"Kein Platz für Sexismus"

Jannis Jäger

Von Jannis Jäger

Di, 02. April 2019

Freiburg

DREI FRAGEN AN Helen Breit zu Fanaktion im Schwarzwaldstadion.

FREIBURG. Fangruppen des SC Freiburg entrollten am Samstag vor dem Spiel gegen den FC Bayern München große Transparente. Sie zeigten zwei Frauengesichter, darunter Spruchbänder: "Das soll unser Fußball sein?" Und: "Nein. Setzt euch gegen Sexismus ein." Mit dieser Choreographie prangerten die Fangruppen Sexismus im Fußball an. Jannis Jäger hat mit Helen Breit von der Supporters Crew über die Aktion gesprochen.

BZ: Warum haben Sie für Ihre Choreographie das Thema Sexismus ausgesucht?
Helen Breit: Wenn wir über weibliche Fans im Fußball sprechen, kommen wir am Thema Sexismus leider nicht vorbei. Deshalb haben wir überlegt, wie es uns gelingen kann, Sexismus in den Fankurven zu thematisieren. Auch wenn sich Sexismus in Freiburg weniger offen zeigt als in anderen Fanszenen, gibt es ihn auch bei uns. In der Choreographie haben wir versucht, das aufzuzeigen. Wir wollten deutlich machen, dass wir uns aktiv gegen Sexismus positionieren.
BZ: Warum haben Sie sich dafür das Spiel gegen den FC Bayern München ausgesucht?
Breit: Der Gegner war bei dieser Choreographie tatsächlich irrelevant. Sie ist im Kontext der fant.tastic females Ausstellung entstanden, die derzeit in Freiburg gezeigt wird. Dort erzählen mehr als 80 weibliche Fans im Videoformat von ihrer Leidenschaft zum Fußball, aber auch von Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind. Sie hat das Ziel, weibliche Fans im Fußball sichtbar zu machen. Dementsprechend waren an dieser Aktion auch diejenigen beteiligt, die an der Organisation und Durchführung dieser Ausstellung mitgewirkt haben. Das war ein breites Spektrum aus der aktiven Fanszene – von Einzelpersonen über Mitglieder der Supporters Crew Freiburg hin zu Personen aus den Gruppen Immer Wieder Freiburg und Corrillo Ultras.
BZ: Was erhoffen Sie sich von solchen Aktionen?
Breit: Dass alle Menschen kapieren, dass Sexismus in dem Fußball, den wir lieben, keinen Platz hat. Die Mitglieder des SC Freiburg haben das in der letzten Satzungsänderung explizit gemacht. Als Supporters Crew Freiburg haben wir ebenfalls unsere letzte Jahreshauptversammlung genutzt, um uns hier eindeutig zu positionieren – damit war die Choreographie sozusagen die logische Konsequenz. Tatsächlich sind wir – für uns überraschend – beim Durchführen der Choreo leider auch auf Widerstand gestoßen. Alleine das zeigt uns, wie wichtig und notwendig eine solch öffentliche Positionierung ist und dass noch lange nicht alles gut ist. Auch nicht in Freiburg.

Helen Breit, 31, war Vorstandsmitglied der Supporters Crew Freiburg (SCFR) und wirkt mit bei "Unsere Kurve", einem bundesweiten Zusammenschluss von Fanorganisationen. Die Wanderausstellung Fan.tastic Females ist noch bis zum 3. April nachmittags im Schwarzwald-Stadion zu sehen.