Frauen feiern (fast) ganz ohne Männer

Werner Schnabl

Von Werner Schnabl

Mo, 17. Februar 2020

Kenzingen

Bis nach Mitternacht unterhalten die Damen des katholischen Frauenbundes Bombach.

KENZINGEN-BOMBACH. Ein Dorf stand Kopf und das am Valentinstag, als der katholische Frauenbund zum diesjährigen Fasnetstreiben einlud. Die Damen ließen es im Krone-Saal richtig krachen. Es war ein Abend der närrischen Superlative, bei dem Discjockey Hanne Röderer der Hahn im Korb war.

Das Trio Kurioso mit Nicole Rieger, Eva Maier und Simone Grafmüller, allesamt mit Staubwedeln bewaffnet, warnte schon mal vor. "Mir gän hit richtig Gas!". Dem Motto frönten die Besucherinnen bis weit nach Mitternacht. Das Vorwort zum Samstag sprach Vorstandsmitglied Petra Fuchs. Die Betriebstemperatur stieg als "Irmi", besser bekannt unter ihrem bürgerlichen Pseudonym Irmgard Sander-Schmidt, von ihrem schwäbischen "Ebis" kalauerte.

Furios dann der Auftritt eines Tenorquartetts, allerdings mit sopranistischer Stimmlage und verdächtig großzügiger Oberweite. Im Kanon kam das swingende Bekenntnis "Wir brechen die Herzen der Bombacher Frauen" mächtig an. Und es kam noch verfänglicher. Hände hoch und Hose runter. Nackte Tatsachen hinter der Klaviatur bei bester Feierlaune. "O sole mio" verstand das Publikum als "Wo soll’s hi go?" Und wieder waren die Lacher auf ihrer Seite. Folgerichtig der Refrain: "…nach Bombach in Krone".

Tratsch und Klatsch auf der Bühne ein quasseliges Putzgeschwader, das aber auch an jedem Fussel etwas auszusetzen hatten. Zimperlich gingen sie keineswegs zu Werke. Putzen statt Yoga, orakelten die Einen, während die Anderen mit dem Mob gemobbt wurden. Gertrud und Karl Eugen, alias Karin Dürr und Marion Weckel mobbten sich lieber gegenseitig. Man beschenke Leute, die man liebt, denen man gutes tun möchte. Der senile Angetraute verstand nicht ganz, immerhin ihm fiel niemand ein, so sein Geständnis. Vor einer weiteren Tanzrunde klingelte das Telefon zur unchristlichen Zeit mit einer christlichen Umfrage. Die Kirche würde zu viel Glauben kassieren. Die Anbieterin offerierte einen idealen Frömmigkeits-Discount-Tarif zum halben Preis mit einer huldigenden Flatrate. Diese Glaubensfrage blieb unbeantwortet – vorher lag der Hörer auf der Gabel.

Musisch amüsant gestaltete sich der zweite Teil. Das Vorstandsteam widmete sich den kleinen Dingen. Als betagte Omas waren sie der Meinung, der Minirock sei für jedes Alter tragbar, Pobacken und Bauchansätze inklusive. Eine halbe Armada "Wälderfraue" stürmte plötzlich und gemächlich in den brodelnden Saal. Sie wollten in ihrer Tanzeinlage einfach nur die Seele baumeln lassen. Ein hoffnungsloses Unterfangen bei der geballten weiblichen Dynamik. Die Närrinnen im Saal tobten unentwegt, auch als gleich zwei Schlagerfestivals präsentiert wurden. Zuerst hatten die Schlagertanten Mikrofongewalt, die alte Kamellen ausgruben. Im Anschluss schmissen die Musikermaidli ihre Jukebox an. Von Maria Hellwig, über Elvis Presley bis zu Boney M. und Heino klang alles irgendwie eigenartig aber authentisch.

Statt "Ausmarsch bitte" sorgte das bewährte Eingangs-Dreigestirn auch für den Abspann. Bei "Wer hat an der Uhr gedreht" war es bereits weit nach Mitternacht. Zustimmung und Applaus für das Programm gab es von allen Seiten.