Biotop

Anwohner in Vauban haben ein Paradies für Schmetterlinge erschaffen

Paul Nachtwey

Von Paul Nachtwey

Fr, 14. Juni 2019 um 09:51 Uhr

Vauban

Alles, was Schmetterlinge brauchen: Anwohner der Gerda-Weiler-Straße in Freiburg haben ein Biotop für Tagfalter und Raupen geschaffen, deren Anzahl zurückgeht – und das soll nur der Anfang sein.

Aus einer ungenutzten städtischen Grünfläche haben Christel Rosenberger-Balz und ihre Nachbarn an der Gerda-Weiler-Straße einen Lebensraum für Raupen und Falter gemacht. Langfristig soll ein europäischer Schmetterlingsstationen-Weg entstehen. Ein Besuch im Falter-Paradies.

Gewolltes Chaos

Vorsichtig hebt Christel Rosenberger-Balz die Zweige des zarten Bäumchens an und zeigt auf die Unterseiten der Blätter. "An Faulbäumen wie diesem legen besonders Bläulinge gerne ihre Eier ab", erklärt sie. Die kleine Grünfläche, auf der Rosenberger-Balz steht, wirkt chaotisch. Das Gras reicht der 66-Jährigen bist zu den Knien, Holzschnitt liegt im Gebüsch und an einer Ecke greifen Brennnesseln Platz.

Dabei hat hier alles seine Ordnung. "Das ist unser Raupenkindergarten. Schmetterlinge können in dieser Umgebung optimal ihre Eier ablegen und als Raupen leben", sagt Rosenberger-Balz. Gemeinsam mit den Blüten des sogenannten Nektar-Restaurants und der Nektar-Bar bildet die Fläche das Schmetterlingsbiotop Vauban.

"Schmetterlinge sind nicht nur wunderschöne Tiere, sondern auch ein wichtiger Teil unseres Ökosystems." Rosenberger-Balz
"Schmetterlinge sind nicht nur wunderschöne Tiere, sondern auch ein wichtiger Teil unseres Ökosystems", erklärt die Freiburgerin, die als Unternehmensberaterin Start-up-Firmen beim Thema Nachhaltigkeit beraten hatte, bis sie in diesem Jahr in Rente ging. Leider nehme die Zahl der Tagfalterarten mit enormer Geschwindigkeit ab. "Dagegen wollten wir als Nachbarschaft etwas tun", sagt Rosenberger-Balz. Sie und ihre Mitstreiter hätten schnell Unterstützung von der Stadt bekommen, die die Fläche in der Grünspange hinter der Häuserreihe kostenlos für das Projekt zur Verfügung stellt.

Hochgezüchtete Blüten haben oft fast keinen Nektar

Die Freiburgerin steht vor dem Blumenbeet, dem "Nektar-Restaurant", wie sie es nennt. Die Blätter der Bäume rauschen im Wind, und im Hintergrund hört man die Kinderstimmen des angrenzenden Spielplatzes. "Schmetterlinge brauchen Blüten mit Nektar", sagt sie. Skabiose, Dost und Sommerflieder seien genau wie Astern und Katzenminze Beispiele für geeignete Pflanzen. Hochgezüchtete Blüten hätten dagegen oft fast keinen Nektar.

Wer den Tieren helfen wolle, dürfe aber nicht nur an die Falter denken. "Viele Schmetterlinge leben nur wenige Wochen. Sie müssen aber auch als Ei, Puppe und Raupe von uns geschützt werden", betont die 66-Jährige. Das bedeute unter anderem, dass man nicht alle toten Äste zurückschneiden und nicht die gesamte Rasenfläche kurzmähen sollte. "Ecken mit Sträuchern oder Brennnesseln sind vor allem für die Raupen wichtig."

Jeder kann kleine Biotope schaffen

Nach den vielen Regentagen sehe man wenige Falter, erklärt Rosenberger-Balz. "Im Mai haben wir hier aber unter anderem Aurorafalter und Tagpfauenaugenbeobachtet." Um die Arten zu unterscheiden, hatte sie an einem Kurs zum Thema Schmetterlings-Monitoring der Öko-Station am Seepark teilgenommen, bei dem die einzelnen Arten für wissenschaftliche Zwecke über lange Zeiträume gezählt werden. Außerdem informierte sich die Gruppe bei Naturschutzverbänden.

Bereichert habe das Projekt auch ihre Nachbarschaft: "Wir sind über Gießpläne und gemeinsame Gartenarbeit noch enger zusammengewachsen", sagt sie. Auch darüber hinaus sei das Interesse groß: "Viele Familien bleiben stehen und stellen uns Fragen, wenn wir arbeiten." Die Gruppe wolle auch andere Menschen inspirieren, sagt Rosenberger-Balz. Ihre Vision sei ein Schmetterlingsstationen-Weg von Freiburg entlang des Jakobswegs bis nach Besançon.

Das kleine Biotop in Vauban solle für Unternehmen, Kommunen und Landwirte in der Umgebung Impulse für mehr Artenschutz geben, sagt Rosenberger-Balz. Einzelne Familien könnten mit ihren Balkonen und Gärten ebenfalls kleine Schmetterlingsstationen schaffen. "So möchten wir dem dramatischen Artensterben entgegenwirken."