Die Grenzgänger

FOLK: Hölderlin, der Liedermacher

René Zipperlen

Von René Zipperlen

Di, 21. April 2020

Rock & Pop

Welch ein Refrain: "Den Gott in uns, den macht ihr zum Skandale / Und setzt den Wurm zum König über ihn." Klingt nach Konstantin Wecker, ist aber ein Song des vor 250 Jahren geborenen schwäbischen Dichters Friedrich Hölderlin. Genauer: als Klezmer-Tango eine von 14 Vertonungen seiner Gedichte der preisgekrönten Grenzgänger. Die in vielen Stilen fitte Truppe um Michael Zachcial ist ein Expertenteam für politisches Liedgut von 1848 bis 1918. Nun also Hölderlins Gesänge von Sehnsucht nach Liebe und Freiheit. Geschmeidig packt Zachcial die komplexen Verse in einprägsame Melodien. Das "Wohin denn ich?" aus der "Abendphantasie" ist ein echter Ohrwurm. Von dessen Country-Swing geht es über Soul, Tango und Jazz bis zum Akustik-Hop. Die Deutschenkritik aus dem "Hyperion"-Roman beginnt als Karibikschlager, wird ätzender Sprechgesang. Mit klugem Booklet einer der schönsten Einstiege in ein als sperrig geltendes Werk.

Die Grenzgänger: Hölderlin (
Broken Silence).