."

Der Spielplan aber meint es nicht gut mit den Basketballerinnen. Für die Eisvögel werden es turbulente Feiertage. Am 23. (daheim gegen Keltern), 27. (in Osnabrück) und 30. (daheim gegen Hannover) Dezember müssen die Freiburgerinnen ran. "Jeweils gegen Teams von oben", wie Aufbauspielerin Mayer bemerkt. Dass man da die Familie kaum sehe, sei nicht weiter tragisch, findet die 19-Jährige.

Ballhaus betont, dass nun die schweren Spiele anstünden. Dabei wird sich zeigen, wie gut die Basketballerinnen dieses Jahr tatsächlich sind. Gelingt nach dem bemerkenswerten Start auch eine bemerkenswerte Saison? Die Eisvögel hoffen es.