FRAGEN SIE NUR!: Eine Frage des Stils

Thomas Goebel

Von Thomas Goebel

Sa, 09. Januar 2021

Fragen Sie nur

Warum haben hiesige Häuser fast immer ein Giebeldach, fast nie ein Flachdach?

"Das Sattel- oder Giebeldach ist in unseren Regionen seit langem eine funktionale Dachform, die vor allem gut den Regen abhält", sagt Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie an der Uni Kassel und ehemaliger Leiter der Stiftung Bauhaus Dessau. In regen- und schneereichen Gegenden seien deshalb oft auch große Dachüberstände zu beobachten, etwa bei traditionellen Schwarzwaldhäusern. Durch technische Innovationen seien vor über 100 Jahren auch regendichte flache Dächer möglich geworden. In der modernen Architektur habe das Flachdach als "inszenierter Stilbruch" eine besondere Bedeutung bekommen, sagt Oswalt: In der Weimarer Republik waren Dachformen ideologisch stark aufgeladen, weil sie eine Entscheidung für Tradition oder Moderne bedeuteten. Diese Auseinandersetzung wirke nach. Teilweise schreiben sogar kommunale Gestaltungssatzungen Giebeldächer vor. "Eigentlich können wir das heute aber ganz entspannt sehen", sagt Philipp Oswalt, "wir können gute Flach- und Satteldächer bauen, auch weitere Formen".

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