FRAGEN SIE NUR!: Frecher Besuch aus dem Mai

Katharina Meyer

Von Katharina Meyer

Sa, 10. Oktober 2020

Fragen Sie nur

Ein Leser hat Ende September einen Maikäfer im Kaiserstuhl entdeckt. Hat dieser sich in der Zeit geirrt?

Maikäfer krabbeln im Mai herum, Junikäfer im Juni. In den meisten Jahren stimmt das auch recht genau. Wie ist also der Fund eines Maikäfers im September zu erklären? "Das ist eine Frechheit, dass der jetzt auftaucht, als Maikäfer", sagt der Freiburger Evolutionsbiologe Volker Nehring und lacht. Etwas ungewöhnlich sei das schon, um diese Jahreszeit einen Maikäfer zu finden. Aber nicht, weil es sie nicht gibt: Maikäfer leben drei bis vier Jahre als Larven im Boden. Dann verpuppen sich die sogenannten Engerlinge und schlüpfen einige Wochen später als fertige Käfer. "Normalerweise bleiben sie aber im Boden", sagt Nehring. Erst im Frühjahr, wenn es warm genug ist, kommen sie rausgekrochen. Dann fressen sie sich satt und paaren sich. Das Leben über der Erde ist für die Maikäfer recht kurz: Die Männchen sterben nach der Begattung, die Weibchen legen ihre Eier und sterben ebenfalls bald. "Ein längeres Leben hätte evolutionär keinen Effekt mehr, das wäre nicht wirtschaftlich", erklärt Nehring. Warum der entdeckte Maikäfer schon vor seinem Frühjahrshoch hervorkroch – das werden wir leider nie erfahren.

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