Parade

Christopher Street Day feiert Jubiläum und erwartet Rekordteilnehmerzahl

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 16. Juni 2019

Freiburg

Der Sonntag Dieses Jahr jährt sich der Anlass für die weltweiten CSD-Paraden zum 50. Mal: In Freiburg werden am kommenden Wochenende 15.000 Besucher erwartet, die Parade zieht durch die ganze Innenstadt.

Der Christopher Street Day in Freiburg mit Parade und Party soll in diesem Jahr noch mehr Menschen anlocken als im Vorjahr. Das zumindest wünschen sich die Organisatoren, die mit 15 000 Besuchern am Samstag, 22. Juni, rechnen. Vergangenes Jahr waren es 10 000.

"Nach Berlin und Köln sind wir einer der größten CSD", sagen die Freiburger Veranstalter der LSBTIQA-Community (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Intersexuell, Queer, Asexuell) nicht ohne Stolz. Allerdings gab es vergangenes Jahr eine so nicht beabsichtigte Unterstützung durch die Stadtverwaltung: Sie wollte aus Sicherheitsgründen die Parade nicht durch die Einkaufsmeile Kaiser-Joseph-Straße ziehen lassen. Dagegen klagten die Organisatoren, bekamen dadurch weit über die Stadt hinaus Aufmerksamkeit und schließlich auch noch vor Gericht Recht. Zuvor hatte die Mehrheit im Freiburger Gemeinderat den CSD-Machern aber ihre Sympathien bekundet, was die Verwaltung auch als Signal verstehen durfte. "Die Stadt hat Lehrgeld bezahlt", meinte Ronny Pfreundschuh vom Organisationskomitee bei der Vorstellung des diesjährigen CSD-Programms.

In diesem Jahr läuft einiges anders. Es habe so viele Einzeltreffen mit der Verwaltung wegen Organisationsfragen gegeben wie noch nie, sagt Pfreundschuh. "Alles ist entspannter als letztes Jahr." Auch der Kontakt zur Polizei wegen der Veranstaltung sei gut.

Die Parade am Samstag, zu der sich 16 Wagen- und 15 Fußgruppen gemeldet haben, beginnt um 14 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge. Von da geht’s über die Bertoldstraße in die Kajo Richtung Europaplatz, dann gibt es einen Schwenk zurück auf den Rotteckring, weiter geht’s über die Bismarckallee am Hauptbahnhof vorbei in die Breisacher Straße und dann zum Stühlinger Kirchplatz. Unterwegs wolle man noch eine Schweigeminute anlässlich der in Brunei erlassenen (und dann wegen der internationalen Proteste ausgesetzten) Todesstrafe für Homosexuelle abhalten, kündigte Dirk Heudorf vom CSD-Verein an. Am Stühlinger Kirchplatz sind zwölf Infostände mit Musik, Getränken und veganen Speisen geplant. Ab 22 Uhr gibt’s dann eine Party in der Mensa in der Rempartstraße, die auch dafür gedacht ist, die Auslagen von knapp 30 000 Euro auszugleichen. Der CSD freut sich auf Spenden; auf Sponsoren hat der Verein bewusst verzichtet, da er eine Kommerzialisierung ablehnt. Am darauf folgenden Sonntag geht das Fest im Stühlinger Park weiter.

Der CSD steht in diesem Jahr unter dem Motto: "Don’t be quiet – be riot". Sei nicht leise und schlage Krawall, heißt das. Einen Aufruf zur Gewalt will der Verein darunter aber nicht verstanden wissen, sondern einen Appell zur "Sichtbarkeit". "Wir lassen uns nicht an den Rand drängen", sagt Marie Müller vom Organisationskomitee.

2019 jährt sich der Anlass für die weltweiten CSD-Paraden zum 50. Mal. Auch daran will der CSD in Freiburg erinnern. 1969 hatten sich Schwule und Lesben in einer Szenekneipe in der New Yorker Christopher Street gegen die diskriminierenden Polizeirazzien zur Wehr gesetzt. 1972 gab es den ersten CSD in Berlin. Der erste CSD in Freiburg folgte 1989 mit rund 1 000 Teilnehmern. "Das war damals ein Schock für Klerus und die Bürgerlichen", erinnert sich Dirk Heudorf. 2001 und 2002 kam es zu Neuauflagen. Zu einem festen Bestandteil der Stadt ist der CSD dann ab 2014 geworden. "Den CSD wird es so lange geben, wie es Diskriminierungen gibt", sagt Pfreundschuh.

Anlässlich des Jubiläums plant die Stadt am 28. Juni einen Empfang im Rathaus durch Oberbürgermeister Martin Horn. An drei Tagen sollen zudem Regenbogenflaggen gehisst werden.

Den Organisatoren des CSD unterlief auf der Pressekonferenz des CSD in dieser Woche mindestens ein ärgerlicher Fehler. So kritisierten sie, dass Oberbürgermeister Dieter Salomon vor dem CSD 2018 nicht auf die Verhaftung von 30 homosexuellen Jugendlichen in der Partnerstadt Isfahan reagiert habe. Der Verein CSD habe ihn dazu aufgefordert. Das sei wohl im Trubel des Amtswechsels auf Nachfolger Martin Horn untergegangen. Tatsächlich fanden die Verhaftungen aber bereits 2017 statt und Salomon hatte sehr wohl bei seinem Amtskollegen dagegen protestiert und Aufklärung gefordert, wie die Badische Zeitung berichtete. Ungeklärt hingegen bleibt die Mutmaßung des Organisationskomitees, dass die EU wegen der Querelen im vergangenen Jahr mit der Stadt fünf bis sechs Beobachter für Menschenrechte nach Freiburg geschickt hätte. "Davon wissen wir nichts", heißt es auf Anfrage bei der Pressestelle der Stadt.